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"GETTING THINGS DONE" - Das Interview zum aktuellen Buch

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David Allens Getting Things Done-Methode ist überraschend einfach und wirkungsvoll. Sabri Eryigit, Managing Partner von Next Action Partners, spricht mit Bestsellerautor David Allen über die im Piper Verlag erschienene Neuauflage von „Wie ich die Dinge geregelt kriege" und darüber, welche neuen Erkenntnisse die Leser erwartet, stressfrei produktiver werden zu können.

Sabri: Herzlichen Glückwunsch David. Mit Freude habe ich die Neuausgabe von „Wie ich die Dinge geregelt kriege" gelesen. Was war deine Motivation das Buch neu zu überarbeiten?

David: Mir wurde allmählich klar, dass sowohl die Sprache als auch einige Bezugspunkte das Buch „alt" erschienen ließen, obwohl die 1. Auflage ein Bestseller war und im Grunde allgemeingültig geblieben ist.
Die erste Ausgabe wird auch immer noch gekauft und verändert das Leben der Leser weiterhin zum Positiven. Allerdings werden die nicht mehr aktuellen Elemente schnell offensichtlich, vor allem die Details: Ich spreche über den Palm Pilot, Outlook und einige andere Technologien. Solche Beispiele sind einfach nicht mehr zeitgemäß, darum mussten sie angepasst werden.
Damals waren diese Hilfsmittel noch neu. Sogar für die Profis, die diese Technologien als Werkzeug für die GTD („Getting Things Done" - Titel in der Originalausgabe) Methode benutzten.

Mir war auch klar, dass ich diesen Aspekt und die damaligen technischen Gegebenheiten erwähnen musste. Inzwischen gibt es GTD Listen-Manager die allgegenwärtig sind und sich nahezu wöchentlich verändern. Demzufolge würde das Buch schnell veraltet erscheinen, wenn ich im Detail auf ein bestimmtes Programm oder eine Software eingehen würde. Das war einer der Gründe, das Buch neu zu schreiben.

Im Zuge dessen habe ich einfach das gesamte Buch neu verfasst. Ich habe mich hingesetzt, eine alte Taschenbuchausgabe geöffnet und losgelegt. Dabei stellte ich mir folgende Fragen: Ist das noch relevant? Würde ich das heute auch noch so formulieren?

Seit langem war es das erste Mal, dass ich das gesamte Buch noch einmal gelesen habe! Ich begann, einiges an der Sprache zu ändern. Die ersten Reaktionen waren: „Wow, es ist beinahe derselbe Inhalt und an der Methode hat sich nicht wirklich etwas geändert." Aber der Stil ist informeller, zuversichtlicher und für jedermann zugänglich. Das erleichtert und beschleunigt das Lesen.

Sabri: David, was waren die Hauptgründe, die dich beim Schreiben der Neuauflage beeinflusst haben?

Die Digitale Revolution


David: Zunächst einmal die digitale Revolution. Anstatt über die einzelnen Technologien zu sprechen, weise ich darauf hin, dass ein Werkzeug gebraucht wird und gleichzeitig, dass sich diese Werkzeuge kontinuierlich ändern. Getting Things Done beschäftigt sich vor allem mit dem Inhalt und der Bedeutung der Dinge die wir handhaben, unabhängig wie diese Dinge auftreten oder organisiert werden.

Klar ist, dass Papier in unserer Welt eine kleinere Rolle spielt und immer mehr Dokumente eingescannt werden. Deswegen habe ich Inhalte aus der Erstausgabe überdacht: Archive, Mappen und dergleichen. Und ich habe sie aus gutem Grund beibehalten: Ein Großteil der Menschheit nutzt weiterhin täglich Papier und es ist immer noch wichtig, wie wir damit umgehen. Wir müssen immer noch eingehende Dokumente verarbeiten, wir schreiben Notizen, bekommen Post: Es gibt immer noch physische Gegenstände, die es zu organisieren gilt. Wenn wir keinen geeigneten Ort für diese Dinge haben, funktioniert unser System nicht.

Rund um die Uhr online


Dann haben wir die „24/7-Welt"- wir sind rund um die Uhr online . Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Wir haben Gelegenheit, die GTD Methode jederzeit einzusetzen. Der Unterschied zwischen Privatem und Beruflichem schwindet zunehmend. Es ist also schön, eine Selbstmanagement Methode zu haben, die über das Berufliche hinausgeht. Der Nachteil ist, dass die zahlreichen digitalen Informationsquellen zu noch mehr Stress und Frustration führen, wenn wir nicht die GTD Methode anwenden. Wo speichern wir unsere Information? In der Dropbox, oder auf Evernote? Die Fülle von Möglichkeiten erzeugt Entscheidungspanik und den Stress, keinen systematischen Ansatz zur Kontrolle aller digitalen Apps zu haben.

Es ist also umso wichtiger, dass uns die GTD Methode mit geeigneten Entscheidungskriterien und Formaten hilft, den Überblick zu behalten.

Sabri: In deinem Buch nennst du GTD eine Methode für jedermann. Was macht GTD zum Ansatz für Hausmänner, Studentinnen, Ärzte, Manager und sogar Politiker?

David: Ehrlich gesagt war die Erstausgabe an hochqualifizierte Wissensarbeiter gerichtet. Zu Recht, den Sie waren es, die unmittelbar mit digitaler Technologie zu arbeiten hatten und dem daraus entstehenden, überwältigenden Stress ausgesetzt waren. Diese Gruppe zeigte auch das größte Interesse an der GTD Methode und hatte die Ressourcen um Änderungen vorzunehmen.
Der Titel „Getting Things Done" und das Konzept der persönlichen Produktivität waren Grundgedanken, die aus diesen Nöten entstanden. Ich neige dazu mich zu entschuldigen, wenn ich sage: Produktivität birgt viel Arbeit in sich, im Beruf als auch im täglichen Leben.
Die Erstausgabe war aber ebenso für Studenten, Hausmänner und alle Anderen wertvoll. In dieser Ausgabe achtete ich besonders auf die Anknüpfungsfähigkeit in allen Lebenslagen. Ein Lebensstil für alle, nicht nur für Berufstätige. Ich weitete meine Beispiele und meine Sprache aus, um alle einzubeziehen.

Sabri: Was sind die Top-Neuheiten in „Wie ich die Dinge geregelt kriege"?

David: Es gibt 3 zusätzliche Kapitel in der neuen Ausgabe:

1. Einstieg in GTD

Eine Einleitung, in der die wichtigsten Neuerungen aufgezeigt werden.

2. GTD und die Wissenschaft

Das vorletzte Kapitel handelt von der Kognitionswissenschaft, die ich in der Erstausgabe noch nicht erwähnt habe. Im Prinzip bestätigen die Forschungsergebnisse die GTD Methode. Also: Ihr Kopf ist dazu da Ideen zu entwickeln, nicht aber, sie dort zu halten.

Weiterhin ist dieses Kapitel eine kompakte Zusammenfassung der wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre, wie z.B. die Flow-Theorie von Mihaly Csikszentmihalyi oder kognitionswissenschaftliche Zahlen die beweisen, dass unser Gehirn unfähig ist sich auf mehr als 4 bedeutsame Dinge gleichzeitig zu konzentrieren.

3. GTD bedeutet lebenslanges Lernen

Das letzte Kapitel ist vielleicht die wesentlichste Ergänzung. Hier wird beschrieben, wie man GTD meistern kann. Das bedeutet nicht ein Einzelnes: „Hey! Ich kann das Buch lesen und es als Management-Technik, bzw. einmaliges Erlebnis gebrauchen!" Es geht vielmehr darum, die Kunst und das Handwerk zu erläutern, um mit unserem Arbeitsfluss umzugehen. Und das ist eine lebenslange Aufgabe. Dieser Arbeitsfluss und wie wir mit der Arbeit umgehen, wird sich ändern und so werden wir immer mehr Wege entdecken, eleganter und gewandter mit allen Herausforderungen umzugehen. Dieser Aspekt zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Die Getting Things Done-Methode ist kein einmaliger Workshop. Hier geht es um lebenslanges Lernen.

Sabri: Die Kernaussage könnte also lauten: Entspannt Euch, Leute! Das hier ist wie Schach, oder Tennis oder ein Computerspiel. Hier gibt es immer ein neues Level und somit immer wieder etwas Neues zu lernen. Es gibt also keine Grenzen, wie gut wir eine Sache beherrschen können und folglich gibt es auch keine Grenzen, wie gut wir den Arbeitsfluss in unserem Leben beherrschen können?

David: Durchaus. Ich lade jeden der Getting Things Done praktiziert dazu ein, GTD und den gesamten Prozess kontinuierlich neu zu denken und weiter zu entwickeln.

Sabri: Wie wichtig sind die Forschungsergebnisse, die die Erhöhung der stressfreien Produktivität durch Anwendung der GTD-Prinzipien belegen?

David: Diese Ergebnisse haben eine hohe Relevanz. Bis vor Kurzem konnte die positive Wirkung der Getting Things Done-Methode ausschließlich durch Erfahrungen und Anekdoten bestätigt werden. Mittlerweile haben aussagekräftige Forschungen auf dem Gebiet der Sozial- und Kognitionspsychologie wissenschaftlich belegt, wie effizient die Grundsätze sind, die hinter der GTD-Methode stehen.

Sabri: Wie schwer ist es dir gefallen, das neue Buch zu schreiben?

David: Ehrlich gesagt war es leicht. Ich bin viel entspannter an die Sache herangegangen. Eine der wichtigsten Fragen, die mir gestellt wird ist immer: „Sind die neuen Trainingsprogramme 1,2 und 3 mit dem Buch im Einklang?" Und ja. Wir haben diese Programme entsprechend den Inhalten der Neuausgabe konzipiert. Beim Schreiben hat sich mein eigenes Verständnis über das GTD 5-Phasen Modell vertieft, ich habe es erweitert und es ist ausgeklügelter geworden.

Für Euch alle, falls ihr es nicht bereits bemerkt hattet: Das Buch deckt sich vollständig mit den Inhalten, dem Vokabular, Stil und Format unserer globalen Trainingsprogramme.
Das diese Teile zusammen passen und miteinander funktionieren, war dies mein Hauptanliegen und diente mir als Leitmotiv.

Sabri: David, vielen Dank für deine Zeit und deine Anwesenheit.

David: Vielen Dank Sabri, es war mir eine Freude. Dir und Next Action Partners wünsche ich, dass ihr einen Beitrag dazu leisten könnt, die Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit GTD stressfrei produktiver zu machen.

Über David Allen


David Allen, geboren 1945 in Jonesboro, Louisiana, arbeitet seit über 20 Jahren als erfolgreicher Management-Berater und Trainer. Er gilt als einer der einflussreichsten Denker zum Thema Produktivität und ist unter anderem als Berater für Microsoft, die US-Navy und die Weltbank tätig. Sein Bestseller „Wie ich die Dinge geregelt kriege" erscheint in komplett aktualisierter und erweiterter Neuauflage im Piper Verlag.

http://gettingthingsdone.com/

Über Sabri Eryigit


Sabri Eryiğit ist Mitbegründer und Geschäftsführer von Next Action Partners. Er ist mehrsprachiger GTD®-Trainer und wurde von David Allen zertifiziert. Mit über 15 Jahren Management-Erfahrung verfügt er über weitreichende Kenntnisse der Alltagswirklichkeit von Vorständen, Senior-Managern und Einzelunternehmern.

http://www.next-action.de/ueber-next-action-partners/team/

Die Erstveröffentlichung meines Beitrags finden Sie auf meiner Homepage: sabrieryigit.de.

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