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Was eine dreifache Mutter ihren schwangeren Freundinnen wünscht

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SCHWANGER
Thinkstock
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Ich habe kürzlich an euch gedacht - meine lieben langjährigen Freundinnen, die ihr demnächst zum ersten Mal Mama werdet. Ich habe einer von euch eine Kiste mit alter Umstandskleidung geschickt - die paar Teile, die drei Schwangerschaften innerhalb von fünf Jahren überdauert haben. Der anderen habe ich, wie gewünscht, ein paar Bücher geschickt. Ich denke jeden Tag an euch beide.

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Mit einem drei Monate alten Baby bin ich teilweise bereits Teil der Welt, in die ihr bald eintretet; aber meines ist das dritte und letzte Baby. Es fährt in einem Autositz, in dem zuvor sein Bruder und seine Schwester saßen, wird in einem Wagen umhergeschoben, das wahrscheinlich heute nicht nur altmodisch, sondern nicht einmal mehr auf dem Markt ist. Ich bin erfahren, ja; aber ich habe den Anschluss an die „Trends" der Neu-Mutterschaft verloren.

Ich will euch die richtigen Dinge sagen; Worte, die etwas bedeuten und nicht nur Klischees sind (wobei ihr herausfinden werdet, dass viele Klischees schlicht wahr sind). Ich will helfen. Ich will, dass sie wunderbar wird, die Sache, die da mit euch passiert. Ich will euch vor ein paar Dingen bewahren, die nicht so wundervoll sind, und vor der Enttäuschung, wenn ihr erkennt, dass es manchmal einfach scheiße ist.

Heute morgen am Frühstückstisch habe ich an euch gedacht. Die Großen schlürften ihr Müsli, Bryan und ich reichten das Baby hin und her, während wir unsere Kaffeetassen auffüllten und selbst frühstückten. Als die Kleine anfing zu quengeln, hob ich mein T-Shirt, um sie trinken zu lassen. Nach nur einer Minute wandte sie sich ab, als ob sie sagen wollte: „Nein, danke Mama. Das reicht erstmal."

In dem Moment fühlte ich mich wieder wie eine Neu-Mutter und fühlte all das, was ich am Anfang schon gefühlt hatte. Warum hat sie keinen Hunger? Wann hat sie das letzte Mal getrunken? Wenn sie so schnell aufhört zu trinken, kommt sie nicht an die Hintermilch. Und ich werde anschwellen. Sollte ich es noch einmal versuchen? Sie dazu bringen, die obligatorischen 12 Minuten zu trinken, von denen ich beschlossen habe, dass sie eine angemessene Stilldauer sind? Und wenn nicht - welche Brustseite soll ich ihr nächstes Mal geben? Und wann ist das nächste Mal?

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Nur für einen Moment staunte ich zwischen der enormen Distanz zwischen dieser „Neu-Mum" und der, die ich jetzt bin. Vor fünf Jahren hätte ich auf der Coach gesessen, in der ordnungsgemäßen Still-Position, mit Stillkissen auf dem Schoß und der Fernbedienung neben mir. Hätte auf die Uhr geschaut, als hielte sie die Antworten auf alle meine Stillfragen bereit. .Heute morgen saß ich am Küchentisch, mit Chaos um mich herum, Kaffee trinkend, Müsli essend, während ich dieses dritte und letzte Baby stillte, ohne auch nur eine Ahnung zu haben (oder mich drum zu kümmern), was die Uhr sagt.

Und in diesem Moment war ich dankbar für diese beiden Versionen von mir (wobei die eine die andere erst möglich gemacht hat, natürlich). Und ich dachte an euch.

Denn es ging gar nicht so sehr ums Stillen am Küchentisch. Es ging darum, wie wunderbar es ist, dass das Muttersein mit jedem Baby und jedem verstrichenen Jahr „automatischer" wird. Und das würde ich euch gerne im Paket schicken: dieses Gefühl, zu wissen, was ihr tut, wie ein Autopilot; das Gefühl der Sicherheit und der Gewissheit, dass ihr habt, was euer Baby braucht.

Ob ich die ganze Zeit über dieses Gefühl habe? Um Himmels willen, nein. Ich schwimme im kalten Wasser mit meiner Ältesten, und auch mit ihrem Bruder, der so ein völlig anderes Kind ist als sie. Aber in diesem vertrauten Baby-Stadium bin ich in meinem Element. Ich genieße all die wunderbaren Momente ohne die Sorge, das Wundern, das Grübeln. Ich bekomme die Belohnungen, ohne krampfhaft zu versuchen, mir alle Regeln zu merken.

Wenn ich dieses Gefühl für euch in eine Flasche abfüllen könnte, würde ich es tun. Aber ich kann es nicht. Eure eigenen Erfahrungen warten, und ich kann sie genauso wenig besser machen wie ich meine eigenen ändern kann. All die weisen Worte in den Büchern dieser Welt werden euch die Schwierigkeiten nicht aus dem Weg räumen oder euch darauf vorbereiten, wie ihr sie bewältigt (und ihr werdet sie bewältigen - besser, als ihr euch vorstellen könnt).

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Und deshalb halte ich mich manchmal zurück, wenn wir telefonieren. Ich stelle Fragne, ich höre zu, und ich schicke euch im Stillen gute Wünsche. Ich wünsche euch simple Dinge, wie eine einfache Geburt und ein gesundes Baby. Ich wünsche euch auch Dinge, die ohnehin zu ihrer Zeit passieren: guten Schlaf in der Nacht, und ein paar neue Freundschaften mit Müttern, und ein paar Jeans, das wieder passt.

Ich gebe euch keine Ratschläge - es sei denn, ihr fragt danach. Und wenn ihr fragt, gebe ich Antworten wie „Naja, das kann man sehr unterschiedlich sehen" oder „Ich glaube, jeder ist unterschiedlich, es kommt drauf an, was du glaubst". Ich weiß, dass das total frustrierend ist, wenn alles, was ihr wissen wollt, ANTWORTEN sind. Und dann wünsche ich euch im Stillen noch etwas: dass ihr so bald wie möglich erkennt, dass es keine richtigen Antworten gibt.

Ich wünsche, dass ihr, wenn ihr all die Bücher lest und den Hebammen zuhört und euren Müttern und euren Schwiegermüttern (die alle Weisheit haben, aber nicht die Antworten), auch euer Baby „lest" und auf euer Herz hört. Ich habe herausgefunden, dass die Kombination, „außen" nach Informationen zu suchen und „innen" nach eurer Intuition, eine magische ist.

Ich wünsche, dass ihr, wenn ihr euch an die Regeln haltet - des Fütterns, des Schlafens oder was auch immer - versteht, dass diese Regeln euch Struktur geben sollen, euch führen sollen, und dass die Welt nicht in Stücke fällt, wenn ihr entscheidet, die Regeln aus dem Fenster zu schmeißen.

Ich wünsche euch, dass ihr wisst: Es ist okay, eure Schlachten auszuwählen. Es ist einfach, sich von dem Glauben anstecken zu lassen, dass wir uns um alles leidenschaftlich kümmern müssen, von Windeln bis zur Disziplin, und dass jede Wahl, die wir treffen, etwas über uns als Eltern aussagt. Aber manchmal denke ich: Seinen eigenen Weg zu finden, ist eher eine Aneinanderreihung von glücklichen Zufällen als ein sorgfältig durchdachter Prozess.

Mein größter Wunsch für euch ist aber: dass ihr Befriedigung im Muttersein findet. Ich meine nicht, dass ihr es die ganze Zeit toll finden sollt, oder dass es das Beste ist, was euch jemals passiert ist. Ich meine, dass ihr, wenn die wirklich hässlichen Teile kommen, wenn Zweifel aufkommen und die Angst euch packt und Tränen fließen, wisst, dass das, was ihr tut, wichtig ist; und dass ihr die Richtigen seid, um jetzt und hier genau das für euer Baby zu tun.

Ich weiß, diese Gedanken sind keine, die auf eine Grußkarte passen, aber das ist, was ich für euch habe. Und während ein Teil von euch euch am liebsten direkt mit hinüberzaubern würde in diese wunderbare Phase, in der ich - nach fünf Jahren - jetzt bin, werde ich genau das natürlich nicht tun. Ich werde diesen Weg vielmehr mit euch gehen als Freundin, die euch gerade so viel voraus hat, dass sie weiß, dass niemand von uns die Antworten hat. Und die da ist, wenn ihr anruft, um zu sagen: „Ich könnte kotzen!", oder auch, wenn ihr sagt: „Ich liebe es!"

In Liebe - Sarah

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Dieser Beitrag ist eine Übersetzung aus dem Englischen und zuerst auf The Happiest Home erschienen.