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Von Schottenröcken, Schriftstellerlegenden und Whisky

10/06/2015 15:32 CEST | Aktualisiert 10/06/2016 11:12 CEST

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Edinburgh bietet mehr als Dudelsäcke, Haggis und Whisky

Die schottische Hauptstadt ist immer für einen Kurzurlaub gut. 2015 zeigt das Land neben kulturellen Highlights auch seine lukullische Seite. Das "Year of Food and Drink 2015" widmet sich ganz den genussvollen Köstlichkeiten Schottlands.

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Allan Foster deutet auf den ersten Stock des unscheinbaren Hauses an der Nicholson Street.

Dort oben, im Café Spoon, hat Joanne K. Rowling ihre ersten Kapitel über den legendären Harry Potter geschrieben. Eine kleine Tafel, versteckt, nicht mal in Augenhöhe, erinnert den Spaziergänger daran, dass hier einer der bekanntesten Kinderbuchhelden des 21. Jahrhunderts entstanden ist.

Allan zwinkert: "Das Elephant House, ein Café in der nahen Marshall Street, beansprucht den Literaturhelden ganz für sich." Doch das sei so nicht richtig. "Die schottische Autorin hat in vielen Cafés von Edinburgh geschrieben." Zumindest damals, als sie noch unbekannt und mittellos war.

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Wie jeden Morgen hat der Schotte pünktlich um halb 11 seine Literaturtour begonnen. Es sind immer nur ein paar Touristen dabei, höchstens zwei Handvoll.

Denn die meisten Besucher der schottischen Hauptstadt haben anderes im Sinn, als über das Leben von Schriftstellerlegenden, wie Robert Louis Stevenson, besagter J. K. Rowling oder Ian Ranking, zu erfahren.

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400 Whiskys zum Probieren

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Zum Beispiel möchten sie mehr über den schottischen Whisky wissen. Und ihn natürlich auch gleich probieren. Und das am besten bei einer professionellen Whisky Tour. In der Tat, Schottland widmet das Jahr 2015 ganz seinen kulinarischen Highlights. Und da gehört der Whisky natürlich dazu.

Besonders deutlich wird die hochprozentige Angelegenheit in der Scotch Whisky Experience, die Besucher wie Magneten anzieht.

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Lenka Whyles kennt den Geschmack der Besucher und kann Whisky auch ganz individuell empfehlen.

Mit "Slainte Mhath", dem schottischen Trinkspruch, der soviel wie "Auf Deine Gesundheit" bedeutet, werden sie begrüßt. "300.000 Besucher haben wir pro Jahr", sagt Lenka Whyles, die das Gästeprogramm in der ehemaligen Schule aus dem Jahr 1887 koordiniert.

Eröffnet im Jahr 1988 zeigt die Scotch Whisky Experience heute die meisten Produkte der über 100 Destillerien in Schottland. "Wir bieten über 400 Whiskys zum Probieren an", sagt Whyles. Die Besucher werden durch eine nachgebaute Brennerei geführt und erfahren alles Wissenswerte über das schottische Nationalgetränk.

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Gast Enrico Brogiolo testet einen Single Malt-Whisky.

Einer der vielen Besucher ist Enrico Brogiolo aus Padua. Der Italiener entscheidet sich für einen Single Malt aus den Highlands, nachdem er die unterschiedlichen Aromen schon mal auf einer Probierkarte riechen konnte. Dazu erklärt Gästeführer Paul die feinen Unterschiede zwischen Highland-, Lowland-, Islay- und Speyside-Whiskys.

Mittelalter-Atmosphäre

Seine Frau Mariella Michelon beschäftigt sich lieber mit der Geschichte der Stadt. "Die vielen dunklen Steinhäuser geben mir das Gefühl, im Mittelalter angekommen zu sein", sagt die Architektin.

An beiden Seiten der Royal Mile, der Flaniermeile der Stadt, stehen die Häuser, die zur Zeit der protestantischen Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts gebaut wurden.

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Beeindruckt von der Geschichte Edinburghs: Touristin Mariella Michelon aus Padua.

Bis dahin war Schottland ein katholisches Land. Der Priester John Knox konvertierte 1540 und wurde Protestant. Ein ihm angebotenes Bistum lehnte er ab. Dadurch hätte er zum katholischen Glauben zurückkehren müssen. Nach der Thronbesteigung von Maria I., einer katholischen Königin, floh Knox im Januar 1554 nach Genf, wo er zur Lehre von Johannes Calvin fand.

So wurde er zum Wegbereiter der calvinistischen Reformation. Die englischen Bischöfe verdammten ihn zum Feuertod, doch das störte ihn nicht. Im Genfer Exil arbeitete er an einer englischen Bibelübersetzung.

1558 wurde die anglikanische Elisabeth I. Königin von England. Ein Jahr später kehrte Knox nach Schottland zurück, wo er vom Volk begeistert aufgenommen wurde. Als er in der früheren schottischen Hauptstadt Perth gegen die Bilderverehrung eine Messe hielt, zerstörten seine Anhänger den Altar und weitere Reliquien.

Der Religionskrieg endete 1560, als die schottische Kirche nach der Kirchenordnung der Hugenotten presbyteranisch wurde. In der Edinburgher St. Giles-Kathedrale erinnert heute eine Statue an John Knox.

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Besonders beeindruckt ist Mariella Michelon nicht nur von den englischen Royals sondern auch vom Holyrood Palace, der offiziellen Residenz von Königin Elizabeth in Schottland. Aus dem einstigen kleinen Kloster im 12. Jahrhundert entwickelte sich 500 Jahre später der heutige Prunkbau.

Maria Stuart lebte schon hier und wurde Zeugin, wie ihr Ehemann, Lord Darnley, mit einigen Verschwörern ihren Privatsekretär David Rizzio erstach. Weil Rizzio ihr Günstling und angeblicher Geliebter war, hatte er immer wieder Eifersucht und Hass unter den Adligen geweckt.

Schauplatz des Dan Brown-Bestellers

Im Dorf Roslin, rund zehn Kilometer von Edinburgh entfernt, steht die Rosslyn-Kapelle, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Schottlands. Als Schauplatz der Jagd nach dem Heiligen Gral erlangte sie in der Verfilmung des Dan Brown-Bestsellers "Sakrileg" Weltruhm.

Auch die Italienerin Michelon hat das Buch gelesen und möchte nun vor Ort das Geheimnis der Tempelritter erkunden. Denn hier, im Pantheon der Kirche, liegen neun Statuen auf dem Boden. Und eine von ihnen soll tatsächlich das bestgehüteste Geheimnis der abendländischen Christenheit enthalten, nämlich den "Kelch" des Abendmahls.

Zumindest, wenn man dem Text von Dan Brown glaubt.

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Die Rosslyn-Kapelle: Hier wurde der Film "Sakrileg" gedreht. Foto: E. Brogiolo

Zurück auf der Royal Mile in Edinburgh steht ein einsamer Dudelsackspieler vor einem Restaurant. Hier gibt es Haggis. Als Spezialität steht es auf allen schottischen Speisekarten, zumindest für die, die keine Vegetarier sind und die mit Innereien und Hafermehl gefüllte Köstlichkeit mögen.

Fotos: Enric Boixadós

Noch einen Grund für meinen Schottland-Aufenthalt erfahrt Ihr hier von Gaston Vizsla!


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