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Warum alle anderen Babys nachts durchschlafen - nur deins nicht

05/12/2017 15:25 CET | Aktualisiert 05/12/2017 15:26 CET
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Wenn dein Baby nachts nicht durchschläft, fühlt es sich oft so an, als ob du alleine in einer Welt bist, in der alle anderen Babys durchschlafen. Das lässt dich automatisch deine Methoden und deinen Erziehungsstil hinterfragen. Du wunderst dich, was du falsch gemacht hast und wie um alles in der Welt so ein 'Schlafproblem' entstehen konnte.

Ich bekomme oft E-Mails von Eltern, die schreiben: "Ich weiß, dass ich für die schlechten Schlafgewohnheiten verantwortlich bin. Ich weiß, dass es meine Schuld ist." Oder: "Ich weiß, ich sollte ihn beim Schlafengehen nicht stillen. Deshalb schläft er nicht, während andere Babys in seinem Alter das tun."

Tatsächlich ist keine dieser Annahmen wahr. Wenn das Baby nicht durchschläft, ist das nicht die Schuld der Eltern. Genauso wenig sind die, deren Babys angeblich durchschlafen, Wundereltern. Denn der größte Unterschied beruht auf Glück und elterlichen Überzeugungen und Ansichten.

Es gibt fünf Gründe, warum die Babys deiner Freunde und Familienmitglieder alle besser zu schlafen scheinen als deins:

1. Die Eltern haben einfach Glück

Ein großer Teil des Erfolgs beim Durchschlafen basiert schlicht und ergreifend auf Glück. Es ist ein Zufall oder Glück bei den Genen, denn Schlaf hat einen großen genetischen Faktor. Manche Babys sind einfach unkomplizierter als andere.

Ich hatte eines dieser unglaublich einfachen Babys. Mein Zweiter schlief jede Nacht durch, bis er zwölf Wochen alt war. Er schlief sogar leichter ein, wenn man ihn wach in sein Bettchen legte. Ich hatte nichts damit zu tun. Ich war sogar ein wenig traurig über die fehlenden Kuscheleinheiten.

Mehr zum Thema: Vorteile von Breastsleeping: Das passiert mit Kindern, die im Bett der Eltern gestillt werden

Meine Tochter dagegen, die als Vierte geboren wurde, war schrecklich in Bezug auf das Schlafen. Sie schlief nachts nicht durch, bis sie vier Jahre alt war. Ich sage immer, dass es bei einem Kind geblieben wäre, wenn sie mein erstes gewesen wäre. Ich habe nichts anders gemacht. Es war einfach Glück.

Dieselben Eltern, die gleichen Methoden und Routinen - ein anderes Baby. Vielleicht haben deine Freunde also auch das Glück, dass ich bei meinem Zweiten hatte, während du meine Vierte hast. Vielleicht werden sie aber einen üblen Schock erleben, wenn ihr zweitgeborenes Baby wie meine Vierte ist. Und du hast vielleicht eine schöne Überraschung, wenn der Schlaf des nächsten Babys besser ist. Es ist wirklich nur Glück.

2. Die Eltern bemerken nur nicht, wenn das Baby nachts wach ist

Kein Baby schläft die ganze Nacht durch. Das war noch nie so und wird auch nie so sein.

Manche Babys beginnen sofort einen neuen Schlafzyklus, sobald der eine vorüber ist. Und das ohne Hilfe der Eltern. Manche wachen auf, aber bleiben still in ihrem Bettchen liegen. Andere dagegen schreien nach den Eltern, bevor sie einen neuen Schlafzyklus beginnen. Keines schläft die ganze Nacht tief und fest.

Die Babys, die scheinbar durchschlafen, wachen auch zum Ende ihres Schlafzyklus auf. Sie liegen dann einfach leise spielend in ihrem Bett, während die Eltern sich dessen nicht bewusst sind.

3. Die Eltern haben das Baby unbewusst trainiert

Viele Eltern wenden Elemente des Schlaftrainings an, ohne es zu merken. Oft arbeiten sie daran, das Baby wach ins Bett zu legen, ohne es im Arm in den Schlaf zu wiegen. Und das bereits von einem jungen Alter an.

Manchmal sagen sie, dass sie "es eine Weile quengeln lassen" und betonen, dass sie "nicht bei jedem kleinen Wimmern ins Zimmer rennen", sondern "warten, bis es ein richtiges Weinen ist".

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Das "Quengeln" und "Wimmern" ist oft schon richtiges Weinen. Was sie meinen, ist, dass sie nicht ins Zimmer gehen, bis das Baby laut und anhaltend schreit. Das ist Schlaftraining, auch wenn die Eltern nicht wissen, was sie tun.

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4. Die Eltern haben ihr Baby trainiert, aber lügen

Manche Eltern lügen, wenn es um Schlaftraining geht, weil sie es nicht zugeben wollen. Andere schwindeln in Anwesenheit der Freunde, deren Kinder nicht durchschlafen, damit diese sich besser fühlen. Wenn deine Freunde sehen, dass du erschöpft bist und sie wissen, dass du kein Fan von Schlaftraining bist, werden sie dir die Vorzüge nicht unter die Nase reiben.

5. Die Eltern verstehen den Begriff "Durschlafen" anders

Der Begriff "Durchschlafen" bedeutet für verschiedene Leute verschiedene Dinge. Für manche heißt es, zwölf Stunden am Stück zu schlafen, für andere ist es ein Schlaf von acht Stunden. Die wissenschaftliche Definition dagegen ist sechs Stunden.

Für manche Eltern hat das Baby durchgeschlafen, wenn sie nur kurz zum Stillen nachts aufgewacht sind. Selbst wenn das fünfmal in der Nacht passiert ist.

Wir stellen fest: Der Begriff ist vage. Er hat so viele Definitionen. Wenn Menschen also über das "Durchschlafen" diskutieren, meinen sie oft nicht das Gleiche.

Mehr zum Thema: Was mit Kindern passiert, die nicht alleine schlafen lernen

Zum Ende noch eine Statistik, die ich gerne anbringe: Mit neun Monaten schlafen nur 16 Prozent aller Babys die ganze Nacht durch. Das gilt auch für weniger als die Hälfte der Kleinkinder. Dass sie während der Nacht aufwachen, ist nicht nur normal, sondern auch sehr weit verbreitet.

Das nächste Mal, wenn du denkst, dein Kind sei das einzige, das nicht durchschläft, denk daran, dass es bei dem Thema kein Schwarz und Weiß gibt.

Dieser Artikel erschien zuerst bei HuffPost UK und wurde von Johanna Gill aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)

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