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Hilferuf einer Grundschülerin: Papa macht etwas Ekliges mit mir

Veröffentlicht: Aktualisiert:
CHILD ABUSE
Penny Tweedie via Getty Images
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Papa ruft mich, jetzt muss ich bestimmt wieder das doofe Ding anfassen, damit er lieb zu mir ist. Er ist nur dann ganz, ganz lieb zu mir. Die Tür ist offen und ich gehe direkt ins Wohnzimmer. Auf dem Tisch steht eine Dose Margarine, die offen ist, aber es ist kein Brot dabei oder Brötchen. Warum steht die Margarine da, frag ich mich?

Papa ist wieder besoffen, ich kann ihn riechen, obwohl er gar nicht so nah an meinem Gesicht ist. Ich mag diesen Gestank überhaupt nicht. "Komm mal zu mir, weißt du eigentlich, dass du immer hübscher wirst? Schwarze Haare und blaue Augen, du siehst aus wie eine kleine Prinzessin. Mein kleines Schneewittchen."

Schneewittchen hat aber immer schöne Kleider an und die hab ich doch gar nicht. "Magst du mir eine Freude machen? Ich zeig dir jetzt was, das mache ich nur mit dir. Weil es was Besonderes ist".

Oh nein. Ist es wirklich was Schönes oder sagt er das wieder nur so? Immer will er mir was Schönes zeigen, aber es ist gar nicht schön. Ich finde das komische Schöne voll eklig. Papa packt sich an die Hose. "Heute versuchen wir mal was Schönes, es wird dir nicht wehtun. Wenn es gut geschmiert ist und gefettet, kann nichts passieren. Aber erst mache ich es mit dem Finger, danach schauen wir mal weiter."

Was macht er mit dem Finger zuerst? Das kenn ich doch schon und schön ist es auch nicht.
Sehr wohl tut mir das weh, wenn er seinen rauen Finger in meine Maus steckt. Wie kann man das nur schön finden? Ich hab Angst. Keiner ist da und wieder muss ich mitmachen. Ja, aber sonst hasst der Papa mich auch. Das will ich ja nicht.

"Zieh dich mal aus und leg dich auf den Bauch hin, ich will deinen Popo sehen. Den müssen wir richtig gut einschmieren." Wie, meinen Popo einschmieren? Das ist aber voll ekelhaft, da mach ich doch Aa draus. Was macht der Papa denn dann? Lieber Gott, ich habe ganz viel Angst.

Mir ist ganz kalt und ich laufe ganz langsam zum Papa hin. Ich hab wieder das blöde Gefühl in mir drin. Manchmal wünschte ich, er wäre einfach tot und würde dann ein lieber Geist werden, der nicht mehr so viel trinkt und mich lieb hat, auch wenn ich nicht so komische Sachen machen muss. Das wäre schön, einfach zu kuscheln. Und ich darf meine Anziehsachen anlassen.

Aber nein, ich bin ganz nackig und muss mich jetzt auf die Couch legen. Papa streichelt mir mit seinen rauen Händen über meinen Rücken bis zu meinem Popo. Ganz fest drücke ich meinen Kopf in das kleine Kissen, das hier in der Ecke auf der Couch liegt. Und drücke meinen Po zusammen. Es fühlt sich komisch an, eklig und einfach doof. Aber das merkt der Papa nicht.

Er nimmt seine Hand kurz weg, ich will gerade mit meinem Kopf hochkommen, da sehe ich, wie der Papa mit den Fingern in der Margarine rumpudelt. Alle Finger sind voll eingeschmiert. Bäh, das ist aber komisch, warum macht er das nur?

"So meine Süße, jetzt musst du ganz locker bleiben, umso weniger tut es weh und es ist dann ganz schön für dich." Sofort stecke ich meinen Kopf wieder ganz fest in das Kissen und bete, dass es nicht wehtut. Steckt er jetzt echt die Finger in meinen Popo, frag ich mich? Aber dann sind doch die Finger voller Aa. Und mein Popo ist doch ganz klein, das ist echt voll ekelhaft.

Ich hasse dich, schießt es mir zum ersten Mal durch den Kopf. Wut ist in meinem Bauch, ganz viel Wut und ich werde immer wütender auf mich selbst, weil ich mich nicht traue zu sagen, wie doof ich das alles finde. Seine flutschigen Finger sind ganz glibberig und kalt. Er steckt einfach die Finger in meine Poritze und schmiert die Margarine über und in meinen Popo.

"Komm, reib mal die Margarine in deinen Popo. Das ist besser, wenn du es erst machst, dann komm ich besser rein da. Ich verspreche dir, du musst sonst nichts weiter machen, denn ich mache alles, versprochen.

Da gibt es einen wunderbaren Spruch, mein Schatz: Rot ist die Liebe, schwarz ist das Loch - komm mein kleines Mädchen, sei tapfer, denn rein muss er doch".

Ich muss weinen, weil ich so wütend bin und nichts machen kann. Ich liege wie angewachsen auf der Couch. Jetzt schmiere ich die Margarine selbst über meinen Popo, den Finger stecke ich da aber nicht rein. Dann stink mein Finger auch noch, nein das mache ich nicht.

Papa nimmt aber meine Finger und steckt einfach meinen Zeigefinger da hinten rein. "Schau dir das mal an, wie schön das aussieht. Und es ist doch gar nicht so schlimm, oder? Hab ich dir ja versprochen."

Er steckt jetzt seinen Finger auch da rein, alles in mir zieht sich zusammen. Es tut wohl weh und wie es weh tut. Ich schaue auf meine blaue Hand, die richtig pocht und auch wehtut, weil ich mit meinem Kopf drauf liege.

Papa hat sein Ding rausgeholt und streichelt dabei meinen Popo und rubbelt an dem Ding rum. Mein Popo fühlt sich an, als wenn er aufgerissen wird und blutet bestimmt auch schon. Aber der Papa hört nicht auf und rubbelt und rubbelt an seinem Ding rum. Meine Nase läuft jetzt auch noch vom Weinen. Ich putze meine Nase einfach im Kissen ab. Damit der Papa mich nicht hören kann.

"Ja, mein Schatz, gut fühlst du dich an, so schön eng und feucht." Feucht? Das ist die eklige Margarine in meinem Popo. Ich esse nie wieder Margarine, ich weiß ja nicht, ob das alle Leute machen wie der Papa, auch die aus dem Laden, wo wir die Margarine immer kaufen.

Ich esse einfach gar nichts mehr, vielleicht bin ich endlich bald tot und der Papa lässt mich dann in Ruhe. Er rubbelt immer weiter an seinem Ding und beugt sich über mich und drückt das Ding an meine Pobacken.

Lieber Gott bitte, bitte, bitte hilf mir doch! Bitte, lass ihn nicht das Ding in meinen Popo stecken. Dann muss ich bestimmt sterben. Bitte, kannst du mir nicht nur ein einziges Mal helfen, bitte?

Ich versuche, meine Tränen runterzuschlucken, aber das geht einfach nicht mehr und ich weine so leise es geht in das Kissen. Meine Nase läuft so doll, dass ich alles vollmache hier. Ich ziehe einfach meine Nase hoch.

Papa reibt das Ding weiter an meinem Popo, bis alles an meinem Popo und Rücken voll ist und klebrig mit dem komischen Zeug, das da raus kommt.

Plötzlich steht die Mama im Wohnzimmer. Der Papa springt auf und zieht seine Hose an.
Ich lieg wie angewachsen auf der Couch und kann mich kaum bewegen, weil alles in meinem Popo weh tut. Alles brennt und fühlt sich doof und blöd an.

Ich wische die Tränen aus meinem Gesicht weg. Danke lieber Gott, dass die Mama endlich da ist. Danke, danke, dass du endlich gehört hast. Die Mama steht da an der Tür und sagt kein Wort. Jetzt sieht sie mal, was der Papa mit mir macht und hilft mir endlich. Obwohl sie ja eh immer weiß, was der Papa mit mir macht. Denn die Mama kann das in meinem Gesicht sehen, sagt sie immer.

Und irgendwie glaub ich ihr das, denn woher kann sie das denn immer wissen? Egal wann der Papa das mit mir macht, die Mama fragt mich immer danach, ob der Papa was bei mir gemacht hat. Und was er mit mir gemacht hat. Manchmal gebe ich es zu und erzähle ihr alles, aber manchmal traue ich mich einfach nicht, was zu sagen. Weil sie immer so ausflippt.
Hoffentlich hauen wir jetzt ab und bleiben weg und bekommen ein schönes neues Zuhause.

Die Mama steht immer noch an der Tür und starrt mich an.

"Nee, du bist doch das Allerletzte! Schämst du dich eigentlich nicht? Zieh dich an, du kleines Mistviech, was bist du für eine kleine Fotze, da so liegen zu bleiben und dich von deinem Vater ficken zu lassen! Du bist eine dreckige Hure! Solltest du nicht in deinem Bett bleiben, bis ich zurückkomme?".

Ich ziehe meine Sachen schnell an und kann überhaupt nicht mehr aufhören zu weinen. Alles ist meine Schuld, ja, ich bin selbst schuld. Wäre ich mal in meinem Bett geblieben, vielleicht hätte der Papa mich gar nicht gerufen und nichts wäre passiert. Meine Anziehsachen kleben an mir und alles fühlt sich schrecklich an. Dann hat der Papa Recht. Es ist alles ganz normal, was da passiert und das muss alles so sein.

Die Mama schreit nur noch rum und rennt zu mir hin. Ich gehe sofort um den Tisch herum, damit sie gar nicht an mich heran kommt. Meine Arme sind über meinen Kopf gestreckt, weil ich Angst hab, dass sie mich haut. Aber Mama kommt trotzdem an mich ran und reißt meine Haare raus, ich weiß gar nicht mehr, was los ist. Alles dreht sich um mich herum. "Du bist der Teufel, eine kleine Nutte und frisst schon Schwänze, das zeig ich dir. Was willst du, meine Ehe kaputt machen?

Du erbärmliche kleine Hure, machst doch eh alles kaputt. Warte mal ab, wenn ich das deinem Onkel erzähle oder der Omi, dann kriegst du richtige Schläge. Warte mal ab. Was hab ich dir denn jetzt schon Tausendmal gesagt? Wenn er was will, hast du nein zu sagen!"

Ich stehe vom Boden auf und halte wieder meinen Kopf fest, da rennt die Mama raus in die Küche und kommt mit einem Handfeger zurück. Sie prügelt sofort auf mich ein damit, immer und immer wieder haut die Mama mich. "Bitte, bitte Mama, es tut mir doch so leid, bitte Mama."

Ich zappele auf dem Boden hin und her. "Ich bring dich um, du Nachgeburt du Dämon, du gehörst doch gar nicht zu mir, du arische Fotze", schreit sie und haut immer weiter auf mich drauf.

"Mama bitte, ich hab dich doch so lieb, bitte Mama!"

***

Es ist vorbei. Nach jahrelangem Missbrauch, Prügel und Vernachlässigung bin ich von zu Hause geflohen. Ich war zehn Jahre alt und habe meinen Vater bei der Polizei angezeigt. Dann sperrten sie mich in ein Kinderheim, aus dem ich ebenfalls fliehen musste. Es ging nicht anders.

Mit elf Jahren lebte ich auf der Straße. Die Kölner Domplatte wurde mein Zuhause. Niemand suchte nach mir. Niemand holte mich von der Straße. Ich überlebte, weil ich Süßigkeiten klaute. Manchmal gaben mir die älteren Straßenkinder etwas zu essen ab. Und sie teilten ihre Drogen mit mir.

Heute bin ich 35 Jahre alt und es geht mir gut. Ich habe fünf Kinder, meinen Schulabschluss nachgeholt und mache gerade eine Examinierten-Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Das Leben auf der Straße habe ich in einem Buch verarbeitet. "Solange bin ich vogelfrei" erschien 2010.

Doch es war nur ein Teil meiner Geschichte. Über den Missbrauch hatte ich bisher geschwiegen. Ich hatte Angst. Angst vor den Reaktionen. Angst davor, dass meine Familie sich von mir abwenden könnte.

Doch zwei Dinge überzeugten mich schließlich, offen über alles zu sprechen. Der Fall Edathy und die Verurteilung von Uli Hoeneß.

Hoeneß hatte Steuern hinterzogen und wurde dafür zurecht bestraft. Obwohl er seine Schulden zurückzahlte, sitzt er bis heute im Gefängnis.

Edathy hingegen, der kinderpornografische Bilder aus dem Internet geladen hat, ist ein freier Mann.

Mir wurde klar, dass ich es aufschreiben muss. In aller Ausführlichkeit. Und das habe ich mit meinem zweiten Buch "Lebenslänglich. Psst... wenn der Papa nachts kommt" getan.

Die Menschen müssen geschockt werden, die harte Realität kennen und erfahren, wie es einem Kind geht, das missbraucht wird. Nur dann werden sie begreifen, dass wir strengere Gesetzte brauchen, um unsere Kinder zu schützen und Täter gerecht zu bestrafen.

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