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Ein Appell an alle Mütter, die trotz ihres Kindes arbeiten wollen: Es ist hart, aber nicht unmöglich

26/04/2017 15:07 CEST | Aktualisiert 26/04/2017 20:40 CEST
monkeybusinessimages via Getty Images

Fakt ist: Man stellt sich das so schön einfach vor: Irgendwann kommt eben Nachwuchs und dann laufen das Kindererziehen und das Arbeiten fröhlich nebeneinander her.

Die Realität sieht anders aus: Sind die Strapazen der Geburt und die Startschwierigkeiten beim Stillen erst einmal erfolgreich überwunden, geht es erst richtig los.

Hier sind zehn Tipps zum Arbeiten mit einem kleinem Kind.

1. Die rosarote Wolke genießen

Selbst wenn ihr vorher die größten Workaholics wart. Nach der Geburt eines Kindes interessiert euch die Außenwelt so was von gar nicht mehr.

Wenn es sich nicht um das Kind dreht, dann ist es völlig egal - und merken könnt ihr euch sowieso nix, denn ihr lebt wie durch einen Nebel, der alles Wichtige vom Unwichtigen filtert - und glaubt mir, der Großteil dessen, was "draußen" geschieht, kommt euch dermaßen unwichtig vor. Genießt die Anfangszeit.

2. Nicht durch bürokratische Stolpersteine entmutigen lassen

Das geht los mit Anmeldung des Kindes beim Standesamt, geht weiter mit Kontoeröffnung, Überprüfung der bestehenden Versicherungen (Stichwort Krankenversicherung fürs Kind, Haftpflicht und Risikolebensversicherung), Suche nach Kindergartenplatz, Beantragung von Kindergeld und geht weiter mit der Beantragung eines Reisepasses, der Suche nach einem Kinderarzt und dem Rennen zu den ganzen U-Untersuchungen, das sich noch über die nächsten Jahre hinziehen wird.

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Aber das weitaus kompliziertere Thema ist sicher die Beantragung von Elterngeld, denn man fühlt sich, als würde man tagelang an die 1000 Zettel ausfüllen und hat dann doch noch was vergessen oder übersehen.

3. Nicht übernehmen

Der Körper weiß es eh besser: Man muss nicht alle Aufträge annehmen, die einem angeboten werden - manches lässt sich sehr gut an Kollegen/-innen weiterverteilen, die sich vielleicht unheimlich über Gratis-Neukunden freuen.

Provisionen sind so ziemlich das Letzte, über das ihr euch in dem Moment Gedanken machen wollt. Außerdem könntet ihr Neukunden vielleicht sowieso nicht in dem Umfang bedienen, wie es angemessen wäre. Und was die Stammkunden angeht: Die sind ja hoffentlich vorab über eure Einschränkungen informiert worden.

Das sollte man vielleicht auch erst mal so belassen. Wenn ihr euch einen Ruf gemacht habt, kommen die schon von ganz alleine und fragen nach, ob ihr wieder verfügbar seid.

Und die, die nicht von selbst zurückkommen, könnt ihr immer noch freundlich kontaktieren, wenn ihr euch wieder in der Lage fühlt, mehr Aufträge anzunehmen.

4. Das Kind geht vor

Das Kind will immer beschäftigt sein - und das nimmt den Großteil des Tages ein, ob ihr wollt oder nicht. Sehr zu empfehlen dabei: Tragen. Denn wenn die Kinder eingespannt sind, sind sie beschäftigt, können zuschauen und lernen.

Natürlich nicht so toll vor dem Bildschirm, denn wenn das Kind stupide zuschaut, wie die Eltern vor sich hintippen, ist das nicht besonders lehrreich.

Da empfiehlt sich dann vielleicht eine Spracherkennungssoftware, dann kann man seine Gedanken bequem ins System einsprechen und dabei das Kind unterhalten.

5. Anrufbeantworter arbeiten lassen

Man muss nicht immer erreichbar sein, weder per Mail noch per Telefon. Dafür gibt es ja Anrufbeantworter. Besonders hinter unterdrückten Rufnummern könnten sich lästige Anrufer verbergen, die man vielleicht in dem Moment nicht haben möchte, also im Zweifelsfall: Nicht rangehen, abwarten und wenn es wichtig ist, kann man immer noch zurückrufen.

6. Prioritäten setzen

Ob man will oder nicht, man schafft definitiv nicht alles, was man sich vornimmt. Daher empfehle ich, mit Listen zu arbeiten. Dinge, die definitiv an einem bestimmten Tag erledigt werden müssen, in den Kalender schreiben.

Alle Dinge, die bei Gelegenheit erledigt werden können, aber nicht brandeilig sind, auf eine Extraliste setzen und abarbeiten, wenn es die Situation zulässt.

Mehr zum Thema: Ich habe meinen Mann und meine Kinder verlassen - und das war das Beste, was ich tun konnte

Apropos schreiben: Stilldemenz nicht unterschätzen, denn die kommt definitiv.

Das Gehirn arbeitet im Siebmodus, daher: Alles aufschreiben, denn selbst wenn ihr denkt, dass ihr es euch merken könnt, weil ihr superzuverlässig und organisiert seid - ihr täuscht euch.

7. Netzwerken

Die Marketingaktivitäten schränkt man ganz automatisch ein, bzw. sie sind absolut nicht vorhanden, was auch gut so ist. Aber Aufträge und Neukunden lauern trotzdem überall.

Vielleicht gibts ja im Rückbildungskurs eine argentinische Mutter, die organisatorische Dokumente für ihr Baby übersetzt haben muss?

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8. Keine Eilaufträge

Auf keinen Fall würde ich Aufträge annehmen, die innerhalb von 24 Stunden abgewickelt werden müssen, denn man weiß nie, wann das Kind wieder einen Wachstumsschub hat, unter Blähungen leidet oder einfach nur schlechte Laune hat, die es Mama oder Papa unmöglich macht zu arbeiten.

9. Untypische Arbeitszeiten akzeptieren

Man muss dann arbeiten, wenn es das Kind zulässt. Morgens um 6, abends nach 9 oder am Wochenende zu arbeiten, mag in der Anfangszeit keine Seltenheit sein.

10. Spaziergänge als Antiwinterdepressionsmittel

Jeden Tag mindestens eine Stunde raus, auch wenn das Wetter nicht so prickelnd ist. Dabei kann man das Kind ja wunderbar tragen - und damit erübrigt sich dann auch die Gabe von Vitamin D, denn die Natur gibt davon schon genug ab, selbst in der nicht ganz so hellen Jahreszeit.

Abgesehen davon ist es wissenschaftlich erwiesen, dass ein kurzer Spaziergang pro Tag Depressionen vorbeugt.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf dem Blog der Autorin.

(jz)

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