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UN-Lehrgang für Kriegsjournalisten

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"Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Oder wie ich mich vor Terrorangriffen schützen lerne."

In diesen Ländern ist mir stets bewusst, dass ich einer gewissen Gefährdungslage ausgesetzt bin. Obwohl dieses Bewusstsein eher unterschwellig passiert, zumal ich versuche, mich nie einer unkontrollierbaren Risikosituation auszusetzen.

Es war eine Woche voller Extremsituationen, die allesamt physisch und psychisch sehr herausfordernd waren. Als ich das erste Mal davon gehört bzw. darüber gelesen habe, wollte ich diesen Herausforderungen selbst begegnen: Lehrgang für Journalisten in Krisensituationen oder eben auf Englisch "Hostile Environment Awareness Training", kurz HEAT genannt.

Als Ort stand uns (insgesamt 19 Journalistinnen und Journalisten) das Ausbildungszentrum der Vereinten Nationen der Bundeswehr-Kaserne Hammelburg zur Verfügung. Ein paarmal pro Jahr wird der Lehrgang angeboten. Ich habe mich bewusst für den Sommer entschieden, was letztendlich eine sehr sinnvolle Entscheidung war (wer möchte schon bäuchlings mit Splitterschutzweste durch den Schneematsch kriechen?).

Trainiert wurden unterschiedliche Situationen, die alle jedoch lebensbedrohlich waren. Marschiert sind wir in der Regel mit Splitterschutzweste und Stahlhelm, was noch einmal das Körpergewicht um 20 Kilo erhöht hat. Mit dem Wetter hatten wir Glück oder eben auch nicht, je nachdem, wie sich jeder bei über 30 Grad Sommertemperatur fühlt. Zumindest mit dem zusätzlichen Gewicht! Bevor wir nach draußen und in die reale Welt zogen, ging es erst einmal um Theorie. Eine Bundeswehr-Psychologin erklärte uns die Unterschiede zwischen Entführung und Geiselnahme und Methoden zur Trauma-Verarbeitung.

Es folgten Tage im fiktiven Dorf Bonnland, wo Situationen mit konkreter Gefahrenlage nachgestellt wurden. Wie reagiere ich auf Schüsse oder Handgranaten? Wo suche ich Deckung? Wie entscheide ich, wenn es darum geht, mein und/oder das Leben anderer zu retten? Wie gehe ich mit einer Bombendetonation zum Beispiel auf einem belebten Marktplatz um? Wie verhalte ich mich, wenn ich zwischen die Auseinandersetzung von feindlichen Milizen und lokaler Armee oder UN-Soldaten gerate? Was kann bei illegalen und unberechenbaren Militär-Kontrollpunkten passieren? Wie schütze ich mich und mein Leben in unübersichtlichen und aggressiven Zuständen?

Bei Schießübungen wurde aufgezeigt, woher die Schüsse kommen, um in Deckung gehen zu können. Ein weiteres Ziel der Übungen war, unterscheiden zu lernen, mit welchen Waffen gefeuert wurde. In einem unterirdischen Bunker erlebten wir verschiedene schwere Detonationen (bis 5 Kilogramm Sprengstoff) und spürten die Auswirkungen der Druckwellen. Ein weiterer Fokus wurde auf medizinische Hilfe im Einsatz gelegt. Definitiv nicht verkehrt, denn mein Erster Hilfe-Kurs lag gefühlt schon Ewigkeiten zurück. Auch hier wurde Theorie mit dem Ernstfall kombiniert, als auf einem fiktiven Dorfplatz ein Anschlag ausgeübt wurde.

6 Don'ts

1. Nichts anfassen, was auf dem Boden liegt und unbekannt ist
2. Schlaglöcher vermeiden. Im Notfall davor anhalten und nachsehen, was drin ist.
3. Keine militärischen Einrichtungen in Landkarten angeben.
4. Am sichersten ist es, Deckung in einem Krater zu suchen.
5. Achtung bei markierten Steinen und Wegen - Minengefahr!
6. Routine kann tödlich sein.

Tipp:

Spraydose mit roter Farbe mit sich führen, um Steine oder Stöcke zu markieren, die auf Minengefahr hinweisen! Achtung: Nur wertlose Gegenstände markieren, da bei Sachen des täglichen Gebrauchs die Gefahr besteht, dass sie mitgenommen werden!

Hinweis: Fotos konnten während der Übungen nicht gemacht werden. Eigene Archivbilder hier!