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Niederösterreich: Stehen bleiben und sich berauschen lassen

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"Es ist so schön hier, weil es so echt ist", bringt es Martina Kalteis auf den Punkt. Die Wanderbegleiterin weiß, wovon sie spricht. Ihre Heimat ist das Mostviertel vor den Toren Wiens. Und dazu gehört auch der Ötscher-Nationalpark. Wandern in Österreich bedeutet für die meisten Urlauber in den Bergen Südtirols. Die Gegend um St. Pölten ist daher immer noch ein Geheimtipp, weder von Urlaubern überlaufen, noch ein besonders teures Urlaubsziel. Kollege Florian Schublach spricht liebevoll vom Ötscher-Reich.

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Florian Schublach arbeitet im Ötscher-Informationszentrum.

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Beide gehören zu einem Pool von 70 jungen Leuten, die Besucher auf ihren individuellen Wanderungen begleiten. Individuell heißt dann auch besonders, einzigartig. "Je nach Gusto bieten wir Orchideenwanderungen, Kräutertouren, Jodelrunden oder sichere Naturbegehungen für ältere Leute an. Und in der Ötscher-Basis können Interessierte Kräuter-Kochkurse buchen und das Sensenmähen lernen. Oder die auf Wanderungen erlernten Jodler unter fachkundiger Anleitung noch einmal ausprobieren", lacht der 37-Jährige.

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Auch alpine Herausforderungen warten auf die Kletterer.

Das Wandern im Mostviertel mag für viele beschaulich klingen, muss es aber ganz und gar nicht sein. Bizarre Schluchten, geheimnisvolle Höhlen, steile Felsen und sogar ein wenig Urwaldatmosphäre ziehen vor allem Bergsteiger und Kletterer an. Es gibt insgesamt 1.500 Kilometer Wanderwege in allen Schwierigkeitsstufen.

Die Via Sacra für Gottes- und Ich-Sucher

Nicht zu vergessen sind die Pilger. Denn das Mostviertel ist seit jeher auch ein spiritueller Boden für Gottes- und Ich-Sucher. Die "Via Sacra" führt in vier bis fünf Tagen von Wien aus nach Mariazell und passiert dabei einige der landschaftlichen und kulturellen Höhepunkte des Triesting-, Gölsen- und Traisentals. Pilgern kann in diesem Umfeld kaum stimmiger sein. Die Beschaulichkeit und die Schönheit der Natur geben Geist und Seele Ruhe. Mariazell gehört zu den bedeutendsten Pilgerorten der Alpen. Die Basilika, die Apotheke zur Gnadenmutter als Zentrum der neuen und traditionellen europäischen Medizin und das so genannte Heimathaus bilden ein eigenes spirituelles Universum, das ganz von der Hinwendung zum Himmel geprägt ist. Es gibt sogar ein Bähnchen, das die Gäste ganz bequem in den Pilgerort bringt.

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Und ganz passend nennen sich seit ein paar Jahren die neuen Zugwaggons auch "Himmelstreppe". Die Schmalspurbahn fährt schon seit über 100 Jahren. Mit ihrem Bau wurde im November 1896 begonnen. Zwischen 1907 und 1911 wurde sie als erste österreichische Bahnlinie vollständig elektrifiziert. Verschiedene Dörfer verbindet die Strecke. Mit dem Zug fahren täglich Menschen zu ihren Arbeitsstellen oder junge Leute in die Schule.

Bieber im Wildkräutergarten

Johann und Annemarie Weiss leben in Warth und damit direkt an der Bahnlinie. Sie haben ihr Leben den lukullischen Schätzen der Natur gewidmet. "Wir richten unsere Speisekarte nach den saisonalen Wildkräutern aus", sagen die beiden Hotel-Besitzer. Annemarie Weiss gibt für die Gäste Kochkurse, alles Bio natürlich.

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In den familieneigenen Wildkräutergärten dürfen die Besucher dann auch sehen, riechen und schmecken. "Und wenn sie Glück haben, gibt es Meister Bieber gratis dazu." Denn der hat sich in der Teichlandschaft der Anlage angesiedelt. Samt Familie. Man muss nur ein wenig Geduld haben und ausharren können.

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"Haben Sie schon mal von Dirndln gehört?", fragt Johann Weiss gerne seine Gäste. Nein, nicht die bayerische Tracht. Sondern die verführerische Frucht von Cornus Mas, dem Hartriegel! Ob Marmelade oder Schnaps, die glutrote Dirndl hat es in sich. In der Region gehört die Wildfrucht zum Alltag. Doch davon kann Ihnen Dirndl-Experte Weiss noch eine ganze Menge erzählen.

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Ein Dirndl-Baum.

Begabung für Geschichten

Die Möglichkeiten zum Urlaubmachen in den verschiedenen Jahreszeiten sind schier unendlich. Der Hit sind Reiterferien auf den verschiedenen Bauernhöfen für alle Altersklassen. Die Urlauber können auch ihre Tiere mitbringen und mit Reittrainern am eigenen Pferd lernen. "Auch für unsere jungen Gäste haben wir Angebote entwickelt", ergänzt Kalteis. "Vor allem sind Überraschungen mit Wasser sehr beliebt. Oder der Bau von Bahnen aus Laubholz für Kugelspiele", betont die studierte Agrar- und Ernährungswirtschafterin.

Sie selbst ist auf dem Bauernhof groß geworden. Ihr Geschick fürs Erzählen hat sie von damals, als ihr im Märchenwald Geschichten erzählt wurden. Später dann kamen die Wiener Studienfreunde zu ihr nach Hause auf den Familienbauernhof. "Gemeinsam haben wir das Ötscher-Reich erkundet, und alle waren begeistert. Mein Nebenjob als Wanderbegleiterin hat sich daraus entwickelt", lacht sie.

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Martina Kalteis erinnert sich gerne an die Wanderungen mit ihren Studienfreunden.

Reisetipps:

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Hotel:
Steinschalerhof mit Restaurant und Wildkräutergarten in Warth. Auch Haustiere erlaubt. www.steinschaler.at
Anreise:
Flug bis Wien. Bahn bis St. Pölten. Weiterfahrt mit der Mariazellerbahn bis Wienerbruck (Ötscher-Basis).
Oder:
Anreise mit der Bahn bis St. Pölten. Weiterfahrt mit der Mariazellerbahn.

Info: www.mostviertel.at

Die Reise wurde von Mostviertel Tourismus unterstützt.

Fotos: Enric Boixadós