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Papenburg - Eine kleine Stadt mit großer Tradition

12/10/2017 12:43 CEST | Aktualisiert 12/10/2017 12:43 CEST

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Das "Venedig des Nordens" hat mehr zu bieten als eine große Werft und Millionen von Kräutertöpfen

Emsflorenz. Der kleine Aufkleber am Bahnhof von Papenburg sagt viel aus. Denn es ist die Ems mit ihren Kanälen, die das Leben in der beschaulichen Stadt bestimmt. Hübsch ist es hier, die Grenze zu Holland ist nur ein paar Kilometer entfernt und die bekannte Meyer Werft baut ganz in der Nähe die berühmtesten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Klar, der Name des Schiffsbauers ist vielen bekannt, nicht aber die Stadt selbst. Denn sie gehört eben nicht in die Größenordnung von Touristenmagneten wie Hamburg, Düsseldorf oder Münster. Papenburg ist die versteckte Schönheit unter den Reisezielen. Umso mehr lohnt es sich, das „Venedig des Nordens" zu entdecken.

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"Den ersten sien Dod, den Twedden sien Not, den Dridden sien Brot!" Ludger Stukenbrock mit einem Stück Torf.

Ludger Stukenbrock ist geborener Papenburger. Durch und durch. Meist trifft man ihn in der Von-Velen-Anlage. Hier taucht er ein in die Vergangenheit und nimmt die Gäste mit. Er erzählt von den ersten Siedlern und auch von der einen oder anderen Moorleiche. Denn hier gibt es noch die Untiefen, das Moor, das einst erschlossen wurde, um auf den abgetorften Flächen Landwirtschaft zu betreiben.

Ab Mitte des 17. Jahrhunderts gruben die Bewohner ausgehend vom Fluss Kanäle von insgesamt 43 Kilometern Länge. Neben der Entwässerung des Moores dienten diese gleichzeitig als Wasserstraßen. Mit einfachen Plattbodenschiffen transportierte die frühere Bevölkerung den abgebauten Torf zu den ostfriesischen Ziegeleien und später nach Emden, Bremen und Hamburg. Auch der Weg zur Nordsee wurde dadurch frei.

2017-10-12-1507803064-3305900-P1010240Large.JPG Die Von-Velen-Anlage mit dem Papenbörger Hus.

Papenburg - das ehemalige Armenhaus

Die ersten Siedler lebten in erbärmlichen auf dem Hochmoor erbauten fensterlosen Hütten aus Birkenstämmen, Reisig und Heideplaggen. In der Mitte dieser Katen befanden sich die Kochstellen. Mensch und Vieh teilten sich den kargen Wohnraum. Erst viel später gab es einen bescheidenen Wohlstand, der zweifellos den ersten Siedlern zu verdanken ist. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts fanden viele Papenburger Arbeit im Schiffbau. Zur Blütezeit des Werftwesens gab es 23 Werftanlagen. Auf einer längs des Kanals errichteten Helling wurde das Schiff auf Kiel gelegt und konnte dadurch ins Wasser gleiten.

2017-10-12-1507803188-5540865-P1010241Large.JPG Abgebaute Torf-Briketts.

Stukenbrock deutet auf einen Sumpf, der abgetrennt und gesichert ist. "Wer hier reinfällt, kommt nicht mehr raus", betont er. Und dann erzählt er von dem Jungen, der 1939 im Moor gefunden wurde. Sein Skelett wies eine Hüftdeformation auf. Nachforschungen ergaben, dass das Kind im 11. Jahrhundert lebte und stark gehbehindert war. "Man hat den Jungen wohl umgebracht und im Moor verschwinden lassen", mutmaßt Stukenbrock. "Damals, zu Zeiten großer Not, konnte er nicht zum Überleben der Familie beitragen und man entledigte sich ihm." Es gibt einige Menschen, die im Moor einfach verschwanden und nie wieder aufgetaucht sind.

2017-10-12-1507803282-8001753-P1010253Large.JPG Das Geschäft mit der Frische.

Landwirtschaft und Gartenbau stehen in der norddeutschen Stadt heute mit an vorderster Stelle. Die Gartenbauzentrale Papenburg steht für das Geschäft mit der Frische. Anfang der 1970er Jahre begann sie mit dem Anbau von Topfblumen, später, zu Beginn der 1980er Jahre mit Topfkräutern. Salbei, Rosmarin, Bleifuß, Minze und viele mehr. Allein 80 Millionen Topfkräuter werden von hier aus jährlich auf den Markt gebracht. Die Genossenschaft arbeitet mit selbständigen Gärtnern zusammen und fördert somit den Wohlstand der Region.

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Papenburg - ein charmantes Städtchen.

Auf der Meyer Werft werden regelmäßig Führungen veranstaltet. Und die Gäste können den späteren Luxus erahnen, der die halbfertigen Ozeanriesen schon beim Bau umgibt. Hier sieht man ihre Gerippe und beobachtet Hunderte von Arbeitern, die einer neuen AIDA Form geben oder dem Disney-Kreuzfahrtschiff den letzten Anstrich verpassen. Es ist eine Welt der Superlative. Es lohnt sich, sie zu entdecken. Dabei zu sein, hautnah. Sich eine Reise über die Ozeane unserer Welt vorstellen. Einfach so. Träume werden hier wahr, nicht nur für die leidenschaftlichen Kreuzfahrt-Fans.

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Die Holländer Astrid van der Wel und Kees van Veen mit ihren Hunden Trüffel und Hazel kommen gerne zum Einkaufen nach Papenburg.

"Boßeln" - Was ist denn das?

Am frühen Abend trifft man sich zum Boßeln. Nur Insider wissen, um was es da genau geht. „Ran an die Kugel und den Kopf einziehen!", lautet das Motto. Und nach der Ausübung des hiesigen Volkssports geht es zum Grünkohlessen. Das muss sein. Denn Papenburg ist diesbezüglich nicht nur eigenwillig sondern auch lukullisch ein Genuss.

Das charmante Städtchen an der Ems hat viel zu bieten, nicht nur für Insider. Auch im Nachbarland weiß man Papenburg als Einkaufsziel zu schätzen. Wie das holländische Paar Astrid van der Wel und Kees van Veen, die Latte Macchiato und Kuchen in einem Café am Kanal genießen. "Gutes deutsches Mühlenbrot kaufen und leckere Tortenstücke essen", lacht die 61-Jährige. Kees van Veen, ein ehemaliger Koch, schätzt die Auswahl an Küchenutensilien in dem nahen Laden. "Hier werde ich oft fündig", sagt der 68-Jährige. Neben Torten, Kochlöffel, eine große Werft und Millionen an Kräutertöpfen hat Emsflorenz noch viel mehr zu bieten. Einen kurzen oder langen Abstecher ist das Städtchen allemal wert.

Übernachtungstipp:

Hotel Alte Werft

www.hotel-alte-werft.de

Zum Grünkohlessen ins Arkadenhaus.

www.arkadenhaus.de

Die Autorin wurde von Papenburg Marketing unterstützt.

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