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Warum ein Hund für spanische Propaganda sterben musste

10/10/2014 15:11 CEST | Aktualisiert 10/12/2014 11:12 CET

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Den heutigen Welt-Hunde-Tag wird er nicht mehr erleben: Der Vierbeiner der spanischen Ebola-Patientin ist tot. Eine Geschichte über verfehlten Aktionismus und ein unfähiges staatliches Gesundheitssystem.

Excalibur, der Hund der an Ebola infizierten spanischen Krankenschwester, ist tot. Rechtsanwälte, Tierärzte, die spanische Tierschutzpartei PACMA, Aktivisten, tausende Tweeds bei Twitter und fast 400.000 Unterschriften auf Change.org, der führenden Internet-Plattform für soziale Veränderung, konnten das Drama nicht aufhalten.

Auch wenn der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy mit dem Satz "Das spanische Gesundheitswesen ist eines der besten der Welt" jegliche Kritik zurückweist und auch die Gesundheitsministerin Ana Mato sich keiner Schuld bewusst ist, zeigt der Fall Excalibur deutlich, wozu verfehlter Aktionismus führt. Ein Sündenbock war schnell gefunden: Der zwölfjährige Mischling der Krankenschwester musste beseitigt werden.

Wie kann es sein, dass Spaniens Gesundheitsministerin Ana Mato Hunde mit Flughunden verwechselt, die die tatsächlichen Überträger von Ebola sind?

Am Mittwoch herrschte in ganz Spanien der Ausnahmezustand. PACMA, Tierärzte, Rechtsanwälte und Aktivisten setzten sich für die Rettung von Excalibur ein, doch scheiterten sie an der Inkompetenz der spanischen Behörden. Diese schreckten weder davor zurück, die Falschmeldung, dass der Hund an Ebola erkrankt ist, zu verbreiten, noch davor, zu behaupten, es hätte keine Möglichkeit der Quarantäne gegeben.

Tierarzt Carlos Rodríguez hatte von Javier Limón, dem Ehemann der Krankenschwester, den Hund rechtmäßig übernommen. "Es ist beschämend, dass ein Hund für die Fehler des maroden spanischen Gesundheitssystems bezahlen muss", sagte er in einem TV-Interview.

José Enrique Zalvidar, ein auf Infektionskrankheiten spezialisierter Facharzt, betonte, dass die Wissenschaft eine große Chance verpasst habe, um etwas über die Mensch-Tier-Übertragung von Ebola zu erfahren. Eine Blutprobe hätte dazu ausgereicht.

Die Nacht von Dienstag auf Mittwoch verbrachten die Tierschutz-Aktivisten vor dem Gebäudekomplex in der Avenida del Pinar von Alcorcón, eine halbe Autostunde von Madrid entfernt. Sie wollten verhindern, dass das Tier unbeobachtet abgeholt werden konnte. Anwohner unterstützten die Proteste und brachten Decken und Essen.

Pressevertreter von Zeitung und Fernsehen kamen die ganze Nacht hindurch. Am Mittwoch, als Aktivisten ein Interview gaben, schlug die Polizei zu, und löste die Versammlung unter Androhung hoher Geldstrafen auf. Die Unterstützer vor Ort posteten in allen sozialen Netzwerken Fotos von dem Vierbeiner auf dem Balkon als Zeichen dafür, dass er noch lebt.

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Tageszeitungen berichteten laufend, natürlich regierungskonform. Es dauerte schließlich Stunden, bis sich die Behörden einigten, wer denn die Tür der Wohnung öffnen kann: Die nationale Polizei, die kommunale Polizei oder die Feuerwehr.

Schließlich haben Beamte gegen 18.30 Uhr das Gebäude mit dem getöteten Hund verlassen. Aktivisten wurden von der Polizei verdrängt, ein junger Mann überfahren und schwer verletzt. Die sterblichen Überreste von Excalibur wurden verbrannt.

"PACMA wird alle rechtlichen Möglichkeiten untersuchen, um den Fall vor Gericht zu bringen", sagt Bloggerin Martina Szyska von SOS Galgos. Sie steht in engem Kontakt mit der spanischen Tierschutzpartei.

"PACMA wird weiterhin für die Tiere arbeiten, für alle 'Excaliburs' und denen eine Stimme geben, die keine haben. Der Fall wird die nächsten Wahlen beeinflussen, denn die führende Partido Popular PP steht ab jetzt auch für Grausamkeit, Unmoral und wissenschaftliches Fehlverhalten."

Die Geschichte dieses Hundes ist ein Paradebeispiel für das Krisenmanagement der spanischen Regierung und der Misswirtschaft des nationalen Gesundheitssystems. Sie steht auch für eine korrupte Regierung, die bevorzugt, öffentliche Gelder in den Stierkampf zu investieren, anstatt in die sozialen Angelegenheiten ihres Volkes.

"Die infizierte Krankenschwester wurde falsch und zu spät behandelt. Es ist allzu offensichtlich, dass das Töten von Excalibur vom Versagen des spanischen Gesundheitssystems ablenken soll. Die verantwortlichen Politiker sind durch ihre Unfähigkeit zu handeln eine Gefahr für die gesamte spanische Bevölkerung."

Martina Szyska

Die Gesundheitsministerin Ana Mato wird zum Rücktritt aufgefordert, nicht nur von aufgebrachten Aktivisten.

"Es war ja nur ein Hund", zeigen sich die nationalen Behörden unbeeindruckt. Unterschätzen sollten sie den Fall Excalibur lieber nicht.

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