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Ich bin Moslem. Bin ich ein Terrorist?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
YOUNG ARABIC MAN EUROPE
Leonardo Patrizi via Getty Images
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Ich stelle mir immer wieder diese Frage, wenn ich mir die aktuellen Nachrichten ansehe. Die Berichterstattung der Medien hatte vor kurzem ihren Höhepunkt beim Fall Bayern Grafing Bahnhof.

Zu Beginn war es eine islamische Tat, der Täter soll "Allah Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben, dann wieder eine normale Straftat von einem geistig Verwirrten. Welches Bild haben wir heute von Muslimen?

Wir werfen sie alle in einen Topf und beschwören ihnen ein Gewalt Potenzial an. Weshalb muss ich mich als Muslim rechtfertigen nach einem Terroranschlag? Ich hatte keine Kenntnis vom Hergang. Des Weiteren konnte ich ihn nicht verhindern.

Weshalb glauben wir 'Quran' sei ein Buch voller Hass? Die W-Fragen beschäftigten uns alle. Die deutsche Gesellschaft scheint die Antworten zu kennen, aber im Kern fehlt ihr das Hintergrundwissen.

"Das hat nichts mit dem Islam zu tun"

Im Namen des Islam töten eine Reihe von Terrororganisationen. Wir haben die IS, Shabab Milizen und Boko Haram in der letzten Zeit kennengelernt. Sie eint alle der Bezug zum Islam. Sie möchten die perfekte Welt auf Erden erschaffen. Im Kern berufen sie sich auf die Hadithen.

Im Quran selber stehen zwar Strafen an, aber sie können nur von Gott ausgeführt werden. Sprich, eine Beurteilung kann nicht von Mensch zu Mensch, sondern von Gott zu Mensch geschehen.

Die Hadithen sind Geschichten vom Leben des Propheten, es existieren 600 000 Stück, das bekannteste ist von Sahih Buchari. Buchari soll an seinem Werk sechzehn Jahre gearbeitet haben. Die Anzahl und der Wahrheitsgehalt der Hadithen sind unmöglich zu überprüfen.

Sie erschienen erst knapp 300 Jahre nach dem Tod vom Prophet Mohammed. Deshalb ist der Satz "Es hat nichts mit dem Islam zutun" richtig. Die Hadithen sind theologisch kein Bestandteil des Islams. Sie ist von Menschen gemacht.

Der Beweis der Echtheit fehlt. Die Behauptung, dass Terrorismus vor allem ein religiöses Problem sei, ist eine atheistische Legende. Die Massenmorde der deutschen Nationalsozialisten, der sowjetischen und chinesischen Kommunisten sind der traurige Beweis, dass der Mensch das grausamste aller Geschöpfe sein kann. Mit und ohne Religion.

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Foto (DIK)

Wenn man sich die Berichterstattung über islamische Länder anschaut, dann gleichen sie sich. Frauen werden rechtlich unterdrückt und als Mensch zweiter Klasse bewertet. Es herrschen größtenteils Krisen, die durch Kompromisslosigkeit und Unfähigkeit der politischen Klassen, gespart mit dem Feudalismus in den Gesellschaften einhergeht.

Die Golfstaaten sind ausgenommen, obwohl sie, rein rechtlich, der Berichterstattung am nächsten kommen. Von Außen hochmodern und Innen herrscht Feudalismus. Das Land Qatar hat keine richtige Verfassung. Man hat im Land eher den Eindruck, in einer etwas größeren Family Mall zu sein.

"Muslime sind die neuen Juden"

Der Satz "die Muslime sind die neuen Juden" hört man immer mehr von jungen Muslimen in der Gesellschaft. Der jüdische Gemeinde wurde in den vergangenen Jahrhunderten wirklich alles Schlechte unterstellt.

Durch sie seien die Probleme erst entstanden. Wenn man den Begriff mit muslimisch auswechselt, dann wĂĽrden Teile der Gesellschaft das unterschreiben. Wir akzeptieren zwar muslimische Minderheit, aber bitte keine Minarette, Qurane, KopftĂĽcher und Terror.

Viele verbinden im Kern das mit Muslimen. Wir führen Diskussionen, aber die Realität ist, dass es Moscheen mit Minarette gibt. Ich unterstelle, dass die Mehrheit der Muslime in Deutschland einen Quran bei sich zuhause hat.

In jeder GroĂźstadt sehen wir Frauen mit KopftĂĽchern. Wir werden mit Sicherheit im deutschen Bundestag eines Tages eine Abgeordnete mit Kopftuch sehen. Ein islamistischer Terroranschlag in der Bundesrepublik fehlt, dennoch ist die Unsicherheit hier zu Lande zu spĂĽren.

Die Mitte der Gesellschaft orientiert sich immer mehr an diesen Aussagen, der vermeintlichen Islam-Experten, die sich im Fernsehsendungen feiern lassen, da sie ständig das Schlimmste der Welt beschwören, jedoch keine Lösungsansätze haben. Zum Schluss stellt sich erneut die Frage: "Bin ich ein Terrorist, nur weil ich Muslim bin?"

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