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Mustafa Barzani: Der Held der Kurden

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Der Vater, der Autonomie Region Kurdistan im Nordirak ist Malla Mustafa Barzani. Kaum ein Mann wird in der kurdischen Geschichte mehr verehrt und respektiert, als er. Durch sein Charisma und seine Unbeugsamkeit, gilt er als Held der Kurden. Doch wer ist dieser Mann, der unter allen Kurden so verehrt wird?

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Mustafa Barzani
(Photo KRG)

Wir schreiben den 6.März 1979, Mahabad (Iran). Von überall eilen Kurden herbei. Türkei, Syrien, Irak, USA, West-Deutschland, Wien, London und Stockholm. Die iranische Armee fliegt per Helikopter den Leichnam von Malla Mustafa Barzani ein. Es ist die Beerdigung des „Löwen" von Barzan. Das Schicksal der Kurden zwang Ihn als Kind zur Waffe zugreifen. Zu Beginn kämpfte er gegen die Iraker und ihre einstigen britischen Kolonialherren. Anschließend gegen die Perser, und dann immer wieder gegen die verschiedenen Machthaber in Bagdad. In seinem Leben genoss er kein einzigen Tag in politischer Freiheit. Als Kind wuchs Barzani im osmanischen Reich auf. Sein Großvater und Vater wurden von Osmanen, als „Störenfriede" hingerichtet. Als fünfjähriger musste er mit seiner Mutter ins Gefängnis.

Seine Weggefährten schätzten seine Stärken, die darin bestanden schwierige Zusammenhänge sofort zu verstehen und militärischen Analysen vorzunehmen. Auch schätzten sie sein diplomatisches Geschick, wenn es um politische Fragen ging. Während all dieser Lebensstationen, lernte er persisch, arabisch und sogar russisch.


Die Mehrheit des neuen Staates, -des durch die Briten im Jahr 1921 gegründeten irakischen Königreiches war arabisch. Kurden wurden zwar als ethnische Gruppe definiert, aber den Arabern nicht gleichgestellt. Es gab immer wieder Revolten, die von einzelnen kurdischen Stämmen ausgetragen wurden. Im April 1945 gab es erneut eine kurdische Revolte, gegen Bagdad und dessen britischen Streitkräften. Mustafa Barzani und seine Peshmerga Kämpfer lieferten blutige Auseinandersetzungen. Durch die britische Air Force mussten sich die Peshmerga Kämpfer zurückziehen. In diesem Moment versuchten die Kurden im Iran einen unabhängigen Staat auszurufen.

General der kurdischen Volksrepublik Mahabad 1946

So beschloss Barzani seine Heimat mit 3000 Kämpfern, Richtung Mahabad (Iran) zu verlassen. Am 15. Dezember 1945 wurde die Volksrepublik Kurdistan in Mahabad durch Präsident Qazi Mohammed ausgerufen. Die Armee der Volksrepublik wurde gebildet aus den Peshmerga Kämpfern von Barzani. So wurde er zum General ernannt. Am 16 August 1946 gründete sich die demokratische Partei Kurdistans, in Mahabad. Er und 32 Delegierte wurden ins Politbüro gewählt. Im Parteiprogramm wurde die Autonomie der Kurden innerhalb des Iraks gefordert. Die Volksrepublik Mahabad wurde mit Stalins Unterstützung gegründet. Nach kurzer Zeit gab es ein Umdenken in Moskau. Die Kurden wurden erneut ihrem Schicksal überlassen.Die iranische Armee, die durch die USA aufgerüstet wurde, war haushoch den Kämpfern überlegen und eroberte die Gebiete zurück. Die Volksrepublik Mahabad war nach 11 Monaten Geschichte.

Barzani war in der Zwickmühle. Er wusste, dass er weder im Irak bleiben konnte, noch in der Türkei Asyl bekommen würde. So trat er den „langen Marsch" über die Türkei, in die Sowjetunion an. In dieser Zeit gab es keinen nennenswerten kurdischen Aufstand mehr. Die zahlreichen kurdischen Stämme hatten sich mit dem Königreich Irak arrangiert. Die Zeit, der arabischen Assimilierung begann. Doch am 14 Juli 1958 tickten die Uhren plötzlich anders in der irakischen Hauptstadt. General Abdel Karim Qassim putschte die Monarchie hinweg. Er berief sich zum Präsidenten und der Irak wurde eine Republik.

"Es wurde über eine mögliche Autonomie für Kurdistan gesprochen. Doch dabei fingen auch gleich die Probleme an."

Die Zeit der innenpolitischen Veränderungen im Irak wurde eingeläutet. Die Öl Felder wurden verstaatlicht, die Kurden und Kommunisten erhielten ihre Freiheit. Der verlorene Sohn Malla Mustafa Barzani sollte nach 12 Jahren wieder heimkehren. Qassim bat den Kremlchef Churtschow um die Ausreiseerlaubnis von Barzani. Im neuen Irak wurde durch die provisorische Verfassung Kurden und Araber gleichgestellt. Es wurde über eine mögliche Autonomie für Kurdistan gesprochen. Doch dabei fingen auch gleich die Probleme an. Wo soll die Grenze verlaufen? Der Knackpunt war Kirkuk. Die Stadt war mehrheitlich kurdisch. Aber die größten Öl Reserven lagerten dort. Bagdad wollte das den Kurden nicht überlassen. Des Weiteren stellte sich die Frage: Welchen Prozentanteil soll die Autonomieregion finanziell erhalten, vom irakischen Öl Verkauf? Eine Debatte, die wir bis heute führen.

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Barzani gemeinsam mit dem irakischen Staatspräsident Abdel Karim Qassim 1958
(Photo IraqTV)

Mustafa Barzani war zu dieser Zeit militärischer und politischer Führer der Kurden. Er wurde zum Sinnbild der kurdischen Bewegung. Der politische Arm der Peshmerga im Nordirak wurde ebenfalls die der demokratischen Partei Kurdistans (PDK). Aber diese positiven Nachrichten, sollten nicht von Dauer sein. Qassim hinterging Barzani. Kurdische Offiziere, in der irakischen Armee wurden entfernt. Beamte entlassen, kurdische Zeitungen, Zeitschriften wurden verboten. 1960 wurde die kurdische Delegation in Bagdad nicht mehr zuQassim vorgelassen. Im Herbst kam der endgültige Bruch. Qassim beschuldige Barzani ein Agent des Imperialismus zu sein. Die Kurden griffen 1961 aus Überzeugung zu denen Waffen, sehr schnell eroberten sie ihr Siedlungsgebiet. Es fingen die blutigen Jahre (1961-1970) im Nordirak an. In Bagdad übernahm währenddessen die Al Baath Partei die Macht und Qassim wurde hingerichtet. Immer wieder gab es offensiven in Kurdistan, die Peshmerga konnten ihr Kerngebiet verteidigen und so begann in Bagdad ein Umdenken. Al Bakr war der starke Mann im Jahre 1969. Er war bereit mit Barzani zu verhandeln, trotzdem spielte er ein doppeltes Spiel. Im März 1969 gab es einen neuen Überfall mit 60 000 Mann in kurdischen Gebieten. Die 30 000 Peshmerga bezwangen nach heftigen Auseinsetzungen die irakische Armee. Anschließend war Al Bakr bereit, die kurdische Autonomie im Nordirak zu gewähren.

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Barzani Porträt im kurdischen Parlament in Arbil
(Photo KRG)

Es war historisch, die Sternstunde für alle Kurden und zugleich der Sieg von Mustafa Barzani. Am 11 März 1970 wurde das Manifest der beiden Parteien Al Baath & PDK mit 15-Punkte-Friedensvertrag verabschiedet. Einen Tag darauf sahen viele Bürger -zur großen Überraschung, die Umarmung von Mustafa Barzani und Al Bakr im irakischen Fernsehen. Die PDK sollte auch an der irakischen Regierung beteiligt werden. Das Ganze erwies sich als Trugschluss. Kurdische Minister wurden nicht erkannt. Die kurdische Autonomie wurde einseitig von Bagdad erklärt. Der Schah von Persien & USA, sicherten Barzani für weitere Auseinandersetzungen Unterstützung zu. Im April 1974 fing der Krieg zwischen beiden Seiten wieder an. Im Vergleich zu den vorherigen, militärischen Auseinandersetzungen, setzte die Baath-Führung nun Phosphorbomben ein. 1975 beschlossen der Iran und Irak durch das Abkommen von Algier, sich nicht mehr in die innere Politik des anderen Landes einzumischen. Ohne die Unterstützung des Schah & USA erlitten die Peshmerga eine schwere Niederlage. Im gleichen Jahr beendete er den Aufstand und zog sich aus der Politik zurück. Nach all diesen Ereignissen wurde bei Barzani Lungenkrebs diagnostiziert. Für die Behandlung flog er in die USA und verblieb dort bis zu seinem Tod am 1 März 1979. 1993 wurde er dann in sein Dorf Barzan überführt. Nach seinem Tod übernahmen seine Söhne Idris & Masoud die Führung des PDK. Masoud Barzani ist der heutige Staatspräsident der Autonomie Region Kurdistan. Sein ganzes Leben hat er für die Freiheit Kurdistans geopfert und obwohl er selber nicht mehr am Leben ist, führen seine Söhne sein Vermächtnis weiter.

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