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Terrorwarnung: Warum die Frankfurter Radfahrer Recht behalten

04/05/2015 18:29 CEST | Aktualisiert 04/05/2016 11:12 CEST
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Nachdem die Polizei einen terroristischen Anschlag auf das Frankfurter Radrennen „Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" verhindern konnte, wurde das Rennen aus Angst vor einem Anschlag abgesagt. Einige Hobbyfahrer haben sich entschlossen trotzdem zu fahren - genau das richtige Signal.

Kritik an Fahrern

Im Onlineauftritt der Rheinischen Postkritisiert Martin Beils, stellv. Ressortleiter Sport bei der Rheinischen Post, die Entscheidung als Misstrauensvotum an Deutsche Sicherheitsbehörden und wirft den Hobbyfahrern vor, aufgrund ihrer harten Vorbereitungen für das Radrennen,

„...nach Anarcho-Art dennoch zu fahren."
.

Beils betont zu Recht die große Leistung der Polizei diesen Anschlag verhindert zu haben und fordert hierfür Anerkennung. Den Fahrern wirft er dabei vor, die Leistung der Polizei zu untergraben und damit Misstrauen in die Behörden zu äußern.

Falsche Schlussfolgerung

Aus der großen Gefahr, die für öffentliche Großereignisse ausgeht, und dem vereitelten Anschlag schließt Martin Beil fälschlicherweise, dass Zurückhaltung die richtige Entscheidung sei. Dies mag von Seiten der Behörden richtig sein, von Seiten der Radfahrer nicht.

Aufgabe der Sicherheitsbehörden ist der Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Kann der Schutz nicht hinreichend garantiert werden oder besteht eine begründete Gefahr ist die logische und richtige Schlussfolgerung das schützenswerte Ereignis abzusagen. Damit kommt die Behörde, die für das Leben vieler ihr vertrauender Menschen verantwortlich ist, ihren Schutzpflichten nach.

Sich dieser abstrakten Gefahr trotzdem auszusetzen fällt unter die freie Entscheidung der Teilnehmer und ist kein Misstrauens- sondern Vertrauensbeweis an die Polizei. Die Menschen erkennen die Leistung der Polizei an, sie vor einem Anschlag geschützt zu haben, und machen deutlich, dass sie sich von dieser Polizei beschützt und ausreichend sicher fühlen. Jedes andere Verhalten wäre ein fatales Signal an den internationalen Terrorismus.

Terrorismus zielt auch auf gesellschaftliches Leben

Der internationale Terrorismus verachtet unsere Gesellschafts- und Werteordnung und zielt auf unser gesellschaftliches Leben und Sicherheitsgefühl. Wir haben uns als Gesellschaft in der Vergangenheit nicht gebeugt und sollten dies auch in Zukunft nicht tun.

Aus denselben Gründen nicht am Radrennen teilzunehmen, dürften Sportler nach den schrecklichen Anschlägen auf israelische Athleten bei den olympischen Spielen 1972 nie wieder an olympischen Spielen teilnehmen. Tatsächlich wurden eben diese Spiele nach einem Trauertag fortgesetzt.

Wir haben auch nach den Anschlägen des 11. September nicht das Fliegen aufgegeben und sind nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn 2005 trotzdem weiter Bahn gefahren.

Und wir veranstalten auch nach den Anschlägen auf den Boston-Marathon 2013 weiter sportliche Großveranstaltungen. Auch in Boston laufen wieder Sportler, unter ihnen Opfer des Anschlags von 2013.

Hier darf und soll die allgegenwärtige Gefahr terroristischer Anschläge nicht verharmlost werden. Die Gefahr besteht, sie ist real und wir entgehen Katastrophen regelmäßig nur knapp und dank guter Polizeiarbeit.

Und eben weil die Gefahr allgegenwärtig ist und eben weil wir tagtäglich mit dieser Gefahr leben und eben weil wir der Polizei vertrauen uns zu schützen, war es das genau richtige Signal eigenverantwortlich bei diesem Radrennen an den Start zu gehen und am gesellschaftlichen Leben in einem Land zu partizipieren, das tagtäglich von Menschen geschützt wird, die ihr Bestes geben, damit wir in Freiheit weiter leben können.


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