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Offener Brief an Necla Kelek, anlässlich ihrer rassistischen Äußerungen zur Familienzusammenführung

03/12/2017 14:36 CET | Aktualisiert 03/12/2017 14:36 CET

Sehr geehrte Frau Kelek,

als männlicher Muslim dürfte ich für Sie ein notgeiler Mann sein, der es notfalls mit einem Tier treibt, wenn ich gerade keine Frau finde. Schließlich sagten Sie in einem ZDF-Interview im Jahr 2010 über Muslime:

„Der Mann ist ständig herausgefordert. Er muss sich entleeren, heißt es. Und wenn er keine Frau findet, dann ein Tier oder eine andere Möglichkeit, wo er dem nachgehen muss. Es hat sich im Volk so durchgesetzt, es ist ein Konsens."

Sexismus und Rassismus in Reinkultur

Das ist Sexismus und Rassismus in Reinkultur. Gerade Sie, als Soziologin sollten das wissen. Spätestens nach dieser Äußerung haben Sie in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Der rote Teppich auf der publizistischen Bühne wird Ihnen jedoch weiterhin ausgerollt. In einem „Welt" Interview äußerten Sie sich jüngst zur Flüchtlingspolitik, konkret zur Familienzusammenführung.Darin behaupten Sie:

"Mit der Familiennachzug importieren wir ein islamisches Familiensystem, das erst zu Parallelgesellschaften und Integrationsproblemen führt. Niemand braucht sich mehr anzupassen, man kann unter sich bleiben und Traditionen wie die Kinderehe, Frauenunterdrückung oder Gebärzwang weiterleben."

Zum einen sind diese Aussagen pauschal, zum anderen faktisch falsch. Jeder ernstzunehmende Integrationsexperte bestätigt den positiven Einfluss des Familiennachzugs in Bezug auf den Integrationserfolg, so z.B. Olaf Kleist, Migrationsforscher an der Universität Osnabrück. Wissenschaftliche Objektivität Ihrerseits: Fehlanzeige.

Sie belegen Ihre Einschätzung durch individuelle Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit. Dagegen kann ich argumentieren, dass ich gegenteiliges erlebt und selbstbewusste muslimische Frauen in den Integrationskursen kennengerlernt habe. Subjektive Erfahrungen sind jedoch nicht ausschlaggebend. Auch das sollten Sie als Wissenschaftlerin wissen.

Kelek und Sarrazin sind Geschwister im Geiste

Es spricht auch nicht unbedingt für ihre Expertise, dass Sie Thilo Sarrazin bei der Buchvorstellung seines Bestsellers „Deutschland schafft sich ab" zur Seite standen. Darin reduzierte er Muslime auf ihre Gene und sprach von generationsübergreifender Vererbung der Bildungsdefizite. In meiner Bachelorarbeit habe ich diese These, auf Grundlage repräsentativer Daten widerlegen können. Als Diplom-Soziologin sollten Sie dies auch wissen.

Gerade in Zeiten von Fakenews ist die öffentliche Präsenz von Wissenschaftlern wichtiger denn je. Mit ihren unsachlichen Äußerungen erweisen Sie unserer Zunft einen Bärendienst und schaden dem akademischen Ansehen Deutschlands. Sie würden allen seriösen Soziologen einen großen Gefallen erweisen, wenn Sie auf Ihre wissenschaftliche Anrede verzichten würden. Sie leisten keinen Beitrag zur Aufklärung, sondern zur Aufstachelung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.

Es grüßt Sie

Said Rezek, Politikwissenschaftler

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