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Meine Kinder Anderen zu schenken, war die beste Entscheidung meines Lebens

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
SARAHS SURGERY
SARAH TAYLOR JONES
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Es ist genau 15 Jahr her, dass ich in Erw├Ągung zog, Leihmutter zu werden.

Meine Bekannten und Freunde waren schockiert - was dachte ich mir blo├č dabei? Wie k├Ânnte ich einfach mein Baby weggeben? Was, wenn ich es nach der Geburt doch behalten wollte? Welche schrecklichen Menschen bezahlen f├╝r ein Kind? Und wie kann ich mein eigenes Kind verkaufen?

Da erkannt ich: Das Schwerste an der Leihmutterschaft ist, die Menschen aufzukl├Ąren, deren Vorstellungen dar├╝ber auf Boulevardschlagzeilen oder einer TV-Soap basieren.

Obwohl das Wissen ├╝ber Leihmutterschaft sich in den letzten 15 Jahren weit verbreitet hat, haben viele Menschen immer noch so falsche Vorstellungen. Wie es funktioniert, welche Menschen Leihmutterschaft in Anspruch nehmen - der Irrglaube sitzt immer noch tief.

Ich wurde Leihmutter, weil ich es mir nicht vorstellen konnte, wie mein Leben aussehe, wenn ich selbst keine Mutter w├Ąre. Es war die bedingungslose Liebe, die ich jede Nacht f├╝r meine Tochter sp├╝rte, wenn sie sich in meinen Arm gekuschelt hat und eingeschlafen ist. Ich dachte dar├╝ber nach, wie sich eine Frau f├╝hlen musste, die diese Erfahrungen nicht machen kann.

Mein Herz zersprang und ich weinte f├╝r alle, die so tiefe Sehnsucht nach dem haben, was mir so einfach geschenkt wurde.

Wir haben uns einfach gefunden

Ich wusste nicht, wohin ich mich wenden sollte. Mit wem ich ├╝ber meinen Wunsch, ein Kind f├╝r jemand anderen auszutragen, sprechen konnte. Eine Google-Suche f├╝hrte mich schlie├člich zu "Surrogacy UK".

Ich traf dort gleichgesinnte Frauen, Leihm├╝tter, die genauso dachten wie ich. Das war wie eine Offenbarung. Unter ihnen war ich nicht mehr seltsam, weil ich den Schritt gehen wollte. Die Frauen wurden meine Schwestern, meine Leihmutter-Schwestern. Sie verstanden mich und meine Gedanken, ohne sie zu hinterfragen. Ich f├╝hlte mich zuhause.

├ťber "Surrogacy UK" lernte ich einige Paare kennen, alle mit herzzerrei├čenden Geschichten - Fehlgeburten, Totgeburten, unz├Ąhlige Male In-vitro-Fertilisation. Sie alle waren letztendlich da, um eine besondere Freundin zu finden, mit der sie eine lebenslange Bindung eingehen werden - um schlie├člich ein Baby zu bekommen.

Es war an einem der von "Surrogacy UK" organisierten Events, wo ich eine wundervolle Frau namens Andria kennenlernte. Sofort kamen wir ins Gespr├Ąch und verbrachten Stunden damit, ├╝ber dieses und jenes zu reden.

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Wir haben uns einfach gefunden - das Gef├╝hl, von dem mir die anderen Leihm├╝tter berichteten, war da. Ich war so aufgeregt! War das die Frau, die ich zu einer Mutter machen w├╝rde? Ich bat "Surrogacy UK", sie zu informieren, dass ich interessiert w├Ąre. Gl├╝cklicherweise f├╝hlten sie und ihr Mann genauso.

Wir nahmen uns einige Monate Zeit, uns und unsere Familien kennen zu lernen - und sehr schnell wurden wir selbst eine gro├če Familie.

Meinen Freunden zu verk├╝nden, dass sie Eltern werden w├╝rden, war das beste Gef├╝hl

Es war eine gerade Leihmutterschaft - das hei├čt, wir nutzten meine Eizellen, um das Kind zu zeugen. Wir begannen die k├╝nstliche Befruchtung bei mir zuhause und innerhalb von zwei Monaten waren wir schwanger.

Meinen lieben Freunden zu verk├╝nden, dass sie endlich Eltern werden w├╝rden, war das beste Gef├╝hl. Ich ver├Ąnderte ihr Leben. Wie oft kann man schon behaupten, das Leben eines anderen Menschen f├╝r immer ver├Ąndert zu haben?

Ich war auf Wolke 7. Wir alle drei erf├╝llten unsere Tr├Ąume. Sie w├╝rden endlich Mama und Papa werden - und ich eine Leihmutter.

W├Ąhrend der Schwangerschaft bekam ich von ihnen meine Aufwandsentsch├Ądigung - sodass ich nie knapp bei Kasse war. Sie glichen meine Verdiensteinbu├čen aus und ├╝bernahmen Arztkosten und Schwangerschaftsklamotten.

Ô×Ę Mehr zum Thema: "Es ist ein schmerzhafter Kampf": Eine Mutter gesteht, wie sehr sie unter dem Stillen leidet

Die Mutter meines zuk├╝nftigen Kindes sagte, wenn sie schwanger w├Ąre, m├╝sste sie f├╝r das alles auch bezahlen - also w├Ąre es v├Âllig okay. Das half mir, mich nicht schlecht zu f├╝hlen, das Geld anzunehmen.

Der Tag, an dem Georgina geboren wurde, war einer der besten in meinem Leben. Es war gro├čartig, beide Elternteile bei der Geburt dabei zu haben. Wie meine besten Freunde meine Hand hielten, w├Ąhrend ich ihrer Tochter das Leben schenkte, wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Als ich sah, wie Andria die Kleine stillte und ihr Mann die beiden so liebevoll ansah, wusste ich: Das w├╝rde nicht meine letzte Leihmutterschaft sein.

Sie sind stolz, dass es gleich drei Menschen gebraucht hat, um ihnen das Leben zu schenken

18 Monate sp├Ąter gebar ich mein zweites Leihmutter-Kind, Miranda. Meine Familie wurde immer gr├Â├čer. Ich war so dankbar.

Die beiden Kinder sind heute 14 und 13 Jahre - und ich habe immer noch eine Beziehung zu ihnen und ihren Eltern. Die M├Ądchen wissen, wer ich bin und welch au├čergew├Âhnliche Geschichte sie haben - und sie sind stolz.

Stolz, dass es gleich drei Menschen gebraucht hat, die sie lieben, um ihnen das Leben zu schenken, Mama, Papa und Sarah.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Es war keine Liebe auf den ersten Blick

Nach meiner Hochzeit und der Geburt zweier weitere Kinder f├╝r mich selbst, kehrte ich zur Leihmutterschaft zur├╝ck. Ich wusste, ich wollte keine weiteren Kinder f├╝r mich - also schien es mir wie eine Verschwendung meiner Fruchtbarkeit, sie nicht jemand anderem zu geben.

Mich zum dritten Mal daf├╝r zu entscheiden, war also das leichteste auf der Welt.

Nach sechs Monaten sa├č ich in einer Kennenlernrunde mit einem lieben gleichgeschlechtlichen P├Ąrchen, Michael und Nick. Wir lachten und tauschten uns aus und sie mochten meine Kinder so sehr, dass ich wusste, sie w├╝rden tolle V├Ąter sein.

Ich wusste, ich wollte ihnen ein Geschwisterchen schenken

Sie bewiesen es, als Elliot vor vier Jahren zu Welt kam - per Kaiserschnitt. Ihre Gesichter zu beobachten, als sie ihren geliebten Sohn zum ersten Mal sahen, lies mich vergessen, dass ich noch auf dem OP-Tisch lag.

Ich wusste sofort, ich wollte diesem h├╝bschen kleinen Jungen ein Geschwisterchen schenken.

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Leider erwies sich das als etwas schwierig - ich hatte blockierte Eileiter entwickelt. Trotzdem zeugten wir Erica - mit der Hilfe der Londoner Frauenklinik.

Neun Monate sp├Ąter erblickte sie das Licht der Welt - in dem wohl lustigsten Kaiserschnitt, den die ├ärzte wohl jemals erlebt hatten. Wir lachten alle zusammen, irgendwann sogar die ├ärzte - so sehr freuten wir uns ├╝ber die Geburt der Kleinen.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Leben als Mama mit Burnout: Ich war nicht mehr in der Lage, mich um meine Kinder zu k├╝mmern

Mit fast 40 Jahren - und sieben Babys sp├Ąter, wusste ich, es war Zeit, mich als Leihmutter zur Ruhe zu setzen. W├Ąre das Alter nicht, h├Ątte ich wom├Âglich niemals damit aufgeh├Ârt. Es schmerzt ein bisschen, nicht mehr denen helfen zu k├Ânnen, die immernoch auf eine Leihmutter warten. Deshalb leiste ich noch Freiwilligenarbeit f├╝r "Surrogacy UK". So kann ich der Organisation noch etwas helfen.

15 Jahre und vier Leihmutter-Babys - ich bin so gl├╝cklich, dass ich meinen Traum erf├╝llen konnte.

Ich h├Ątte niemals gedacht, dass ich eine riesige Leihmutter-Familie gewinnen w├╝rde. Es ├╝bertraf all meine Erwartungen. Ich bin unglaublich gl├╝cklich.

Von Sarah Taylor Jones, Leihmutter

Der Beitrag erschien zuerst bei HuffPost UK und wurde aus dem Englischen ├╝bersetzt.

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