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Unrealistische Erwartungen: 7 Mythen über Schönheitsoperationen

02/12/2017 14:05 CET | Aktualisiert 02/12/2017 14:05 CET
Sam-Stock via Getty Images

Bereits 59 % der Männer und 37 % der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Ein noch weit größerer Teil der Bevölkerung ist mit dem eigenen Körper unzufrieden. Über eine konstant hohe Nachfrage plastisch-ästhetischer Operationen zur Fettentfernung wundert sich deshalb sicher niemand. Dennoch häufen sich dazu dutzende Fragen, da sich unterschiedliche Vorstellungen - auch falsche - etabliert haben. Wir räumen mit den gängigsten Mythen rund um die Fettentfernung endgültig auf.

1. Eine Fettabsaugung reduziert Übergewicht

Es ist eine schöne Vorstellung: Ohne Diät oder Sport überschüssiges Fett einfach in einer Operation absaugen. So simpel sieht die Realität aber leider nicht aus. Eine Fettabsaugung stellt kein probates Mittel zur Behandlung einer Adipositas dar. Den meisten ist nicht bewusst, dass im Rahmen des Eingriffs maximal 5 Liter Fett abgesaugt werden können, da andernfalls Kreislaufzusammenbrüche riskiert würden. Zudem stellt die Liposuktion keine Ganzkörperbehandlung dar. Mehr als 3 Körperzonen wird kein plastisch - ästhetischer Chirurg dem Patienten zumuten. Eine Fettabsaugung ist sinnvoll für Menschen, die unter ungünstig verteilten Fettpolstern - z.B. im Bereich der Oberschenkel oder am Bauch - leiden. Diese individuellen Problemzonen sind oftmals genetisch bedingt und lassen sich kaum durch eine entsprechende Ernährung oder Sport beeinflussen.

Menschen mit einem BMI über 30 müssen leider enttäuscht werden, da sie tatsächlich an einer schwerwiegenden Adipositas leiden. Erst nach gängigen medizinischen Behandlungen zur Gewichtsreduktion, die auch einen Magenbypass beinhalten können, kann im Folgenden eine Fettabsaugung vorgenommen werden. Doch auch nach extremen Gewichtsverlusten ist eine Fettabsaugung nicht immer geeignet. Ist die Haut nach der Abnahme erschlafft und hängt sie herunter, ist eine Hautstraffung eine übliche Option, um die Hautlappen entfernen zu lassen, die ggfs. gut mit einer Fettabsaugung kombinierbar ist.

2. Eine Fettabsaugung kostet immer gleich viel.

Viele Patienten wundern sich über die Höhe der Kosten einer Fettabsaugung. Zugegeben: Die Suche nach den Kosten einer Liposuktion im Internet kann den Laien verwirren. Von 1.500 bis 6.000 Euro ist so ziemlich alles zu finden. Man sollte jedoch bedenken, dass die Fettabsaugung ein in höchstem Maße individualisierter Eingriff ist. Kein Mensch bringt, schon allein wegen der sehr unterschiedlichen Körperformen, die gleichen Voraussetzungen mit. Es ist natürlich ein Unterschied, ob in einer einzigen Operation nur die Reiterhosen oder aber die inneren und äußeren Oberschenkel sowie die Hüften gleichzeitig behandelt werden. Des Weiteren scheint nur wenigen Patienten klar zu sein, dass die Fettabsaugung einen Eingriff mit erheblichem technischen Aufwand und Personaleinsatz darstellt, um sowohl mit der größtmöglichen Sicherheit als auch Gerätschaften auf dem neuesten Stand ein Resultat zu ermöglichen, mit dem sie vollends zufrieden sein können.

3. Nach einer Fettabsaugung kann ich nicht mehr zunehmen.

Ein weiterer stark verbreiteter Irrglaube ist die Annahme, dass in einer Liposuktion abgesaugtes Fettgewebe nicht wieder zugenommen werden kann. Das ist nicht vollständig von der Hand zu weisen. Abgesaugte Fettzellen sind verschwunden und damit nicht mehr in der Lage überflüssiges Fett aufzunehmen. Prozentual gelangt bei einer Gewichtszunahme also weniger Fett in die behandelten Zonen. Das gilt allerdings nur für eine moderate Zunahme von rund 10 % des Körpergewichts. Alles, was darüber hinausgeht, kann dem Körper signalisieren, dass er mehr Fettzellen benötigt. Diese entwickeln sich dann aus Stammzellen im Rückenmark. Eine Fettabsaugung ist also absolut kein Garant für einen dauerhaft schlanken Körper. Das ist auch der Grund, warum Menschen, die vor einer Fettabsaugung durch die Etablierung eines gesunden Lifestyles ihr Gewicht reduzieren und anschließend stabil halten konnten, langfristig mehr Freude an den Resultaten haben.

4. Die Fett-weg-Spritze wirkt wie eine Fettabsaugung, nur ohne OP.

Die Fett-weg-Spritze ist ein relativ junges Verfahren zur Reduzierung von Fettpolstern. Sie wirkt nach dem Prinzip der Injektion eines Wirkstoffs mit Hilfe einer Spritze in die Fettpolster. Der rein pflanzliche Wirkstoff, ein Phospholipid aus der Sojabohne, löst in den Fettzellen eine Entzündungsreaktion aus, der sie absterben lässt und innerhalb von ca. 6 Wochen aus dem Körper schleust. Leider ist auch die Fett-weg-Spritze kein neues Wundermittel mit dem sich eine schlanke Silhouette quasi im Schlaf zaubern lässt. Vor allem kann und wird sie die Fettabsaugung nicht ersetzen können. Von der Injektion profitieren vor allem diejenigen mit kleinen Fettpolstern, bspw. einem Doppelkinn, welche hartnäckig einer gesunden Ernährung und Bewegung standhalten. Bei ausgeprägten "Rettungsringen" oder Übergewicht würde sich durch die Spritze überhaupt keine sichtbare Veränderung einstellen.

5. Die Fett-weg-Spritze ist günstiger als eine Fettabsaugung

Auf den ersten Blick wirkt die Fett-weg-Spritze, auch aufgrund des geringeren Aufwands dieses minimal-invasiven Verfahrens viel günstiger als eine Fettabsaugung. Jedoch ist der Effekt deutlich geringer, als man ihn von einer Fettabsaugung erwarten könnte. Außerdem reicht die einmalige Behandlung mit der Fett-weg-Spritze in der Regel nicht aus, um den gewünschten Effekt auch wirklich zu realisieren. Je nach Ausmaß der zu behandelnden Fettpölsterchen und der individuellen Ansprache des Körpers auf das Phospholipid, sind 2 - 3 Behandlungen einzurechnen. Der Preis für eine Injektion bewegt sich zwischen 200 - 600 Euro. Zudem gibt es durchaus Patienten, die auf die Behandlung gar nicht anspringen. Wer also auf Nummer sicher gehen und ein überzeugendes Endergebnis erreichen möchte, dem ist mit einer Fettabsaugung immer noch am besten geholfen.

6. Eigenfettunterspritzungen zur Vergrößerung der Oberweite oder des Gesäß kommen für jeden in Frage

Bestimmte Bereiche des Körpers durch Injektionen von Eigenfett aufzupolstern, wird immer beliebter. Diese Methode verspricht nicht nur ein sehr natürliches Ergebnis, sondern auch die Beseitigung von Fettpolstern an anderen Körperstellen. Das zur Aufpolsterung der Brust oder des Gesäßes (Brazilian Butt Lift) verwendete Fett wird z.B. aus dem Bauch- oder Oberschenkelbereich des Patienten gewonnen und nach der Aufbereitung in einer Zentrifuge in die gewünschten Körperzonen eingebracht. Hier zeigt sich auch schon das Problem. Ausreichend große Fettpolster sind für eine Eigenfettbehandlung Pflicht. Sehr schlanke Patienten bringen für die Behandlung einfach nicht genügend Substanz mit. Das betrifft nun einmal den Großteil der Patienten, die aufgrund eines geringen Körperfettanteils mit ihrem flachen Hintern oder zu kleinen Brüsten unzufrieden sind.

7. Mit Eigenfett-Injektionen können die gleichen Resultate erzielt werden wie mit Vergrößerungen durch Implantate.

Injiziertes Eigenfett unterliegt zum Teil dem körperlichen Abbauprozess. Aus diesem Grund können mehrmalige Injektionen bis zur Erreichung des endgültigen Ziels notwendig sein. Zu diesem Zweck wird in der Fettabsaugung, die dem Eingriff voraus geht, eine größere Menge Fett gewonnen als für eine einmalige Injektion notwendig wäre. Der Rest wird eingefroren. Eigenfett-Injektionen führen aber trotzdem nur zu einer Vergrößerung der Brust bis maximal einer Cupgröße. Stärkere Volumenzunahmen sind nur durch die Verwendung von Silikonimplantaten zu erzielen.

Eine Po-Vergrößerung mit Eigenfett wird aufgrund der natürlichen Optik und angenehmeren Körpergefühls häufig einer Vergrößerung mit Implantaten vorgezogen. Auch hier ist lediglich eine moderate Vergrößerung möglich.

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