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7 Jahre danach - Was sich seit dem PIP-Skandal verändert hat

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PIP SCANDAL
Stephane Drapot via Getty Images
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„Nicht mit uns! Der Silikon-Skandal", der deutsche TV-Film, der erst jüngst ausgestrahlt wurde, hat einen der größten Skandale der Medizin der letzten Jahre wieder in die Medien gerufen. Der Film erinnert an den Skandal um die Silikonimplantate des französischen Herstellers PIP, der vor sieben Jahren öffentlich wurde. Erzählt aus der Perspektive von vier betroffenen Frauen, beleuchtet er die Tragweite des Skandals und führt durch Gerichtsverfahren und Prozesse.

2010 war der Skandal bekannt geworden: der französische Hersteller Poly Implant Prothèse (PIP) hatte Brustimplantate mit billigem Industriesilikon befüllt. Die Implantate wurden porös und rissig. Ausgetretenes Silikon verursachte Entzündungen im Körper und soll sogar zu Krebserkrankungen geführt haben.

7 Jahre später hat die Aufdeckung des Betrugs die Herstellung von Medizinprodukten und deren Zulassung nachhaltig beeinflusst. Besonders auf die Schönheitschirurgie hatte die Enthüllung großen Einfluss. Nicht nur in der Herstellung von Produkten ist dies deutlich geworden. Wenn Patienten sich heute zu Brustvergrößerungen entscheiden, ca. 50.000 davon werden jährlich in Deutschland durchgeführt, beziehen sich die häufigsten Fragen bei uns in der Beratung auf die von Herstellern verwendeten Implantate.

Sie informieren sich ebenso eigenständig über den Hersteller und möchten aktiv Teil des Entscheidungsprozesses bei der Wahl der Implantate sein. Wenn sich Interessentinnen heute bei uns wegen Brustvergrößerungen informieren, spielen Material und Struktur des Implantats sowie dessen Garantie eine große Rolle bei der Beurteilung der Qualität.

Der Umgang mit Medizinprodukten ist weniger leichtfertig geworden, Qualität ist mehr in den Fokus gerückt. Dem PIP-Skandal und andere Skandale um Medizinprodukte folgten, Jahre später, strengere Auflagen und Kontrollen. Das spiegelt sich auch den Fragen der Patientinnen wieder.

Auch wenn einige Branchenvertreter darin vorwiegend eine Verzögerung möglicher Innovationen sehen, scheinen sich Ärzte und Patienten daran nicht zu stören. Zumindest die Schönheitschirurgie ist vorsichtiger geworden: Neue, innovative Produkte oder Eingriffe wie zum Beispiel B-lite Implantate, deren neuartiges Material ein deutlich reduziertes Implantatgewicht ermöglicht, werden von den Patientinnen besonders streng betrachtet.

Ein Trend, der sich besonders auch bei den Ärzten widerspiegelt. Viele plastische Chirurgen setzen seit dem PIP-Skandal mehr auf etablierte Methoden und Materialien. Innovative Produkte und Trends meiden auch viele unserer Ärzte aus Mangel an zuverlässigen Daten. Die Notwendigkeit von Langzeitstudien, die auch mögliche langfristige Gesundheitsrisiken ausschließen sollen, ist dabei gestiegen.

Bei kaum einer anderen Behandlung zeigt sich diese Zerrissenheit der Branche mehr als bei der Brustvergrößerung mit Eigenfett. Aus Angst vor Brustimplantaten - als Folge des Implantatskandals - möchten immer mehr Frauen auf diese Methode ausweichen. Dabei wird mithilfe von Eigenfett, das im Rahmen einer Fettabsaugung aus dem Körper entnommen und aufbereitet wird, die Brust ohne den Einsatz von körperfremden Materialien vergrößert. Die Methode ist auch unter Medizinern umstritten, denn nicht alle sind von den bisherigen Daten überzeugt, dass der Eingriff genauso gut verträglich ist wie moderne Implantate. Andere stören sich einfach an den eingeschränkten Möglichkeiten der Methode.

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In der Beratung bei den Ärzten und direkten Anfragen vorab sind solche Trends zunehmend eine Herausforderung, denn der Boom und die Suche nach alternativen Methoden ist ungebrochen. Die Euphorie rund um neue Entwicklungen und Medienberichte lässt oft die Hoffnungen steigen, dass die gleichen Ergebnisse einfacher zu erreichen sind. In Wahrheit lässt sich dieser Wunsch aber nur selten verwirklichen. Wie einer unserer Fachärzte Dr. Atila kürzlich in einem Interview sagte, „Die Vorstellungen der Patientinnen müssen realistisch sein".

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