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Saffa Hameed  Headshot

IS-Soldaten zerstörten unser Zuhause - eine Erfindung aus Schweden rettete unser Leben

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ISIS
UNHCR
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Als Truppen des Islamischen Staats große Teile des Iraks einnahmen, waren zahlreiche Anwohner gezwungen ihre Häuser zu verlassen. Viele Familien flohen in die Region um die irakische Hauptstadt Bagdad und suchten in Flüchtlingscamps Schutz. Eine davon ist die Familie Hameed. Das ist ihre Geschichte:

Ich werden den Tag nie vergessen, als Soldaten der Terrormiliz Islamischer Staat meine Familie und mich bedrohten. Sie verlangten, dass wir unser Zuhause sofort verlassen, damit sie unser Haus als Stützpunkt im Kampf gegen die irakische Armee benutzen konnten.

Auf den Straßen rund um unser Haus errichteten Soldaten Kontrollpunkte. Scharfschützen errichteten auf unserem Dach ihr Quartier. Wir hatten furchtbare Angst.

Über zwei Jahre ist es nun her, dass wir unser ehemaliges Zuhause in Ramada verlassen haben.

Als die Kämpfe zwischen dem IS und der Armee immer heftiger wurden, beschlossen meine Frau und ich zusammen mit unseren vier Kindern nach Bagdad zu fliehen. Bis heute haben wir unsere Heimat nicht wieder gesehen.

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Mit einer weißen Flagge und einer Tasche voller Klamotten machten wir uns auf den Weg. Wir kamen nur sehr langsam vorwärts, denn keines unserer Kinder war alt genug, um von alleine lange zu laufen. Meine Frau und ich mussten sie tragen.

Nach wenigen Stunden schmissen wir die Tasche in einen Fluss - sie war einfach zu schwer.

Die erste Nacht blieben wir in einem Flüchtlingslager in Bagdad. Doch es gab zu wenig Platz. Drei Familien teilten sich ein Haus und mein Mann war gezwungen, draußen im Garten zu schlafen. Später zogen wir in ein Zelt.

Es war ein Desaster. Die Hitze darin war unerträglich und aufgrund der katastrophalen Hygiene litt meine ganze Familie an schweren Magen-Darm-Krämpfen.

Privatsphäre gab es nicht, denn die Zelte waren nichts anderes als ein windiges Stück Stoff. Sie boten keine Sicherheit, keinen Schutz. Tagsüber war es heiß und nachts froren wir.

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Ich habe vier Töchter und eine Frau. Für sie ist Privatsphäre etwas unglaublich wichtiges - egal ob es ums Umziehen oder ums Waschen geht. In unserer Kultur sind es Frauen nicht gewohnt, sich vor anderen Männern zu entblößen. Ich möchte sie beschützen und begleite sie im Camp daher überall mit hin.

Besonders schlimm war es, wenn es regnete. Es gab Tage, da stand das Wasser im Camp bis zu dreißig Zentimeter hoch.

Das änderte sich alles erst, als die Unterkünfte von Better Shelter aufgebaut wurden. Plötzlich hatten wir wieder eine Tür, die wir hinter uns schließen konnten.

Eintausend Mal besser, als die Zelte

Das Konzept der Unterkünfte ist schnell erklärt. Die schwedische Firma Better Shelter hat zusammen mit Flüchtlingen und Helfern eine Unterkunftsmöglichkeit entworfen, die schnell aufzubauen ist und gleichzeitig mehr Sicherheit und Schutz vor der Umwelt bietet als ein einfaches Zelt.

Man braucht circa vier Menschen, um die Konstruktion zu errichten. In den zwei Kartons, in denen alle Teile geliefert werden, befinden sich das nötige Werkzeug und eine genaue Anleitung. Sie halten Wind und Wetter besser statt als gewöhnliche Notunterkünfte und können beliebig um weitere Teile erweitert werden.

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Eine Unterkunft im Camp Al Jamena. Credit: Sebastian Rich/UNCHR

Mithilfe von Spenden der Vereinten Nationen konnten wir uns in unserem Better Shelter ein kleines Zuhause errichten. Wir bekamen einen Wasserspender, einen großen Kanister, drei Matratzen und einige Decken.

Wenn ich unser Leben in den Zelten mit denen in unseren neuen Unterkünften vergleiche, dann kann ich nur sagen: Es ist eintausend Mal besser als früher. Die Erfindung aus Schweden hat unser Leben gerettet.

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Ich habe früher für das irakische Industrie-Ministerium gearbeitet und versuche jetzt hier und da, etwas Geld zu verdienen.

Gerade sind wir noch von Spenden abhängig und unsere Kinder können nicht normal zur Schule gehen. Trotzdem hoffen wir, bald wieder in unserer Heimat zurückzukehren und ein normales Leben zu führen.

Der Beitrag erschien zuerst auf bettershelter.org. Er wurde von Julius Zimmer ins Deutsche übersetzt und zur Veröffentlichung angepasst.

Mehr Informationen zu dem Projekt von Better Shelter findet ihr hier.

(kap)

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