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Was du wissen solltest, bevor du dein Kind für sein schlechtes Benehmen bestrafst

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WUTANFALL KIND
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Eltern sein ist harte Arbeit. Selbst wenn alles gerade gut läuft. Wenn es einmal nicht gut läuft, kann sich das Kinder erziehen manchmal sogar wie eine unschaffbare Aufgabe anfühlen.

Eltern, die sich für einen eher behutsamen, entspannteren Erziehungsstil entschieden haben, erleben häufig ein 'Disziplin-Burnout'. Oder wie ich es nenne: "Ich kann das nicht länger ertragen"- Momente.

Wir kennen sie alle - diese Momente, in denen du dich fragst, warum du dich je dazu entschieden hast, Kinder zu bekommen. Die Momente, in denen du darüber nachdenkst, alles hinzuschmeißen und einfach wegzulaufen, um im Zirkus anzufangen - kinderlos natürlich.

Und die Momente, in denen du dich wunderst, warum zur Hölle du jemals gedacht hast, du wärst eine gute Mutter.

Mehr zum Thema: Warum Kinder nicht für einen Wutanfall bestraft werden sollten

Das sind genau die Momente, in denen Eltern dem entspannten Erziehungsstil abschwören und anfangen zu schreien, zu bestrafen und alles zu machen, von dem sie sich geschworen hatten, es niemals zu tun.

Für alle, die das hier gerade lesen und die fast an diesem Punkt angelangt sind oder ihn bereits erreicht haben, sind hier drei Punkte, die es im Hinterkopf zu behalten lohnt.

1. Wir dürfen Kinder nicht überschätzen

Häufig ist der Grund, warum Kinder sich nicht benehmen oder es nicht klappt, sie unter Kontrolle zu bekommen, dass die Erwartung, die wir an ihr Verhalten haben, einfach nicht mit ihrem Alter zusammen passt.

Man kann von einer Dreijährigen nicht erwarten, dass sie ihr Geschwisterkind nicht beißt, schlägt oder tritt, wenn sie wütend ist. Genauso wenig, wie man von einem Vierjährigen erwarten kann, immer alles zu teilen, von einem siebenjährigen Kind, sein Zimmer immer ordentlich zu halten, oder einem Teenager, nicht zu schreien, zu schmollen oder Türen zu knallen.

Wenn du trotzdem eine dieser Sachen von deinem Kind erwartest, ist jetzt schon vorprogrammiert, dass sich deine Erwartungen nicht erfüllen lassen. Das bedeutet nicht, dass dieses Verhalten okay ist. Das ist es nicht.

Aber Kinder sind keine Erwachsenen, und auch wir Erwachsenen sind selbst nicht immer Vorbilder. Auch wir haben Tage, an denen wir unhöflich und impulsiv sind. Tage, an denen wir grob sind, schmollen oder eben auch mal unordentlich sind.

Es ist einfach nicht realistisch, von Kindern zu erwarten, dass sie niemals solche Aussetzer-Tage haben. Und es ist noch viel unrealistischer zu glauben, dass wir sie dazu bringen könnten, sich wie Erwachsene zu verhalten.

Sie sind schließlich auf einer ganz anderen Stufe der geistigen Entwicklung. Also: Schraub deine Ansprüche ein bisschen runter. Fang an zu verstehen, dass sich deine Kinder nicht vorsätzlich schlecht benehmen. Sie versuchen es ja schon so gut es - bezogen auf ihre altersgerechte, neurologische Entwicklung - eben geht.

2. Wir müssen aufhören, Kindern dieses Verhalten abgewöhnen zu wollen

Verständlicherweise wollen Eltern ihre Sorgen über das Verhalten ihrer Kinder loswerden. Sie wollen in der Lage sein, ihr Baby davon abzuhalten, sein Essen vom Hochstuhl zu werfen und ihr Kleinkind davon, die teuren Vasen auf dem Sideboard anzufassen.

Sie suchen nach Mitteln und Wegen, ihre dreijährige Tochter zu stoppen, wenn sie mit Gegenständen im Haus umher schussert, die vier- und sechsjährigen Geschwister, wenn sie streiten und den Teenager, wenn er schmollt.

Jedes Mal, wenn es nicht klappt, dieses Verhalten zu unterbinden, neigen Eltern dazu, sich Vorwürfe zu machen. Wir müssen von dieser "ich muss alles richtig machen"- Mentalität Abstand nehmen.

Manchmal, in Wahrheit sogar ziemlich oft, gibt es in Sachen Verhalten einfach kein richtig oder falsch. Es ist nicht wie bei einem Problem mit einem Elektrogerät, das behoben werden muss. Einer Sicherung, die ausgetauscht werden muss - und tada, Problem gelöst.

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Wir reden hier über junge Menschen, nicht über Elektronik. Menschliches Verhalten, besonders das von kleinen Kindern, ist grau - nicht schwarz oder weiß.

Es wäre schön, alles aufräumen zu können und auch Verhalten einfach reparieren zu können, die schlechten Dinge für immer in einen Schrank einzuschließen. Aber das echte Leben funktioniert so einfach nicht - im Gegenteil: Es ist kompliziert und chaotisch.

Änder deinen Blickwinkel - Denk nicht "Wie kann ich das am besten beheben?" sondern "Ist es realistisch, zu erwarten, dass dieses Verhalten sofort aufhört?" Kann ich mein erwachsenes Gehirn dazu benutzen nachzugeben, anstatt immer alles nach meinem Willen machen zu wollen?

Mehr zum Thema: Ein Kinderarzt erklärt: Das ist der oft übersehene Grund, warum Kinder ihren Eltern nicht gehorchen

Seine Einstellung zu ändern, weg von "ich muss alles verbessern" hin zu einer "ich muss alles etwas lockerer angehen"- Mentalität, lässt einen wirklich anders auf die Dinge schauen.

Dass ein Baby Essen vom Hochstuhl wirft, kann man nicht ändern. Eine bessere Lösung wäre es stattdessen, den Hochstuhl abzuschaffen und es auf ein Deckchen auf dem Boden zu setzen.

Genauso wenig kann man das Kleinkind davon abhalten, das teure Porzellan anzufassen. Hier wäre es sinnvoller, die wertvollen Gegenstände einfach außer Reichweite zu platzieren oder sie in einer Vitrine einzuschließen, bis das Kind älter und in der Lage ist, seine Impulse zu kontrollieren.

Wechsel lieber zu einer lockeren Einstellung und fang an, dein voll entwickeltes Gehirn dazu zu nutzen, die Situation zu umschiffen, wenn Härte und Disziplin einfach nicht funktionieren wollen.

3. Eltern sollten das Fehlverhalten ihres Kindes nicht persönlich nehmen

Nur um das klarzustellen: So etwas wie perfekte Eltern gibt es einfach nicht. Jeder vermasselt mal etwas.

Es gibt auch niemanden, der immer ruhig und bedacht ist. Endlose Geduld hat niemand. Hör also auf, alles persönlich zu nehmen. Die meiste Zeit hat es nichts mit dir zu tun.

Es geht nicht darum, wie du dich verhältst oder darum, wie du deine Kinder erzogen hast oder für welche Erziehungsmethode du dich entschieden hast. Du musst die Stimmungsschwankungen deines Kindes einfach akzeptieren. In den meisten Fällen ist es einfach nur Zufall und ein bisschen Biologie spielt vielleicht auch noch eine Rolle.

Es macht keinen Unterschied, ob du ein autoritäres Elternteil bist, schnell Hausarrest aussprichst oder Belohnungen vergibst, oder ob du eher ein ruhigeres Elternteil bist, das den Fokus auf Empathie und Nähe legt.

An irgendeinem Punkt wird sich dein Kind nicht so verhalten, wie du es dir wünscht. Das ist einfach das, was Kinder machen (siehe Punkt 1).

Du musst lernen, damit auf lange Sicht klar zu kommen. Egal, was du jetzt machst - wenn wir ehrlich sind, wird es keine großen Auswirkungen darauf haben, wie sich dein Kind heute verhält oder morgen oder vielleicht nächste Woche.

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt, was Kinder mehr als alles andere von ihren Eltern brauchen

Die Ergebnisse deiner Erziehung werden sich in den kommenden zwanzig oder dreißig Jahren zeigen. Ich kann verstehen, dass es dich nervt, wenn sich deine Bemühungen jetzt gerade noch nicht auszahlen. Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Bemühungen umsonst sind und dass das, was du da versuchst, nicht funktioniert.

Neben dem Gefühl, demotiviert zu sein und dem Wunsch, deinen "wie erziehe ich meine Kinder auf eine nette und ruhige Art und Weise"- Ratgeber ins Feuer zu schmeißen, gibt es ein weiteres Problem: Dir selbst die Schuld zu geben, ist Gift.

Das Schuldgefühl frisst dich auf und nagt an deinem Selbstvertrauen. Wenn du es diesen Gefühlen erlaubst zu wachsen, behandelst du dich selbst schlecht und wenn du deine eigenen Grenzen nicht achtest, verlierst du die Beherrschung und die Toleranz.

Das Ergebnis davon? Du wirst genau die Art von Eltern, die du nie sein wolltest. Und deine Kinder werden dir dein Verhalten nachmachen. Für die besten Ergebnisse in Erziehungssachen musst du an deinem eigenen Selbstvertrauen und Wohlergehen arbeiten. Denn das ist der Schlüssel, um über all die Jahre hinweg, die es braucht, bis deine Bemühungen Früchte tragen, nicht die Hoffnung zu verlieren.

Wie du dich selbst vor deiner übertriebenen Selbstdisziplin rettest? Meine Lieblingslösung ist es, eine Pause vom Elternsein zu nehmen. Damit meine ich nicht, die Kinder alleine zuhause zu lassen (obwohl... wenn du das machen kannst und es auch möchtest - los gehts!).

Ich meine damit: Hör auf, ständig darüber nachzudenken. Tausche deine Erziehungsratgeber lieber gegen Liebesromane, Thriller, Dramen oder was auch immer dir in den Sinn kommt.

Leg eine Social-Media-Pause ein oder wenigstens eine Pause von erziehungsbezogenen Medien (und vermeide ganz besonders die "perfekte Eltern"- Seiten oder Instagram-Accounts. Du weißt, dass sie nur dazu führen, dass du dich fühlst, als seist du nicht gut genug.

Hör auf zu analysieren, was du machst und was du sagst, wenn du mit deinen Kindern zusammen bist - zumindest für ein paar Tage. Lass die Dinge lieber etwas schleifen. Ignoriere das Verhalten, das dich wahnsinnig macht und versuch endlich, wieder Spaß zu haben mit deiner Familie.

Wenn du relaxter bist und wieder neue Energie geschöpft hast, kannst du dich diesen Dingen wieder widmen. Aber denk dran: Schraub deine Ansprüche runter, hör auf, immer alles perfekt machen zu wollen und alles persönlich zu nehmen!

von Sarah Ockwell-Smith

Dieser Blog erschien ursprünglich in der HuffPost UK und wurde von Rebecca Nothvogel aus dem Englischen übersetzt.

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