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Das Leben dieser Frau läuft fast 100 Prozent virtuell ab

23/12/2015 15:22 CET | Aktualisiert 23/12/2016 11:12 CET

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Ja klar, finden kann man im Internet alles: Sex, Freunde, Partnerschaft. Sogar ohne große Anstrengungen. Die Frage ist nur, was das World Wide Web so alles mit uns anstellt. Kürzlich habe ich mich unterhalten. Mit einer jungen Frau, die im Netz lebt. Ja, richtig, sie lebt darin. Die Unterhaltung mit ihren Freunden läuft fast zu 100 Prozent virtuell ab.

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Ihre Bilder bei Instagram zeigen, was sie macht, was sie anhat, was sie isst, wo sie ist und mit wem. Bei Facebook diskutiert sie mit Freunden, aber auch mit Fremden. Die Dinge sind wichtig oder auch unwichtig, ist eigentlich egal. Wenn jemand Geburtstag hat, den sie nicht gut kennt, wünscht sie ihm über Facebook alles Gute. Die, die sie kennt, bekommen von ihre einen Anruf oder auch mehr, sprich eine persönliche Begegnung.

Bei Tinder sucht sie Partner für die Nacht


Bei Tinder sucht sie sich Partner für die Nacht, für eine oder auch mehrere. Bei Whats App erzählt sie ihren Freunden davon, wie es war. Meistens sitzt sie alleine zuhause, kriegt Informationen, verarbeitet diese und/oder gibt sie weiter. Je nachdem.

Sie ist süchtig nach den schnellen Klicks, den Bestätigungen, den Sex-Dates. Wenn sie telefoniert, dann grundsätzlich nur mit Headset, um währenddessen in Facebook zu liken, Bilder auf Instagram zu laden oder den perfekten Match bei Tinder zu finden. Ab und an liest sie ein Buch. Dabei hat sie ihr Handy stets im Blick, wegen der neuen Nachrichten, die eingehen oder auch nicht!

Regelmäßig verlegt sie ihr Handy, vergisst es. Manchmal ist auch der Akku leer. Dann kriecht Panik in ihr hoch. Und es gibt nur den einen Gedanken: Wie komme ich möglichst schnell wieder an mein Handy?

200 Mal pro Tag Handy entsperrt


Sie erschrickt über ihr Konsumverhalten und installiert eine App. Die sagt ihr, wie oft sie das Handy am Tag entsperrt und wie oft sie Apps auf ihrem Handy nutzt. Das Ergebnis ist frustrierend: 200 Mal pro Tag Handy entsperrt und für Instagram und Co. gingen meistens mehrere Stunden drauf.

Das ist Suchtverhalten pur. Und sie weiß es. Sie schafft nach langem Anlauf die Entschleunigung. Endlich. Im Klartext heißt das, Tinder löschen, virtuelle Kontakte löschen, wichtige Menschen einfach mal wieder persönlich treffen, Museumsbesuche, Zeitung lesen, in die Kneipe gehen und sich unterhalten. Oder mal wieder telefonieren, richtig telefonieren, über Festnetz! Das Handy mal zuhause liegen lassen, wenn man weggeht. Oder das Handy für ein paar Stunden einfach ausmachen.

Als ich so alt war wie sie habe ich Tagebuch geschrieben, stundenlang! Und es hat mich glücklich gemacht.

Foto: Nicola Mesken

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