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Terrorwarnung: Warum die Frankfurter Radfahrer Recht behalten

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RADFAHREN
Getty
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Nachdem die Polizei einen terroristischen Anschlag auf das Frankfurter Radrennen ÔÇ×Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" verhindern konnte, wurde das Rennen aus Angst vor einem Anschlag abgesagt. Einige Hobbyfahrer haben sich entschlossen trotzdem zu fahren - genau das richtige Signal.

Kritik an Fahrern

Im Onlineauftritt der Rheinischen Post kritisiert Martin Beils, stellv. Ressortleiter Sport bei der Rheinischen Post, die Entscheidung als Misstrauensvotum an Deutsche Sicherheitsbeh├Ârden und wirft den Hobbyfahrern vor, aufgrund ihrer harten Vorbereitungen f├╝r das Radrennen,

ÔÇ×...nach Anarcho-Art dennoch zu fahren."

. Beils betont zu Recht die gro├če Leistung der Polizei diesen Anschlag verhindert zu haben und fordert hierf├╝r Anerkennung. Den Fahrern wirft er dabei vor, die Leistung der Polizei zu untergraben und damit Misstrauen in die Beh├Ârden zu ├Ąu├čern.

Falsche Schlussfolgerung

Aus der gro├čen Gefahr, die f├╝r ├Âffentliche Gro├čereignisse ausgeht, und dem vereitelten Anschlag schlie├čt Martin Beil f├Ąlschlicherweise, dass Zur├╝ckhaltung die richtige Entscheidung sei. Dies mag von Seiten der Beh├Ârden richtig sein, von Seiten der Radfahrer nicht.

Aufgabe der Sicherheitsbeh├Ârden ist der Schutz der ├Âffentlichen Sicherheit und Ordnung. Kann der Schutz nicht hinreichend garantiert werden oder besteht eine begr├╝ndete Gefahr ist die logische und richtige Schlussfolgerung das sch├╝tzenswerte Ereignis abzusagen. Damit kommt die Beh├Ârde, die f├╝r das Leben vieler ihr vertrauender Menschen verantwortlich ist, ihren Schutzpflichten nach.

Sich dieser abstrakten Gefahr trotzdem auszusetzen f├Ąllt unter die freie Entscheidung der Teilnehmer und ist kein Misstrauens- sondern Vertrauensbeweis an die Polizei. Die Menschen erkennen die Leistung der Polizei an, sie vor einem Anschlag gesch├╝tzt zu haben, und machen deutlich, dass sie sich von dieser Polizei besch├╝tzt und ausreichend sicher f├╝hlen. Jedes andere Verhalten w├Ąre ein fatales Signal an den internationalen Terrorismus.

Terrorismus zielt auch auf gesellschaftliches Leben

Der internationale Terrorismus verachtet unsere Gesellschafts- und Werteordnung und zielt auf unser gesellschaftliches Leben und Sicherheitsgef├╝hl. Wir haben uns als Gesellschaft in der Vergangenheit nicht gebeugt und sollten dies auch in Zukunft nicht tun.

Aus denselben Gr├╝nden nicht am Radrennen teilzunehmen, d├╝rften Sportler nach den schrecklichen Anschl├Ągen auf israelische Athleten bei den olympischen Spielen 1972 nie wieder an olympischen Spielen teilnehmen. Tats├Ąchlich wurden eben diese Spiele nach einem Trauertag fortgesetzt.

Wir haben auch nach den Anschl├Ągen des 11. September nicht das Fliegen aufgegeben und sind nach den Anschl├Ągen auf die Londoner U-Bahn 2005 trotzdem weiter Bahn gefahren.
Und wir veranstalten auch nach den Anschl├Ągen auf den Boston-Marathon 2013 weiter sportliche Gro├čveranstaltungen. Auch in Boston laufen wieder Sportler, unter ihnen Opfer des Anschlags von 2013.

Hier darf und soll die allgegenw├Ąrtige Gefahr terroristischer Anschl├Ąge nicht verharmlost werden. Die Gefahr besteht, sie ist real und wir entgehen Katastrophen regelm├Ą├čig nur knapp und dank guter Polizeiarbeit.

Und eben weil die Gefahr allgegenw├Ąrtig ist und eben weil wir tagt├Ąglich mit dieser Gefahr leben und eben weil wir der Polizei vertrauen uns zu sch├╝tzen, war es das genau richtige Signal eigenverantwortlich bei diesem Radrennen an den Start zu gehen und am gesellschaftlichen Leben in einem Land zu partizipieren, das tagt├Ąglich von Menschen gesch├╝tzt wird, die ihr Bestes geben, damit wir in Freiheit weiter leben k├Ânnen.


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