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Ich habe mich mit einer AfD-Wählerin unterhalten - jetzt verstehe ich ihr Problem

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AFD PEOPLE
Sean Gallup via Getty Images
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Ich liebe Witze über AfD-Wähler - ja wirklich, ich überlege Tag und Nacht nach einem genialen Twitter-Tweet, aber das ist gar nicht so einfach, wie man sich das vorstellt.

Ich rede hier nämlich nicht von einem ausgebuddelten Blondinenwitz, den man einfach bloß ver#afd-elt. Nein, ich erstrebe eine geniale Eigenkreation. Punkt. Ausrufezeichen! Aber jetzt mal Witz beiseite, haben Sie sich schon mal mit einem AfD-Wähler unterhalten?

Eine echte Unterhaltung - dem echten Leben entsprungen - kein Zeitungsartikel, der um neutrale Berichterstattung bemüht ist. Nein, ich rede hier von einer Konversation mit einem Menschen aus Fleisch und Blut (#undgehirn?), sozial integriert und mit Sicherheit nicht strohdumm (#wenngleicharischblond). Ein Auszug gefällig? Bitte sehr!

„Mein Freund hat eine neue Frisur!"

„Zeig mal her!"

Beklommenes Schweigen, unterbrochen vom AfD-Wähler, beziehungsweise genau genommen der AFD-Wählerin.

„Ja - er trägt jetzt seine politische Ausrichtung auch nach außen!" (#stolzundvorurteil)

„Ok - also ist er rechts?"

„Auf dem Land sind wir alle rechts"

„Ok - und warum, wenn ich fragen darf?"

„Jetzt sag nicht, dass du es ok findest, dass die ganzen Flüchtlinge hier aufgenommen werden?"

„Hm - wo sollen sie denn sonst hin?" (#außerzurückinkriegundterror)

„Das ist doch nicht das Problem von Deutschland!" (#wennjederansichdenktistanallegedacht)

„Was tun dir die Flüchtlinge? Ich meine, was hast du persönlich für einen Schaden davon, dass Deutschland so viele Flüchtlinge aufnimmt?"

„Die haben eine Bushaltestelle demoliert - Hallo? Ich wohne jetzt seit über 20 Jahren in unserem Dorf, und das ist vorher noch nie passiert! Man konnte nachts immer auf die Straße gehen und man brauchte nie Angst haben."

(#jetztnatürlichschondenndieflüchtlingehabendasverbrecherGEN)

„Ok - ist das der einzige Grund? Weil du nun Angst haben musst nachts alleine?"

„Ich find´s auch `ne Unverschämtheit, dass die besseres Essen kriegen als wir!" (#mussichnachhakenwillauchbesseresessen)

„Was meinst du mit besserem Essen?"

„Es kann jawohl nicht angehen, dass die vom besten Catering-Service weit und breit bedient werden und dann noch rummeckern." (#undankbareflüchtlinge)

„Vielleicht ist der Catering-Service gar nicht so gut wie sein Ruf?" (#findmichjamanchmalschonechtselbawitzig)

„Doch - auf jeden Fall! Das Essen ist top! Außerdem - warum laufen die alle mit dem neuesten iPhone rum?" (#schleichwerbung)

„Vielleicht, weil es ihr Besitz ist? Ihr Haus können sie ja schlecht in die Tasche packen..."

„Boah - das geht einfach gar nicht..." (#endlichmaleinermeinung #scharfsinnigeafdwählerin)

So, ich denke, das reicht, um einen gewissen Einblick in das Gedankengut eines AfD-Wählers zu erhaschen. Lässt man mal die Ironie beiseite, und befasst sich ernsthaft mit dem Problem dieses Wählers, ist es schnell herausgefunden, denn es liegt in sozialer Ungerechtigkeit begründet.

Ein Sündenbock für alle

Diese AfD-Wählerin ist unzufrieden mit ihrem eigenen Leben, ihrem eigenem Status (#essenundhandy), und was liegt da näher, als die bösen Flüchtlinge zum Buhmann zu küren?

Wieso eigentlich nicht den Manager anprangern, der auch besseres Essen verspeist? Der sich dreimal am Tag in Telefonkonferenzen einwählt und somit verdientermaßen das zehnfache eines Altenpflegers verdient. Nö - damit haben wir uns ja irgendwie schon abgefunden - dann doch lieber die Flüchtlinge verfluchen!

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So sinnfrei die Argumentation der AfD (#vorallemihreneuenverrücktenideen #bürgerarbeit), so ist das ursprüngliche Übel, das sich die AfD geschickt zu Nutzen macht, nicht zu ignorieren. Wenn die anderen Parteien nicht anfangen an sozialer Ungerechtigkeit zu schrauben, und sie vor allem maßgebend zu verbessern, wird diese fragwürdige Partei fortan ihre Wähler finden.

Persönlich favorisiere ich das bedingungslose Grundeinkommen, welches endlich gerechtere Arbeitsbedingungen, vor allem im Niedriglohnsektor, möglich machen würde.

Es gab ja mal Zeiten, da gab es die Sklaverei, und irgendwann haben kluge Menschen diese abgeschafft. Da haben Menschen bestehende Systeme hinterfragt, und gerechter gestaltet. Zumindest in guten Ansätzen. Ich denke, die Zeit ist reif, für neue kluge Entscheidungen.

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