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Alter, Haare und andere Gebrechen

15/01/2017 14:25 CET | Aktualisiert 16/01/2018 11:12 CET
Thomas Faull via Getty Images

Wusstet Ihr, dass Männer manchmal totale Probleme mit dem Älterwerden haben?

Warum? Wir können doch alle in Ruhe altern, ohne Botox und Schönheitsoperationen. Okay, ich bin erst 29+, muss mir also noch keine Gedanken machen.

Also Männer, hört auf, Euch alberne Haarfarben anzuschaffen, die Haare von rechts nach links zu kämmen, weil die Käferlandeplatte auf dem Kopf größer wird. Seht es auch mal so, es ist günstiger beim Friseur.

Männer mit grauen Haaren sind extrem sexy, Männer mit Färbungen total lächerlich. Ich möchte meinem Mann nicht die Haare färben. Ich möchte meinem Traummann auch nicht beim Friseur begegnen und dann zusehen müssen, dass er keinen coolen Haarschnitt sondern Foliensträhnchen bekommt. Er darf Silber in Form von Geld, aber nicht silberne Folien auf dem Kopf haben.

Ich selbst bin auch nicht gesegnet mit viel Haar, was hat meine Mutter nicht früher alles versucht, damit meine Haare dicker werden? Das Resultat war immer, dass ich aussah wie ein Junge. Kein Wunder, dass mich damals keiner daten wollte. Ich hatte einen Pottschnitt und sah alles andere aus als ein Mädchen. Erst mit 16 begann meine Umwandlung zum Mädchen bzw. dann zur Frau.

Heute, einige Jahre und viele Dates später, sieht man deutlich, dass ich eine Frau bin. Ich mag meine Haare, wenn auch nur 3 auf dem Kopf sind. (okay, vielleicht sind es auch mehr)Ich mag mich so, wie ich bin, zum Glück sind die Geschmäcker ja immer verschieden.

Aber warum schummeln Männer so erbarmunglos? Ich habe mal mit einem Mann namens Tom telefoniert. Irgendwann sagte ich, dass ich ja ein wenig älter als er sei. Darauf stockte er, sagte, er sei älter. Wenigstens war er ehrlich, er war also nicht 40, sondern fast 50. Für ihn sei es ein Experiment, für mich die totale Midlife Krise.

Wir trafen uns, man sah ihm das richtige Alter einfach auch an, was nicht schlimm war. Bei mir sprang der Funke aber einfach nicht über, ich dachte: "Ann-Kathrin, gib ihm eine 2. Chance, das Funkenfeuerwerk kann sich noch entwickeln." Was soll ich sagen? Es war nicht mal ein Schwelbrand.

Das Gespräch war so furztrocken, so langweilig, dass ich fast mit dem Kopf auf die Tischplatte geknallt wäre und mir wahrscheinlich eine Gehirnerschütterung geholt hätte. Oder ich wäre auf Seite 1 einer großen deutschen Tageszeitung gelandet: "Ann-Kathrin V., 29+ aus Hamburg, ertrunken in ihrer Schale Milchkaffee."

Zeugen würde es nicht geben, denn Tom hätte sich ja aus dem Staub gemacht, schnell wie der Blitz. Denn zu allem Unglück erinnerte ich ihn an seine Exfrau. Zu ihr hatte er kein gutes Verhältnis, und wer musste es ausbaden und ertrinken? Ich! Nein, lieber Tom, ich will nicht mit einer Exfrau verglichen werden. Ich will auch nicht ertrinken oder vor Langeweile eine Gehirnerschütterung bekommen.

Steh` mal zu Deinem Alter, Dein Experiment ist bei mir gescheitert, wer weiß, was Du noch alles größer, schöner, anders machst, als es in Wirklichkeit ist. Viel Spaß wünsche ich Dir weiterhin, möge Dein Experiment mit einem Feuerwerk enden!

Tom war also ein nicht mal existierender Schwelbrand, es konnte ja nur besser werden, da brannte es nicht mal wie unter meinem Arm nach der Rasur. Nichts!

Ich wollte Spannung, Spiel und einen Mann. Und dann kam Gunnar mit ins Spiel. Ein Match auf Tinder! Gunnar, 46, auf der Suche nach einer Wohnung in Hamburg und einer passenden Frau dazu. Wir schrieben ein wenig hin und her. Er schien sehr interessiert zu sein, ich auch, obwohl Gunnar deutlich älter aussah. Egal, vielleicht war das Bild einfach nur schlecht getroffen. So verbredeten wir uns relativ schnell.

Ich mag ja unheimlich gerne telefonieren, um zu sehen, ob die Stimme auch zum Bild passt. Aber Gunnar reagierte auf meinen Vorschlag irgendwie nicht. Stattdessen machte er sich ernsthaft darüber Gedanken, wie es wohl sei, mich zu küssen. Nun ja, ich kann das total gut und knutschen ist auch wichtig, ohne dabei abgeschlabbert zu werden oder eine Mandelmassage zu bekommen. Wenn das Küssen nicht gut ist, wird es auch nicht zu einem Feuerwerk in der Hose und auf dem Laken kommen.

Ich weiß nicht, ob Gunnar sich schon vor seinem geistigen Auge vorstellte, wie er mich auf irgendeinem Alstersteg flachlegte. Ich wartete förmlich auf ein Foto, mit dem er und der untere Teil seines Körpers mir zeigten, wie sehr sie sich freuten. Aber Gunnar verschonte mich mit körperlichen Informationen.

Am Tag des Dates ging ich noch zum Sport mit meiner Freundin Andrea, hatte so gar keine Lust, mich mit ihm zu treffen. Aber meistens wird es dann ja gut. Meistens, aber nicht immer. Gunnar holte mich an einer U- Bahnstation ab. Wir begrüßten uns nett, für mich sah er auch in der Realität deutlich älter aus. Die Stimme war ganz okay, er hatte einen westfälischen Dialekt, denn er kam aus der Ecke.

Wir gingen ein Stück an der Alster entlang. Ich bin 1,72m, Gunnar war 1,93m. Ihr könnt euch vorstellen, dass er eigentlich viel schneller gehen müsste, da er große Schritte macht. Tat er aber nicht. Er ging so, als hätte er diverse Bandscheibenvorfälle oder so, wie unsere Vorfahren damals liefen. Der Oberkörper war extrem vorgebeugt, er zog das eine Bein nach. Jeder Chiropraktiker hätte ihn sofort auf die Bank oder einen Alstersteg geschmissen, um ihn mal kräftig zu rucksen.

Dort waren einige Wirbel verschoben und ich wusste gar nicht, wie langsam ich noch gehen sollte. Gunnar kam nicht hinterher. Als er mir noch sagte, dass er regelmäßig um die Alster joggen würde, habe ich mir das 1. Mal wirklich auf die Zunge gebissen. Ich starrte Gunnar an, zum Glück sah er es nicht, denn ich hatte eine Sonnenbrille auf, und er musste sich auf seinen Gang konzentrieren. Ich wollte ihn fragen: "Wie? So? Wie kann man so joggen, wenn man kaum einen Schritt vor den anderen machen kann?"

Wir gingen in ein Café an der Alster. Gunnar musste noch einmal auf die Toilette, er kam ewig nicht wieder. Da stellte ich mir folgende Fragen:

Setzte sich Gunnar zum pinkeln auf die Toilette und kam nicht mehr hoch? Hat Gunnar einen Freund kontaktiert, der ihn anrufen sollte zwecks "Code red"? Läuft Gunnar jetzt orientierungslos im Café umher, weil er nicht mehr wußte, wie ich aussah? Oder ist er einfach nie auf der Toilette angekommen?

Ich fühlte eine Art Erleichterung, denn er gefiel mir einfach überhaupt nicht und seine Gangart schon 3x nicht. Ich suchte schon mal die Nummer meines Chiropraktikers raus, hoffte aber, dass er nicht wieder kam. Doch den Gefallen tat er mir nicht. Gunnar kam angeschlurft, verursachte dabei eine regelrechte Staubwolke. Das war wohl seine Art, sich anzukündigen. Da saßen wir nun.

Gunnar redete nicht viel, ging auch nicht, da er damit zu tun hatte, seinen Kaugummi regelrecht im Mund zu vergewaltigen. Kennt ihr die lieben Amerikaner, wie manche von ihnen ihren Kaugummi im Mund schänden? Und dann sprechen sie dabei noch. Ich könnte dann immer meine ganze Hand nehmen und diesen Kaugummi aus dem Mund ziehen. BITTE: Beim kauen immer den Mund schließen! Das lernt man schon als Kind.

Während Gunnar also intensiv mit seinem Kaugummi beschäftigt war, redete ich ununterbrochen. Ich dachte immer nur, warum tue ich das? Ich rede zwar gerne, aber ich höre auch gerne zu. Aber dann hätte ich mich ja an den Nachbartisch setzen und mit den coolen Hamburger Jungs reden müssen.

Ich hätte in diesem Moment nichts lieber gemacht, erst recht, als Gunnar plötzlich meine Hand nahm und sie so stark massierte, dass ich dachte, der legt mich direkt auf dem Tisch flach. Ich war so angewidert, zog meine Hand zurück. Sagte ihm nur, dass ich keine Handmassage, geschweige überhaupt eine Massage bräuchte.

Betretenes Schweigen."Ann-Kathrin", denk nach!!!" Code red ging nicht, hatte es leider versäumt, meiner Freundin Bescheid zu geben.

Gunnar nahm es mir ab, er sagte: "Man kann ja auch ein Buch über Dates schreiben, nicht wahr?". Mein Einsatz war da. Ich sagte nur: "Oder einen Blog, ich schreibe nämlich über meine Dates."

Gunnar verschluckte vor Schreck seinen Kaugummi und war plötzlich so weiß, wie sein Boss Hemd. Er stotterte nur noch: "Aber über mich wirst du ja nichts schreiben."

Meine Antwort war: "Nein, was soll ich denn da schreiben?" Gunnar hatte innerhalb von nicht mal einer Minute einen wichtigen Termin. Er musste also sofort los, ich feierte mich selbst. Der liebe Gunnar war so etwas von aufgeflogen, denn die vermeintliche Suche nach einer Beziehung stellte sich einfach als Luftnummer mit extremer Einschränkung in der Mobilität heraus.

Gunnar fuhr mich freundlicherweise noch zur U-Bahn zurück, gab mir die Hand und sagte: "Bleib sauber!" Ich wäre fast lachend aus dem Auto gefallen, vor Erleichterung, vor Freude, diesen Mann nie wieder sehen zu müssen.

Und wenn er nicht beim Chiropraktiker war, dann schlurft er heute noch.

Fazit des Tages: Ich habe kein Foto, aber eine Geschichte für Dich.

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