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"Ich bin einsam, egal wie viele Menschen um mich herum sind" - der Alltag einer hochsensiblen Person

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SAD WOMAN
Tara Moore via Getty Images
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Die meisten Menschen sind einsam, wenn sie alleine sind. Das Gefühl stellt sich ein, wenn sie alleine in ihrem Wohnzimmer auf dem Sofa sitzen. In einem Moment zwischen zwei Aufgaben und Unternehmungen, zwischen A und B, wenn sie einmal durchatmen und kurz Zeit für ihre Gedanken haben.

Ich bin einsam, wenn ich unter Menschen bin. Sogar, wenn ich neben meinem Freund sitze. Sogar, wenn unsere Beine sich dabei berühren und unsere Finger sich verschränken. Das Gefühl der Einsamkeit ist so greifbar, dass es wie ein Begleiter ist, ein entfernter Cousin, der die Angewohnheit hat, unangekündigt aufzutauchen und für eine Weile zu Besuch zu bleiben.

Einsamkeit

Das ist, plötzlich zu bemerken, wie weiß die Wand ist. Sich bewusst zu werden, wie isoliert man ist, weil man mit seinen eigenen Gefühlen in seinem Körper gefangen ist und es nie mit jemandem so ganz teilen kann, weil man dafür mit einer anderen Person zu einem verschmelzen müsste.

Die Körper müssten anfangen zu zerfließen, sich zusammenzufinden und wieder verfestigen. Erst dann könnten auch die Gefühle geteilt und verstanden werden. Erst dann könnte eine andere Person verstehen, was in mir vor geht. Meine Gefühle sind dieser greifbare Klumpen, der manchmal in mir rumort und raus will, verstanden werden will, aber festsitzt.

Dann bin ich einsam. Weil ich so viel fühle und es nicht teilen kann. Weil ich oft einfach zu viel fühle und nicht weiß, wohin damit.

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Das sind die Momente, in denen keiner mich versteht und ich ohnmächtig vor Angst werde. Weil ich Haut an meiner spüren muss, weil ich jemandem, den ich liebe, so nah sein will, wie es nur eben möglich ist, damit dieses Gefühl von Einsamkeit verschwindet.

Weil mir die Worte fehlen, um zu beschreiben was ich fühle und mir nichts mehr auf der Welt wünsche, als einfach zu verschmelzen. Nicht, um mich zu verlieren, sondern um mich nicht zu verlieren.

Vielleicht wirke ich dann ein wenig irre, wenn ich nicht erklären kann, warum. Wenn ich wütend vor Angst werde, wenn ich die körperliche Verbindung nicht finden kann und wenn, sie einfach nicht ausreicht.

Meistens hasse ich es, so viel zu fühlen

Ich wünschte, ich würde verstehen, was meinem entfernten Cousin die Haustür öffnet. Vielleicht nur ein einziger, kleiner, flüchtiger Gedanke, den ich nicht einmal bewusst wahrnehme. Der aber das Türschloss daran hindert, sich ganz zu schließen und jedem die Chance gibt einzutreten.

Die meiste Zeit hasse ich es, so viel zu fühlen. Es kann wunderbar sein. Und grausam. Ich schaue eine Serie, die traurig ist und meine Welt geht unter. Ich bin das Haus mit der offenen Tür und ich kann zu oft nicht filtern, was rein darf und was nicht.

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Mir fehlt ein Türsteher. Die Traurigkeit wird dann so überwältigend, dass ich nicht groß genug bin, um sie alleine zu tragen. Ich muss eine Möglichkeit finden, damit nicht alleine zu sein. Aber es geht nicht.

Weil es komisch ist, wenn man von einer einfachen Serie so traurig wird. Weil die meisten anderen Menschen nicht so viel und nicht so intensiv fühlen. Und dann werde ich mir meiner Einsamkeit wieder bewusst.

Ich bin einsam, egal wie viele Menschen um mich herum sind. Ein hochsensibler Mensch zu sein, ist so verdammt anstrengend. Wie gesagt, kann es auch wunderbar sein. Wenn mich etwas positiv ansteckt und mitreißt, dann bin ich so glücklich, dass ich beinahe platze. Das kann schon durch eine winzige Kleinigkeit passieren.

Alles ist manchmal unerträglich anstrengend

Wenn ich nur eine schöne Landschaft sehe. Ein Paar in der U-Bahn, das liebevoll miteinander umgeht. Eine Geschichte lese, die schön ist. Ich kann glücklicher sein, als man es in Worte fassen kann. Aber der Schmerz wiegt oft mehr als das Glück.

Er liegt wie ein Stein auf dem Herzen und hat die Angewohnheit, die Zeit langsamer vergehen zu lassen. Er lässt sich schwerer vertreiben, während Glück wie ein flüchtiger Schmetterling ist, den man nicht zu fassen bekommt.

Hoch sensibel zu sein, ist manchmal einsam. Alltägliches ist manchmal unerträglich anstrengend. Seien es viele, laute Geräusche um mich herum, Stroboskoplichter oder Stunden, die ich ununterbrochen mit Menschen (sogar mit Freunden) verbringe.

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Ich möchte Geschichten erzählen, um wenigstens den kleinstmöglichen Teil meiner Gefühle verständlich weitergeben zu können. Schreiben ist meine Art, anderen Menschen zu erklären, wie sich laute Musik, viele Menschen und zuckende Lichter anfühlen. Und wenn meine Geschichten nur ein kleiner Finger sind, der sich um einen anderen keinen Finger schließt. Dann lohnt es sich.

Deshalb schreibe ich. Es ist persönlich. Deshalb möchte ich Geschichten erzählen, deshalb will ich berühren. Mehr als das. Verschmelzen.

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