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Das ist der oft übersehene Grund, warum dein Kind sich daneben benimmt

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TODDLER
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Habt ihr euch schon mal darüber gewundert, warum euer Kleinkind etwas tut, das ihr ihm eigentlich verboten habt? "Fass nicht die Tür vom Backofen an, sonst verbrennst du dich" - Oft verstehen Eltern nicht, warum sich ihr Kind in bestimmten Situationen anders benimmt, als sie es eigentlich erwarten.

Auf etwas zu hören und selbst die Erfahrung zu machen, sind zwei sehr verschiedene Dinge. Doch nur wenn das Kind die heiße Ofentür anfasst, kann es selbst die Erfahrung machen und dadurch lernen.

Für Eltern kann es durchaus hilfreich sein, das Verhalten ihres Kindes in diesen sich wiederholenden Abläufen zu verstehen, vor allem wenn es sich 'daneben benimmt'. Denn dahinter stecken bestimmte Schemas.

Die Bezeichnung "Schema" ist in der Erziehung und bei Erziehungstherapeuten ein geläufiges Wort. Es fasst bestimmte Verhaltensmuster des Kindes zusammen, die immer wieder auftauchen und in denen das Kind besonders vertieft in sein eigenes Handeln erscheint.

Die Lernprozesse des Kindes verstehen

Denn um die Kinder spezifisch fördern zu können, müssen Eltern seine Interessen und individuellen Fähigkeiten herausfinden. Dabei spielen die folgende Schemas eine bedeutende Rolle. Durch sie können Eltern die Lernprozesse ihrer Kinder deuten und so vielleicht auch besser verstehen.

Das Verbindungsschema
In diesem Schema lernen Kinder, wie sie Dinge miteinander verbinden. Oft äußert sich dies darin, dass sie zum Beispiel die Schienen der Spielzeugeisenbahn zusammenstecken, Legosteine aufeinanderstapeln oder mit Blättern aus Papier einen Pfad auf dem Boden machen.

Das Aufbewahrungsschema
Dieses Schema trifft bei Kindern auf, wenn sie beginnen Dinge in einem Sack oder einer Kiste aufzubewahren. Zum Beispiel, wenn sie ihre Malstifte wieder zurück in die Box zu legen.

Das Einpackschema
Hier lernen Kinder, Dinge zuzudecken. Zum Beispiel ihren Teddybären mit einer Decke oder ihr Essen mit einer Serviette.

Das Positionierungsschema
In diesem Schema lernen Kinder über die Positionen eines Objekts in Bezug auf ein anderes. Oft bewegen sie dabei das Essen, das sie auf dem Teller haben in verschiedene Positionen. Oder sie wollen plötzlich auf einem anderen Platz sitzen als bisher.

Das Rotationsschema
Bei diesem Schema dreht sich alles um Objekte, die sich drehen. Zum Beispiel das Rotieren der Waschmaschinentrommel, oder das der Räder eines Autos.

Kinder sind fasziniert von sich drehenden Objekten. Oft versuchen sie, die Bewegungen zu imitieren oder sie versuchen selbst Objekte zu drehen, wie zum Beispiel einen Ball auf dem Boden.

Das Wurfschema
Beim Wurfschema befassen sich Kinder mit Bewegung und Richtung. Kinder, die sich im Lernprozess des Bewegungsschemas befinden, werfen oft mit Gegenständen um sich, um die Flugbahn zu beobachten. Zum Beispiel mit ihren Spielzeugen, aber - ganz zum Leidwesen ihrer Eltern - auch mit dem Essen.

Das Umwandlungsschema
In diesem Schema entwickelten Kinder Interesse daran, mit Objekten in der Umgebung zu experimentieren. Das äußerst sich oft darin, dass sie zum Beispiel Saft in ihren Brei gießen und dann mit ihren Fingern erforschen, wie sich die Substanz verändert hat. Oder sie streuen Sand von der Sandgrube in ihre Haare, um zu erfahren, wie es sich anfühlt.

Das Transportschema
Dieses Schema beschreibt, wenn Kinder Objekte von einem Ort zum anderen bewegen. Zum Beispiel ziehen sie einen Spielzeugwagen mit Bausteinen von einem Teil des Gartens in einen anderen, oder sie stapeln Dosen in der Küche aufeinander.

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All diese Schemata können Eltern vor bestimmte Probleme stellen. Denn diese Lernprozesse kollidieren oftmals mit der Erwartungshaltung der Eltern und dem sozialen Umfeld, in dem sie sich bewegen.

Den meisten Eltern wäre es mit Sicherheit lieber, wenn ihr Kind nicht mit den Fingern im Brei spielt, eine Packung Feuchttücher aufreißt und den gesamten Inhalt auf dem Boden verteilt oder die Dosen auf dem Küchenregal neu anordnet.

Doch genau dieses Verhalten ist nicht ungezogen oder frech, sondern für Kleinkinder völlig normal. Und es ist noch viel mehr als das. Es ist der Beweis, dass gerade ein großartiger Lernprozess stattfindet.

Dieser Blog erschien ursprünglich in der Huffington Post UK und wurde von Maximilian Marquardt aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)