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Ruth Pfau: Rebellin der Armen und Kranken feiert 85. Geburtstag

09/09/2014 15:42 CEST | Aktualisiert 09/11/2014 11:12 CET

Die bekannte Lepraärztin und Ordensfrau feiert am 9. September ihren 85. Geburtstag. Rückblick auf ein Leben ohne Kompromisse.

Heute feiert die bekannte Lepraärztin und Ordensfrau Dr. Ruth Pfau im Kreis von Mitarbeitern und Patienten ihren 85. Geburtstag. Und ginge es allein nach ihr, würde sie solch ein Datum wahrscheinlich gar nicht feiern, sondern einfach das tun, was sie an jedem anderen Tag tut: Sich als Ärztin und Mensch in Pakistan um die Opfer von Armut und Krankheit kümmern.

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Sie ist eine Rebellin. Eine für den Frieden. Die Todesopfer bei den regierungsfeindlichen Protesten lassen sie nicht kalt. Sie, die auch im hohen Alter immer noch unterwegs ist, zu den Opfern der Armutskrankheiten, wie der Lepra und der Tuberkulose.

Sie bringt denen Hoffnung, die oft keine Hoffnung mehr haben. In einem Land, das selten zur Ruhe kommt und in den Nachrichten als Herd des Bösen gebrandmarkt wird. Bei Pakistan denkt man an vieles: An Atomwaffen, an Gewalt und Terrorismus, an Naturkatastrophen, an Frauen ohne Rechte, an einen von Männern dominierten muslimischen Staat. Man denkt an Menschen, die oft so arm sind, dass sie nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopf haben. Und Dr. Ruth Pfau liebt genau dieses Land, das nach mehr als 50 Jahren zu dem ihren geworden ist.

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Mit ruhigem Gewissen in die Zukunft blicken

Immer noch ist sie täglich unterwegs. So oft es geht ist Mervyn Lobo dabei, der Geschäftsführer des Marie Adelaide Leprosy Centers (MALC) in Karachi, das Ruth Pfau Anfang der 1960er Jahre aufbaute und welches heute das Zentrum der landesweiten Hilfe ist. 1961 begann die bis heute dauernde Unterstützung durch die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V., einem in Würzburg ansässigen Hilfswerk. In einem Brief, den sie damals an die DAHW schickte, bat die junge Ärztin um eine kleine, regelmäßige Unterstützung.

Hermann Kober, der mit sechs Gleichgesinnten 1957 die DAHW gegründet hatte, reagierte sofort. Er wollte ihr und den an Lepra erkrankten Menschen vor Ort helfen. Die Ärztin und Ordensfrau erinnert sich gern an diese Zeit, die zugleich auch der Anfang einer jahrzehntelangen Freundschaft und Zusammenarbeit bedeutete.

Auch mit fast 85 Jahren ist sie immer noch täglich im Einsatz. "An manchen Tagen erlaube ich es mir, nur halbtags zu arbeiten", lächelt sie verschmitzt. Sorgen um die Zukunft ihres Projektes macht sie sich nicht mehr, da sie es in guten Händen weiß. "Als Geschenk für die Welt" bezeichnet sie Harald Meyer-Porzky, stellvertretender DAHW-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Ruth-Pfau-Stiftung.

Er erinnert sich an die bewegenden Momente der Gründung der Ruth-Pfau-Stiftung im Jahr 1996. Es war Ruth Pfau spürbar unangenehm, den eigenen Namen so ins Licht gerückt zu sehen. Und doch sagte sie schließlich: "Vielleicht gehört mir der Name nicht mehr allein." Denn längst war er zum Symbol für ihr beispielloses Wirken in Pakistan geworden.

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Als ihren größten Verdienst beschreibt sie, dass sie es geschafft habe, mit Mervyn Lobo den idealen Nachfolger gefunden zu haben. Er hat sie über Jahre hinweg im ganzen Land begleitet, kennt die Arbeit wie kaum ein anderer und führt das MALC in ihrem Sinne, mit großem Geschick und mit der notwendigen Empathie für die Menschen. Denn dies steht im Vordergrund, bei allem was die Ordensfrau und ihr Team getan haben und tun. Denn sie ist nicht allein. Sie kann auf ein hochmotiviertes Team aus pakistanischen Frauen und Männern zählen, die sich, ganz in ihrem Sinn, für eine bessere Zukunft der Menschen vor Ort einsetzen. Nachdem das Team die Lepra in den Griff bekommen hat, widmet es sich heute begleitend und verstärkt auch Menschen mit Behinderungen.

Versuchte Entführungen

Die Liste der Auszeichnungen für Dr. Ruth Pfau ist endlos. Sie ist Ehrenbürgerin Pakistans, Trägerin des Großen Bundesverdienstkreuzes sowie des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und des höchsten pakistanischen Zivilordens. Im Jahr 2002 erhielt sie den asiatischen Alternativen Friedensnobelpreis, den Ramon Magsaysay Award. Sie ist erste Trägerin des mit 50.000 Euro dotierten ITZEL-Preises, bekam die Albert-Schweitzer-Medaille in Gold und wurde 2005 mit dem "Marion-Dönhoff-Preis" geehrt.

Im Jahr 2012 erhielt sie den deutschen Fernsehpreis Bambi in der Kategorie "Stille Helden" für ihr Lebenswerk und in diesem Jahr den Klaus-Hemmerle-Preis 2014 der Fokolar-Bewegung. All diese Preise bedeuten ihr persönlich nichts. Sie nimmt sie jedoch gerne an, weil sie weiß, dass die damit verbundenen Aufmerksamkeiten der Medien ihrer Botschaft, ihrem Auftrag helfen.

"Weitermachen ist unsinnig, aber aufhören ist noch unsinniger", sagte sie einst. Sie spricht von versuchten Entführungen: "Wenn uns mal jemand kidnappen wollte, kam jemand anderes, der uns gewarnt und aus dem Stammesgebiet herausgeholt hat." Oder sie denkt an die Anfänge zurück, als aufgrund von Gerüchten zornige Pakistaner das neue Lepra-Hospital stürmen wollten. Den ersten ehrenamtlichen muslimischen Mitarbeitern gelang es jedoch, die Masse davon abzubringen und sogar zu Mitstreitern ihrer Lepra-Arbeit zu machen.

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Die geborene Leipzigerin blickt gerne auf ihr Leben zurück. Nur ein Jahr nach dem medizinischen Staatsexamen trat sie 1957 aus tiefem Glauben in den Orden der "Töchter vom Herzen Mariä" ein. Und nach der internistischen Fachausbildung in Köln im Jahre 1958 und einer gynäkologischen und geburtshilflichen Weiterbildung in Bonn begann ihr Abenteuer Ausland. Welches nicht mehr enden sollte.

Eigentlich wollte sie 1960 nach Indien gehen, doch das Schicksal in Form von Visaproblemen brachte sie über Afghanistan nach Pakistan. Dort in Karachi, in einem Lepra-Ghetto, fand sie ihre Berufung. Seitdem hat sie unzählige Kranke geheilt und, vor allem, ihnen ihre Menschenwürde zurückgegeben.

Auch Professorin Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, zollt ihr Respekt und große Bewunderung. Bundesminister Gerhard Müller würdigt ihre großartige Lebensleistung und gratuliert im Namen der Bundesregierung. Und Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur, spricht gar von dem anarchischen Rebell in einem Christen, der auch noch im hohen Alter vorherrschen kann.

All diese Wünsche, auch die, die ihr von Mitarbeitern und Spendern der DAHW persönlich durch deren Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg am 9. September in Karachi übergeben werden, nimmt Ruth Pfau an ihrem Geburtstag gelassen und mit einem Lächeln entgegen. Wichtig sind ihr nicht die 85 Jahre, die hinter ihr liegen, sondern vielmehr die Menschen, die sie brauchen und auf sie warten.

Die Ruth-Pfau-Stiftung wurde im Jahr 1996 gegründet. Im Jahr 2013 hat die Stiftung Ausschüttungen in Höhe von insgesamt 144.254,70 Euro an die DAHW getätigt. Hier finden Sie weitere ausführliche Informationen zur Stiftung und zu Dr. Ruth Pfau.

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