Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Prof. Dr. Sandra Müller Headshot

Snapchat - zwischen Hype und Next Big Thing

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SNAPCHAT
Lucas Jackson / Reuters
Drucken

Egal ob auf der re:publica oder auf einem Barcamp: nirgends kommt man an Snapchat vorbei. Die Faszination des Dienstes liegt für die Nutzer in der Kurzlebigkeit ihrer Inhalte. Snapchat Stories sind 24 Stunden sichtbar.

Unternehmen möchten allerdings so nachhaltig wie möglich im Gedächtnis der Zielgruppe bleiben - ein Widerspruch? Die Kurzlebigkeit der Inhalte führt aber auch dazu, dass die Nutzer viel Zeit mit Snapchat verbringen und die Aufmerksamkeit überdurchschnittlich hoch ist. Ein wertvoller Beitrag zum Branding der Unternehmen, wenn es richtig gemacht wird.

Snapchat ist eigentlich "unsozial"

Für ein soziales Netzwerk ist der Dienst bemerkenswert unsozial - es ist schwierig, als Nutzer gefunden zu werden. Funktionen wie das Teilen, Interaktionen, Traffic für die Webseite oder ein kuratierter Algorithmus sind ebenso wenig vorhanden wie Trackingmöglichkeiten. Mit 70 Zeichen und Smartphone-Bildern sind die inhaltlichen Möglichkeiten ebenfalls eingeschränkt.
Unternehmen können eigene Accounts unterhalten.

Das bedeutet viel Arbeit, weil Inhalte nur kurz sichtbar bleiben. Zudem kann Werbung in den Stories gebucht werden. Parallelen zur klassischen Printwerbung drängen sich auf. Ganz aktuell stellte Snapchat eine Schnittstelle vor, die es Werbetreibenden ermöglicht, Videos und Anzeigen in den Stories zu platzieren. Eine weitere Möglichkeit sind Markenfilter. Immer mehr Unternehmen erkennen deshalb Snapchat als Chance.

Bereits große Marken auf Snapchat aktiv

Snapchat ist bei den Jugendlichen sehr populär, aber lediglich ein Drittel der Nutzer ist nach Angaben von Snapchat unter 18 Jahren. Die größte Gruppe sind 18 - 34 Jahre und damit beispielsweise die Hauptzielgruppe von Marken wie Puma, Adidas oder Nike. Deshalb verwundert es nicht, dass genau diese Marken bereits auf Snapchat aktiv sind.

Non-Profit Organisationen wie der WWF mit seiner Kampagne Last Selfie oder das Europäische Parlament, das junge Nutzer ansprechen möchte und einen Blick hinter die Kulissen gewährt, sind ebenfalls erfolgreich. Im Handel ist einer der Vorreiter die Bekleidungskette H&M, die in Polen eine Schnitzeljagd veranstaltete. .

Nutzung in der Automobilindustrie

Bereits 2014 lancierte Audi zum Superbowl eine Kampagne gemeinsam mit der Fernsehserie „Pretty Little Liars". Ein kluger Schachzug: gemessen an der Reichweite und der Anzahl der neuen Follower in anderen sozialen Kanälen des Unternehmens, war der Schritt überdurchschnittlich erfolgreich.

BMW schaltet klassische Anzeigen in Form des BMW-Logos auf den Discover Channel von CNN und Videos, die zwischen den CNN-Inhalten auf Discover angezeigt werden. Diese Werbeform eignet sich auch für Marken wie die Telekom oder Coca-Cola bzw. Marken aus dem Luxussegment wie Cartier.

Fazit:

Snapchat funktioniert sehr gut für Veranstaltungen, limitierte Angebote und einen Blick hinter die Kulissen. Die Nutzer experimentieren mit den Einsatzmöglichkeiten von Snapchat. Der Dienst öffnet sich Stück für Stück auch dem E-Commerce und damit dem klassischen Marketing.

Unternehmen können die Goldgräberstimmung des Dienstes nutzen: sie profitieren davon, unter den ersten zu sein und die fast ungeteilte Aufmerksamkeit zu genießen. Aufgrund der aktuell noch fehlenden kommerziellen Strukturen sollten die Unternehmen sich auf Branding konzentrieren.

Das Autorenteam:
Prof. Dr. Sandra Müller lehrt an der Hochschule für angewandtes Management und arbeitet als Mitglied der Forschungsgruppe "Social Media" an aktuellen Fragestellungen. Gerti Windhuber ist Expertin für Technologiekommunikation und Social Media Managerin bei Rohde & Schwarz.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Villariba vs. Villabajo: Wenn ihr über 20 seid, kennt ihr diese Werbung garantiert noch

Lesenswert: