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Für Flüchtlinge gratis: Was ihr über all die Geschenke und den freien Eintritt nicht wusstet

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FLCHTLING
dpa
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Es gibt wenig, das so hässlich ist wie Neid. Hinter diesem Gefühl stecken weder Logik, noch Argumente. Es geht nicht um Probleme. Oder Nachteile. Oder Angst.

Neid wird ausschließlich von Missgunst angetrieben. Er nährt sich aus dem Gefühl, einem anderen Menschen etwas nicht zu gönnen.

Wir erleben diesen Neid gerade in erschreckender Deutlichkeit. Anders ist die Diskussion um Gratisleistungen für Flüchtlinge nicht zu erklären.

Es gibt viele Menschen, die Asylbewerbern den freien Eintritt ins Museum, in den Zoo und in sonstige Einrichtungen nicht gönnen. "Den Flüchtlingen wird alles hinterhergeworfen und für die Deutschen bleibt nichts", heißt es in Facebook-Wutausbrüchen.

Die Wut über Gratisleistungen für Flüchtlinge wächst

Im Sommer jubelten die Deutschen noch, als ein Mobilfunkanbieter 50.000 Sim-Karten an Flüchtlinge verschenkte. Heute scheint es gesellschaftsfähig zu sein, über jede Gratisleistung die Nase zu rümpfen.

Gegen das Freilichtmuseum Hessenpark provozierten Rechte gar einen Shitstorm. Weil Flüchtlinge dort nichts zahlen müssen, Hartz-IV-Empfänger dagegen 2,50 Euro.

„Wir haben schon 15.000 Leute zusammen, die diesen Moslem-Islam-Park boykottieren werden", drohen sie. Und mosern: „Sogar Hunde müssen Eintritt bezahlen und Fremde nicht."

Hartz-IV-Empfänger und Flüchtlinge: wer bekommt mehr?

Hätte der Hessenpark auch Hartz-IV-Empfängern den Eintritt schenken sollen? Ja, das wäre wohl klüger gewesen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Flüchtlinge weniger Geld zur freien Verfügung haben als Bezieher von Transferleistungen.

Ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger bekommt 399 Euro ausgezahlt. Ein Flüchtling bekommt nur 143 Euro in bar. Natürlich muss sich ein Hartz-IV-Empfänger von dem Geld auch Essen und Kleidung kaufen. Er hat aber auch mehr Freiheiten, weil er sich die Summe selbst einteilen kann.

Das neue Asylgesetz erlaubt es sogar, Asylbewerbern gar kein Geld mehr auszuzahlen, sondern nur Sachleistungen zu gewähren.

Mal abgesehen davon gibt es auch für Deutsche mit wenig Geld viele Vergünstigungen. Und das ist gut so.

Die Staatlichen Museen in Berlin zum Beispiel dürfen "Empfänger von ALG II, Sozialhilfe und Grundsicherung" gratis besuchen.

Mit dem Münchenpass bekommen Bürger mit geringem Einkommen eine ganze Reihe an Vergünstigungen - im öffentlichen Nahverkehr, in Schwimmbädern, Museen und im Theater.

Im Staatsschauspiel Dresden müssen sie für die Karten nur einen Euro zahlen. Deutschlandweit gibt es noch viele weitere solcher Regelungen.

Armselige Neidhammel-Debatte

Der Neid scheint ein Ur-Instinkt des Menschen zu sein. Irgendwie erinnert mich die Missgunst gegenüber Flüchtlingen an den Reflex von Kindern: Wochenlang liegt der Teddy in der Ecke und wird keines Blickes gewürdigt. Aber wehe, das Geschwisterchen will damit spielen! Dann ist das Stofftier wieder begehrt und unverzichtbar.

Ich finde diese Neidhammel-Debatte nicht nur armselig. Sie ist auch unvernünftig. Ich meine: Kommt schon! Wer kann über einen Flüchtling schimpfen, der sich in einer historischen Fachwerk-Siedlung traditionelle deutsche Flachsverarbeitung ansehen will?

Das ist doch gerade die Sorge vieler Asylkritiker: Dass die Hunderttausenden Neuankömmlinge nicht unsere Werte annehmen. "Gegen die, die sich integrieren, sage ich ja nichts" - diesen Satz habe ich schon so oft in den Kommentarspalten gelesen.

Na also. Dann dürfte es ja niemanden stören, wenn Asylbewerber Hilfe dabei bekommen. Oder?


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