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Es ist okay, wenn du im Leben nicht gerade dort bist, wo du eigentlich sein wolltest

05/04/2017 13:55 CEST | Aktualisiert 05/04/2017 13:57 CEST
Thomas_EyeDesign via Getty Images

Wenn du mich vor ein paar Jahren gefragt hättest, wo ich mit 28 sein möchte, hätte ich dir das hier gesagt: In einem gut bezahlten Job, mit Geld auf meinem Konto, verheiratet, ich würde versuchen, mein erstes Kind vor 30 zu bekommen, damit ich eine junge Mutter wäre, ich würde mich darauf vorbereiten ein Haus zu kaufen - ich wäre also eine echte Erwachsene, die alles erreicht hat.

Ich plane nicht mein ganzes Leben. Ich habe in meinen 20ern öfter meine Karrierepläne über den Haufen geschmissen als mein Outfit gewechselt. Das war nur ein Witz - ich habe meine Karriere nur einmal gewechselt. Und mein Outfit wechsle ich etwa drei bis sechs Mal pro Morgen. Jedenfalls hatte ich aber eine Idee, wo ich mit 28 Jahren sein möchte.

Jetzt bin ich 28 und so weit von dieser Vorstellung entfernt, wie es nur geht

Ich bin nicht verheiratet. Ich verdiene keine Menge Geld. Ich geh immer noch gerne aus (allerdings nicht mehr so wie mit Anfang 20). Ich könnte mir jetzt nicht mal ansatzweise ein Haus leisten. Ich könnte mich gerade nicht um ein Kind kümmern - ich kann mich kaum um mich selbst kümmern.

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Aber obwohl ich gerade glücklich bin mit meinem 28-jährigen Leben, sagt ein Teil von mir ständig: „Mädel, was ist mit unserem Lebensplan passiert? Warum hast du kein Geld? Warum willst du kein Baby? Stimmt was nicht mit dir?"

Ich war nicht beeindruckt von mir selbst

Deswegen war meine Laune letztens eine Mischung aus Stress und Anspannung. Ich fühlte mich unmotiviert und war von mir selbst nicht mehr beeindruckt. Ich habe keine Lust auf nichts und gleichzeitig Lust auf alles.

Es war so, als würde ich darauf warten, dass jemand einen Schalter umlegt, damit sich mein ganzes Leben und meine ganze Persönlichkeit verändern. Damit sich meine Bedürfnisse, Wünsche und Träume zu dem verwandeln, was ich vor Jahren für mich im Alter von 28 Jahren wollte. Aber das wird nicht passieren.

Und weißt du was? Das ist okay. Das bringt mir zu der Stelle des Artikels, an der ich sagen will: Es ist okay, wenn du nicht dort im Leben stehst, wo du ursprünglich sein wolltest.

Was soll das denn überhaupt heißen, „wo du ursprünglich sein wolltest?" (*kotz*)

Als Kind kreierst du eine Vorstellung von der Person, die du sein willst, wenn du groß bist. Das passiert unter dem Einfluss von Gesellschaft, Filmen, Fernsehen und Menschen, die dich fragen, wo du dich in fünf, zehn oder 20 Jahren siehst.

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Du siehst und hörst von Menschen, die in einem bestimmten Alter bestimmte Dinge erreicht haben, deswegen fängst du an, bestimmte Meilensteine mit einem bestimmten Alter zu assoziieren.

Mit 21 gehst du feiern. Mit 25 hast du dein Leben im Griff und startest deine Karriere. Mit 26 hörst du auf, zu feiern. Mit 27 verlobst du dich. Mit 28 hast du einen gut bezahlten Job. Mit 29 kaufst du ein Haus. Mit 30 bekommst du Kinder, wenn nicht früher.

Je älter du wirst, umso eher merkst du, dass dieser Zeitplan, den du für dich entwickelt hast, Bullshit ist. Aber aus irgendeinem Grund hast du immer noch das Gefühl, du müsstest all diese Dinge erreichen - und du hast immer noch das Gefühl, du enttäuschst Menschen, wenn du sie nicht erreichst.

Es erwartet niemand von dir, dass du irgendwas erreichst

Du bist der einzige, der für diesen Zeitplan verantwortlich ist. Du bist der einzige, der enttäuscht sein wird, wenn du all diese Dinge nicht erreicht hast. Um ehrlich zu sein, interessiert es niemanden, ob du immer noch jedes Wochenende feiern gehst, obwohl es Leute in deinem Alter gibt, die das nicht mehr tun.

Niemand glaubt, dass du ein Verlierer bist, weil du noch nicht deinen Traumjob gefunden hast und finanziell immer noch auf wackligen Beinen stehst, obwohl andere schon Häuser kaufen und in den Urlaub fahren und so. Niemand wird auf dich herabschauen, weil du noch Single bist, obwohl andere schon heiraten. Es interessiert niemanden.

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Wenn wir alle im selben Tempo durchs Leben düsen würden und alle dasselbe zur selben Zeit wollten, wäre das langweilig. Wenn du nicht erwachsen geworden und dich verändert hättest, wäre das auch langweilig.

Ich bin also nicht, wo ich mit 28 „ursprünglich sein" wollte. Aber das ist gut. Es heißt, dass ich mich verändert habe. Das heißt, ich will nicht mehr dieselben Dinge, die ich wollte, als ich jünger war. Ich meine, wie hätte ich mit 16 wissen sollen, was ich mit 28 will? Ich weiß noch nicht mal, was ich heute zu Abend essen will.

Es ist Zeit, deinen alten Lebensplan zu zerknüllen und in den Müll zu werfen. Nimm das Leben so, wie es kommt. Mach, was dich glücklich macht. Versuch nicht jemand zu sein, der du nicht bist, weil du vor ein paar Jahren dieser Jemand sein wolltest. Sei, wer du bist. Und wenn diese Person sich ändert, akzeptiere das.

Du wirst so viel glücklicher sein, wenn du erst einmal aufhörst, dich mit Meilensteinen zu assoziieren und einfach anfängst, dein Leben zu leben.

Wirklich.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und erschien ursprünglich auf HuffPost US.

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