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Als ich einfach aufhören wollte, Mama zu sein

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Die Sonne geht auf und auch sie werden wach, einer nach dem anderen. Sie starten in den Tag und damit ist es auch Zeit für mich. Unser Tanz kann beginnen - ob ich bereit dafür bin oder nicht. Denn sie brauchen mich.

Und so verbringen wir unsere Tage: Kochen und Wäsche waschen, Rumturnen, Kleider wechseln, Bedürfnisse stillen, Wehwehchen wegküssen, Weinen, Mittagsschlaf halten und Türme bauen.

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Und immer wieder heißt es: „Versuchen wir es nochmal", „Bitte räum das weg", „Da musst du jetzt tapfer sein", „So verhält man sich als wahrer Freund."

Ich zweifel, ob ich dem gerecht werde.

Und dann ist da noch die Einsamkeit, die Wiederholung, die Monotonie, das tiefe Ein- und Ausatmen und das Zusehen, wie die Minuten vergehen.

Und die Zweifel, ob ich alledem wirklich gerecht werde. Ob ich tatsächlich in der Lage bin, drei kompetente, hilfsbereite, liebevolle und warmherzige Menschen großzuziehen.

Denn ich sehe Dinge, die andere nicht sehen.

Ich sehe den Tag vor mir, als ich meiner 22 Monate alten Tochter gegenüber ausgerastet bin und zu ihr sagte: „Mit dir bin ich fertig", kurz bevor ich mich in meinem Zimmer einschloss, um nicht den Verstand zu verlieren.

Oder den Tag, als ich nicht auf meine Kinder eingegangen bin, als sie mit mir spielen wollten, weil ich einfach so unglaublich müde war.

Oder den Tag, an dem ich meine Kinder von Zeichentrickfilmen betreuen ließ, weil ich einige Dinge zu erledigen hatte.

Oder das eine Mal, als ich meinen Kindern das Malen verboten habe, weil ich keine Lust auf die ganze Sauerei hatte.

Und dann frage ich mich: Bin ich die einzige Mutter da draußen, die daran zweifelt, ob sie das Zeug dazu hat? Erleben auch andere Mütter solche Momente, in denen sie sich wie absolute Versagerinnen fühlen? Kennt noch jemand diese Tage, an denen alles irgendwie zu viel wird? Tage, an denen man sich fühlt, als könne man einfach nichts richtig machen und man am liebsten alles hinschmeißen würde?

Es ist nämlich so: Muttersein ist hart. So ist es nun mal.

Es verlangt uns alles ab, von den Moment, in dem wir aufstehen bis zu der Sekunde, wenn sich unsere Augen schließen - und selbst in diesen wertvollen nächtlichen Stunden haben die Bedürfnisse der Kinder noch ihr Vorrecht.

Es kostet sämtliche Kraftreserven, wenn man ihnen zusieht, wie sie umherschweifen und fliegen. Wie der Drachen des Lebens, den man steigen lässt. Und man selbst wiederum ist der Anker in ihrem Leben, der ihr unermüdliches Herz mit dem Boden verbindet.

Es kostet Geduld, Gerechtigkeit, Mitgefühl, Zärtlichkeit und Geduld, immer wieder Geduld.

Denn: Liebe wiegt schwer und Muttersein ist hart.

Aber in jedem dieser Momente - in den schwerwiegenden und den harten gleichermaßen - gibt es die eine Sache, auf die ich mich stütze: Man hört nie auf, Mutter zu sein.

Das ist die Sache, die das Muttersein so einzigartig und heilig und schwierig und mächtig und anspruchsvoll macht. Wir Mütter bewegen uns zwischen Momenten, die so tiefgründig sind, dass uns häufig der Atem stockt und im nächsten Augenblick stoßen wir an die Grenzen unseres Verstandes.

Wir kennen die Termin- und Stundenpläne fünf anderer Menschen auswendig, jonglieren mit tausend Tellern und einer Million Bällen gleichzeitig, während wir krampfhaft versuchen, unsere Kaffeetasse festzuhalten.

Aber wir machen weiter.

Auch wenn wir Momente erleben, die nicht so schön sind.

Auch wenn wir nicht jede einzelne Sekunde genießen.

Auch wenn wir am Ende unserer Kräfte sind und uns fragen, wie wir bis zum Abend durchhalten sollen.

Auch wenn wir zweifeln.

Auch wenn wir mit der Tatsache zu kämpfen haben, dass es heute unsere einzige konkrete Errungenschaft war, kleine Menschen am Leben zu erhalten.

Auch wenn wir die Geduld verlieren.

Auch wenn wir um 4 Uhr nachmittags ein Glas Wein getrunken haben.

Auch wenn wir Angst haben.

Auch wenn es in unserem Zuhause nicht immer friedlich zugeht.

Auch wenn wir uns nicht richtig gut fühlen.

Wir machen weiter, obwohl diese Momente hart sein mögen.

Halte noch etwas durch. Achte auf Dinge, die dir entgangen sein könnten: Die nicht zusammenpassenden Kleider deines ach-so-stolzen Kindes, das gerade gelernt hat, sich allein anzuziehen. Oder die Art wie deine Einjährige versucht, einen Purzelbaum zu schlagen, dich dabei ansieht und kichert. Achte auf die Stimmen deiner Kinder, wie sie das ABC-Lied singen.

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Lass diese Momente in dein Bewusstsein und lauter werden als die anderen, die von deinen Misserfolgen flüstern. Lass dich von diesen positiven Momenten daran erinnern, dass du ganze Arbeit leistest. Denn es ist alles in Ordnung mit dir und es wird alles in Ordnung mit dir sein und deine Kinder werden in Ordnung sein.

Wirklich.

Weil es das wert ist. Das ist es einfach.

Denk nicht einen Moment daran, dass du nicht gut genug bist. Dass deine Arbeit, die du um 3 Uhr nachts verrichtest und die unsichtbar bleibt, keine Auswirkungen hätte. Und dass du „Weniger Als" bist. Dass deine emsigen Samstage und Stunden der Hausarbeit und all die viel beschäftigten Minuten zwischen Aufstehen und Schlafen gehen keinen tieferen Sinn haben.

Du liebst deine Kinder über alles.

Du leistest ganze Arbeit.

Was du tust, ist von Bedeutung.

Deine Arbeit zählt.

Du bist gut genug.

Auch wenn du immer noch das Make-up vom Vortag trägst und die Jogginghose von heute morgen. Auch wenn du es nicht alles auf die Reihe bekommst. Auch wenn es mehr von dir abverlangt, als du geben kannst. Auch wenn du fertig mit der Welt bist.

Es sind nicht diese harten und schwierigen Momente, die dich definieren. Sei nicht so hart zu dir selbst und halte dich daran.

Also ermahne weiter, atme weiter, liebe, küsse, erziehe und spiele weiter.

Aber mach weiter.

Mutterschaft ist von Allem etwas. Es ist schwierig und erschöpfend, stürmisch und lohnenswert und aufreibend. Es ist mächtig und überwältigend und alltäglich und banal - alles zur selben Zeit.

Atme also durch.

Sei nicht so hart mit dir selbst. Ich versichere dir, du leistest gute Arbeit.

Und machst weiter.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Carolin Zaniewicz aus dem Englischen übersetzt.

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