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Menschen mit Smartphones sind seelenlose Zombies. NICHT

14/08/2015 15:33 CEST | Aktualisiert 15/08/2016 11:12 CEST
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Egal, wo du hingehst, sie sind ÜBERALL: Menschen mit Smartphones. Sie sitzen in der U-Bahn und tippen mit ausdruckslosen Gesichtern auf dem Bildschirm herum. Dreizehnjährige Mädchen kichern über WhatsApp-Chats statt mit ihren Freundinnen zu reden. Eltern auf dem Spielplatz kleben am iPhone, während ihre Kinder rufen: "Guck mal, wie ich rutsche. Bitte. Mama. GUCK MAL!!"

Experten warnen schon vor dem Untergang der Menschheit. Es ist FÜNF VOR ZWÖLF, Leute. Smartphones machen unserer Kinder zu apathischen, gefühllosen Monstern. Smartphones sollen sogar zu einer verbogenen Nackenwirbelsäule führen, weil die Nutzer ständig nach unten schauen.

Und dann gibt es noch die emotionalen Kampagnen und Videos, die uns zeigen, dass unser Leben ohne Handy viiiiel schöner wäre. Es kann ja wohl nicht mehr lange dauern, bis die Handlung der Terminator-Filme Wirklichkeit wird, verdammt nochmal!!

Ich kann dazu nur eines sagen: Was für ein miesepetriger, ewig gestriger Quatsch. Das ist mal wieder typisch für die Menschen (besonders die Deutschen) und ihre Angst vor Veränderung. Anders und neu = gefährlich. Hochgradig misstrauenerregend. Kreisch. Es ist doch alles gut so, wie es ist. Oder?

Meine Mutter und mein Freund haben neuerdings eine unheilvolle Allianz geschlossen. Jedes Mal wenn ich einen Blick auf mein Smartphone werfe, sagen sie Sätze wie: "Dauernd starrst du nur auf dein Handy! Das ist doch schon krankhaft." Ernsthaft jetzt?

Manchmal checke ich meine Mails vielleicht ein bisschen zu oft, ok. Aber ich kann immer noch ein gemeinsames Abendessen genießen und ich höre zu, wenn jemand mit mir spricht. Lasst mich doch einfach machen! Ich sage euch doch auch nicht, wann ihr auf's Klo gehen dürft und dass Mettbrötchen nicht gerade gesund sind.

Ja, seit der Erfindung des Smartphones hat sich die Welt verändert. Und ja, manchmal muss ich darüber schmunzeln, wenn alle Kollegen in der Konferenz gleichzeitig das Smartphone zücken - wie auf ein unsichtbares Kommando.

Wir sind trotzdem keine technikbesessenen, seelenlosen Zombies. Wie oft wurde schon das Ende der persönlichen Kommunikation vorhergesagt? Als der Buchdruck erfunden wurde zum Beispiel. Oder die Tageszeitungen:

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Oder das Radio. Oder das Fernsehen. Oder der Computer. Merkt ihr was? Genau: Die Menschheit gibt es immer noch. Wir haben immer noch Freunde, wir führen Partnerschaften und gründen Familien. Wir reden und lachen noch miteinander. Keine der einst gefürchteten Erfindungen wirkt heute noch bedrohlich. Genauso wird es mit dem Smartphone auch sein.

Smartphones sind praktisch. Sie machen das Leben leichter und oft auch besser. Oder wollt ihr lieber wieder mit einer Landkarte herumlaufen, um den Weg zu finden? Habt ihr jetzt nicht eher mehr Kontakt zu euren Freunden als früher, weil ihr ihnen einfach mal so eine Nachricht schreiben könnt?

Die Angst vor dem Fortschritt ist unglaublich dumm. Und sie ist nicht nur auf Technik begrenzt, auch vor medizinischen und wissenschaftlichen Innovationen fürchten sich die Menschen. Unschuldige Kinder verrecken an Masern - weil die Impfrate in reichen US-Wohngegenden inzwischen so niedrig sind wie im Süd-Sudan. Wer weiß, was die bösen Pharma-Konzerne so alles in diese Impfstoffe packen!

Wenn sich die Nörgler und Pessimisten durchgesetzt hätten, würden wir noch immer im Mittelalter leben. In kalten Steinhäusern mit verrußten Wänden. Wir würden durchschnittlich 30 Jahre alt werden und jeder Schnupfen könnte uns töten.

Wir würden noch immer glauben, dass die Erde eine Scheibe und das Zentrum des Universums ist. Und hätten keine Ahnung von den 100 Milliarden Galaxien, die es alleine in unserem Teil des Universums gibt.

Aber hey, dafür hätten wir viel mehr Zeit für uns. Ganz ohne diese Smartphones und dieses Internetz. Einfach offline sein, über die Vergänglichkeit meditieren, weil wir gerade jämmerlich an Tuberkulose zugrunde gehen und unsere letzten Groschen dem Pfarrer geben, damit er uns von unseren Sünden freispricht und wir in den Himmel kommen.

Klingt verlockend, oder?

Mal im Ernst: Es gibt Seiten des Fortschritts, die schlecht sind. Umweltverschmutzung. Massentierhaltung. Ausbeutung. Atombomben. Wer das Smartphone in dieser Reihe sieht, hat keine Ahnung von den wahren Problemen der Menschheit.

Es geht dabei doch nur ums Meckern. Um den Wunsch sich moralisch überlegen zu fühlen, weil man ja selbst nicht dauernd am Handy hängt. Es gibt echt Unheimlicheres auf der Welt als Teenager, die Tränenlach-Smileys in WhatsApp-Nachrichten verschicken.

So, ich muss jetzt meine Mails checken. Das letzte Mal ist schon 20 Minuten her.


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