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7 Gründe für einen Radurlaub mit Kindern

04/05/2017 18:21 CEST | Aktualisiert 04/05/2017 18:21 CEST
AleksandarNakic via Getty Images

Urlaub mit Kindern bedeutet schon vor der Abfahrt Stress: Letzte Wäscheberge beseitigen, das Haus für die blumengießende Nachbarin in einem halbwegs akzeptablen Zustand hinterlassen, Packlisten abarbeiten und dafür sorgen, dass die Kinder währenddessen die Wohnung nicht erneut in einen chaotischen Zustand bringen. Und klar: Für den Notfall noch ein paar Häppchen backen - zumindest, wenn man sich, wie ich, vegan ernährt und demzufolge nicht damit rechnen kann, an jeder Ecke ausgewogene Snacks zu finden.

Hat man es dann endlich geschafft, die Tür von außen abzuschließen, geht der Stress bald im Auto weiter: Dem einen wird schlecht, der andere muss auf Toilette, der dritte hat Hunger und der vierte legt eine Vollbremsung ein, um nicht in das Stauende auf der nahegelegenen Autobahn zu fahren.

Auf all das hatten wir im letzten Sommer keine Lust und entschlossen uns deshalb, direkt von zu Hause mit dem Rad aufzubrechen. Ich will nicht behaupten, dass der Urlaubsanfang weniger stressig gewesen wäre. Im Gegenteil: Das mit dem Packen war sogar noch schlimmer, denn die Hälfte dessen, was ich in stundenlanger Arbeit zusammengesucht hatte, musste wieder aussortiert werden, weil der Platz für Gepäck unglaublich begrenzt ist. Und natürlich kam auch ziemlich schnell ein: „Mama, ich hab Hunger!"

Die Picknickpause führte dazu, dass wir unseren Zug verpassten, der uns auf unsere Hauptstrecke bringen sollte: den kinderfreundlichen Maintalradweg.

Der nächste Zug ging erst zwei Stunden später - und beinhaltete viermaliges Umsteigen. Umsteigen am heißesten Tag des Jahres mit zwei Rädern, zwei Kindern, einem Fahrradanhänger und einem Hund. Umsteigen trotz viel zu geringer Umsteigezeiten, überbelegter, kaputter oder sogar nicht vorhandener Aufzüge. Treppen runter, Treppen rauf - mit all dem Gepäck.

Ein Alptraum. Und unsere Reise hatte noch nicht einmal begonnen.

Warum ich trotzdem jederzeit wieder einen Radurlaub machen würde, verrate ich euch hier:

7 Gründe für einen Sommer-Radurlaub mit Kindern und Zelt

1. Unabhängigkeit: Zwar solltet ihr euch ein Tagesziel setzen, um die Gesamtstrecke in der Zeit zu schaffen, die zur Verfügung steht. Aber wenns mal nicht klappt, dann ist keine Pension vorgebucht, die ihr unbedingt erreichen müsst, sondern ihr steuert einfach entspannt einen Zeltplatz früher an.

2. Gute Laune: Wenn ihr halbwegs Glück habt, dann sorgt das gute Wetter für einen bis zum Rand gefüllten Vitamin-D-Speicher, sodass alle Beteiligten überwiegend gut drauf sind. Wunderbare Bräune inklusive.

3. Intensivere Begegnungen: Das, was ihr erlebt, wenn ihr selbst für die Fortbewegung sorgt, nehmt ihr ganz anders, viel intensiver wahr, als wenn ihr mit dem Auto zum Ziel fahren würdet. Die Begegnungen mit Menschen, aber auch die berührenden Momente mit wilden Tieren (in unserem Fall war es eine Schwanenfamilie) erobern sich schnell einen Platz im Langzeitgedächtnis.

4. Intensivere Erlebnisse: Das Essen schmeckt besser, ein Sprung in den Fluss ist erfrischender und der Schlaf ist erholsamer, wenn man den ganzen Tag im Freien unterwegs war.

5. Intensivere Gespräche: Ihr habt während des Fahrens ganz viel Zeit, die ihr euren Kindern widmen könnt, ohne dass euch E-Mails, ein Anruf vom Chef oder die Urlaubslektüre ablenken. Und das, was ihr erzählt, prägt sich euren Kindern besser ein, denn sie haben auch mehr Zeit zuzuhören.

6. Fitness: Wenn ihr tagelang mit dem Rad unterwegs seid, habt ihr es endlich geschafft, den Sport zu machen, für den ihr sonst im Alltag kaum Zeit habt.

7. Zufriedenheit trotz Minimalismus: Kein Kind wird sich beschweren, dass es seine Spielsachen vermisst, denn auf dem Weg finden sich die abenteuerlichsten Alternativen: Heuballen, auf die man klettern kann, Spielplätze und Bademöglichkeiten direkt auf der Fahrradstrecke - oder aber die Eltern, die mit den Kindern zusammen singen oder für sie Geschichten erfinden.

Lust auf einen etwas anderen Urlaub? Das haben wir gelernt:

7 Tipps für mehr Entspannung beim Radurlaub

1. Das Handy ist nur Notoption: Nutzt es nur für das Wesentliche.

2. Route kennen: Druckt euch die Stationen und Campingplätze entlang der gewünschten Route für alle Fälle aus. (Solltet ihr euch für den Mainradweg entscheiden, dann hilft das hier.

3. Alternative Verkehrsmittel vermeiden: Versucht, Anfahrten mit dem Zug zu vermeiden und lieber gleich von zu Hause aus loszufahren. Müsst ihr dennoch mit der Bahn anreisen, beharrt auf ausreichenden Umsteigezeiten. 25-30 Minuten pro Umsteigebahnhof braucht ihr mindestens.

4. Das Wetter: Checkt die Wettervorhersage, damit ihr eure Räder rechtzeitig unterstellen könnt, wenn es mal länger regnet. Und für den Fall, dass es ein Unwetter gibt, empfiehlt sich eine Ausnahme-Übernachtung in einer Pension, damit ihr am nächsten Morgen nur euch selbst und eventuell die Kinder wieder trockenzubekommen habt. Recht zuverlässige Wettervorhersagen gibts für den ganzen Tag hier. Und wenn es etwas genauer sein muss, dann schaut am besten den Regenradar an.

5. Minimalismus ist essenziell: Reduziert das Wenige, was ihr eingepackt habt, noch einmal auf die Hälfte. Es genügt eine Mini-Flasche Shampoo. Die nächste könnt ihr unterwegs besorgen. Zum Lesen kommt ihr vermutlich sowieso nicht, denn das tägliche Auf- und Abbauen des Zeltes, das Versorgen und Frischmachen der Kinder, die Besorgungen, damit auch ja niemand verhungert, sowie die Besichtigungen inklusive weniger Minuten Verschnaufpause, all das füllt einen Tag bereits aus.

6. Keine abenteuerlichen Erkundungsfahrten ins Blaue: Bleibt immer auf dem offiziellen Radweg, es sei denn, es macht euch nichts aus, durch unschöne oder vielbefahrene Gebiete zu strampeln.

7. Immer ruhig bleiben: Es passieren unvorhergesehene Dinge, aber dagegen seid ihr ohnehin machtlos. Solange ihr selbst nicht allzu nervös werdet, steckt ihr auch die Kinder nicht an. Und dann ist ein Urlaub mit Rädern tatsächlich ein ziemlich entspannter Urlaub.

Die Autorin: Sandra Schindler schreibt Kinderbücher jenseits des Mainstreams, da sie selbst alternativ lebt: vegan, pro Hausgeburt und Langzeitstillen und mit einem Hang zu spirituellen Themen lebt sie mit 2 Kindern, Mann und Hund mitten im Wald. Literaturtipps und Inspirationen für ein entspannteres, alternatives Leben mit Kindern gibt es hier: http://www.sandra-schindler-schreibt.de/vip-liste/

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