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Geschäft mit der Not: Wohnungslose Deutsche sollen für Flüchtlinge Platz machen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOHNUNGSLOSE FLUECHTLINGE
Getty
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Ich kann es nicht glauben. Wirklich nicht. Das Horrorszenario der besorgten Bürger und Verschwörungstheoretiker ist wahr geworden: 32 wohnungslose Männer sollen aus einer Unterkunft in Berlin ausziehen. Und ja, sie sollen ausziehen, um für Flüchtlinge Platz zu machen.

Die Verantwortlichen kann ich nur fragen: Habt ihr den A**** offen? Das ist ein Vorhaben mit Sprengkraft. Erst recht nach den Ereignissen an Silvester. Viele Deutsche fürchten sich jetzt vor sexuellen Übergriffen und vor organisierter Gewalt.

Sie haben das Gefühl, dass die Behörden und Medien Informationen verschweigen - und leider liegen sie damit richtig.

Deutschland steht an einem Wendepunkt. Entweder es gelingt, die Ordnung und Demokratie zu schützen. Oder wir stürzen ab in ein Chaos aus Hass, Gewalt und Zerrissenheit, weil sich eine Mehrheit der Bürger nicht mehr von diesem Land vertreten fühlt.

Ausgerechnet jetzt soll wahr werden, wovon rechtspopulistische Portale wie Netzplanet und PI News schon vor Monaten fantasiert haben: Arme Deutsche landen vielleicht auf der Straße, damit Asylbewerber eine Unterkunft haben. Ich kann es echt nicht fassen.

Versteht mich nicht falsch: Ich war immer dafür, so viele Flüchtlinge wie möglich aufzunehmen. Ich war immer dafür, Menschlichkeit mehr Bedeutung zu geben als Zahlen. Und ich bin es auch nach wie vor.

Aber dann findet doch bitte eine andere Lösung für die Unterbringung der vielen Flüchtlinge in Berlin. Eine, die nicht Deutsche gegen Zuwanderer ausspielt. Die nicht einen Graben schürft, in dem wir am Ende alle gemeinsam ertrinken könnten.

Wie dumm, brandstifterisch, gefährlich.

Eines muss ich klarstellen: Der Plan geht NICHT von der Stadt Berlin aus. Die Entscheidung trafen laut "Berliner Morgenpost" die Eigentümer des Gebäudes. Der jetzigen Betreiberin des Gästehaus Moabit wurde gekündigt, deshalb sollen die Bewohner bis Ende des Monats aus ihren Zimmern ausziehen.

Warum? Vermutlich geht es um den Profit. Weil eine Unterkunft für Asylbewerber mehr Geld bringt. Denn in einem Zimmer kann man gleich mehrere Flüchtlinge unterbringen. Und für jeden von ihnen gibt einen Tagessatz von der Stadt. Für die wohnungslosen Männer auch, aber sie leben allein oder zu zweit in den Zimmern.

Gefährden die Verantwortlichen also den Frieden in Deutschland, nur um kräftig abzukassieren? Die Eigentümerschaft des Gebäudes verweist bei Anfragen auf die Berolina Grundbesitz GmbH, die sie vertritt. Auf eine Anfrage der Huffington Post nimmt deren Anwalt wie folgt Stellung:


Die Behauptung, dass die jetzigen Bewohner des „Gästehauses Moabit“ dieses verlassen sollen, damit dort Flüchtlinge untergebracht werden können, können wir weder bestätigen noch dementieren. Die konkrete Nutzung des „Gästehauses Moabit“ liegt ausschließlich im Ermessen des jeweiligen Mieters und Nutzers der durch uns vermieteten Mietsache. Die Berolina Grundbesitz GmbH hat auf die konkrete Nutzung keinen Einfluss, da diese ausschließlich durch den vertraglichen Betreiber und Nutzer des Gästehauses, wie bereits ausgeführt, bestimmt wird .

Die jetzigen Bewohner des Gästehauses brauchen finanzielle Hilfe vom Staat, einige von ihnen sind alkoholabhängig. Die Stadt kann ihnen keine neue Unterkunft vermitteln, weil es nicht genug Plätze gibt. Im schlimmsten Fall droht ihnen also tatsächlich die Obdachlosigkeit.

"Bei der derzeitigen Lage auf dem Wohnungsmarkt sehe ich wenig Aussichten, dass ich eine Wohnung oder auch nur ein WG-Zimmer finde, das vom Amt finanziert würde", erzählt einer der Bewohner der "Berliner Morgenpost". Den Flüchtlingen nimmt er es nicht übel. Nein, er betont sogar seine Solidarität.

Für diese tolerante Einstellung wird er jetzt womöglich bestraft. Denn genau diese Botschaft wird jetzt Bürgern wie ihm vermittelt: Für euch gibt es keinen Platz mehr. Ich kann verstehen, wenn in solchen Fällen auch weltoffene Menschen irgendwann das Vertrauen verlieren. Und dann sieht es düster aus für Deutschland.

Der Stadtrat will das Gästehaus Moabit schützen. Sie haben den Eigentümern geschrieben und können sich vorstellen, dass Gebäude im schlimmsten Fall zu beschlagnahmen.

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