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Manchester - das ungeschliffene Juwel Nordenglands

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Nach dem Terroranschlag zurück zur Normalität. Gemeinschaft, Solidarität und Toleranz zählen für die Einwohner mehr denn je.

Bienen. Überall in der Stadt gibt es sie. Arbeitsbienen, die umtriebig summen und fliegen. Visuell auf Hauswänden, als Graffitis, als T-Shirt-Logo oder als Tattoo auf blanker Haut. Die Bürger von Manchester sind stolz auf sie. Das gelb-schwarze Bienen-Logo geht auf das 19. Jahrhundert zurück, als die Stadt durch ihre Baumwollindustrie berühmt wurde.

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Hier wurde das Rohmaterial, das aus den englischen Kolonien auf dem Seeweg nach Liverpool gebracht wurde, gehandelt und verarbeitet. Die ehemalige Börse ist heute ein Theater, doch kann man sich in den hohen Hallen noch immer genau vorstellen, wie es einst war. Man hört förmlich die Zwischenrufe und den Hammerschlag, mit der der Handel besiegelt wurde. Zweimal wöchentlich drängten sich jeweils 10.000 Männer, um die meterhoch aufgetürmten Ballen zu verkaufen und zu erwerben. Manchesters feuchte Klima war hervorragend, um das Material effizient zu verarbeiten. Frauen waren an der weltweit größten Börse für Baumwolle nicht zugelassen.

Den größten Anteil hatten deutsche Händler. "Wenn die Deutschen nicht kamen, lohnte es sich nicht, die Halle überhaupt erst zu öffnen", schmunzelt Stadtführerin Kate Dibble und weist auf den großen Einfluss der deutschen Geschäftsleute hin. Für die ältere Generation ist die "Manchester-Hose" immer noch ein Begriff. Statt Baumwollauktionen gibt es in der großen Halle nun Theateraufführungen. "Es wird viel Shakespeare gespielt", sagt Dibble.

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Kate Dibble, Stadtführerin: " Ich war nicht in der Stadt, als es geschah. Doch meine Kollegen erzählten mir, dass ihre Besuchergruppen nach dem Attentat ganz klar ihre Solidarität ausdrückten. Mexikanische Touristen hielten sogar ihre Flagge hoch. Wir erfuhren sehr viel Unterstützung von Seiten unserer ausländischen Gäste."

Manchester wird zu Cottonopolis

Die nordenglische Stadt hat einige Superlativen zu bieten. 1761 wurde hier der erste Kanal gebaut. Dem Bridgewater-Kanal als Vorbild diente der Canal du Midi in Frankreich. Ziel war es, die Kohlengruben des Herzogs von Bridgewater mit Manchester zu verbinden. Schließlich erweiterten pfiffige Händler das Kanalnetz auf insgesamt 5.000 Kilometer, was vor allem der Baumwollindustrie zugute kam. Manchester wurde als Welthauptstadt der Textilindustrie bekannt und bezeichnete sich fortan als "Cottonopolis".

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Bill Ayres, Bibliotheksangestellter: "Wir lassen uns nicht einschüchtern. Ich habe keine Angst. Berührt haben mich die vielen Blumen am St. Ann's Square nach dem Anschlag. Normalerweise ist es dort immer sehr geschäftig und laut. Auf einmal war es still, nur noch still."

Und 1830 nahm vom Bahnhof der Stadt der erste Passagierzug der Welt Fahrt auf. In der nahen Kunstgalerie unterhielt der berühmte englische Schriftsteller Charles Dickens um 1850 Literaturfreunde mit seinen Lesungen. Und auch Karl Marx und Friedrich Engels statteten während dieser Zeit der nordenglischen Metropole einen Besuch ab. Engels beschrieb die elende Lage des Proletariats und wurde somit zum Miterfinder des Kommunismus.

2017-08-18-1503062398-7335543-ManchesterRathausundJazzfestivalLarge.jpg Rathaus und Manchester Jazzfestival 2017.

Ein paar Schritte weiter beeindruckt das 1877 von Alfred Waterhouse im gotischen Stil erbaute Rathaus. "In der Zeit des Baumwoll-Booms hatte die Stadt viel Geld und konnte sich diesen Prachtbau leisten", ergänzt Dibble. Waterhouse baute noch ein bekanntes Hotel der Stadt. Einst unter den Namen "Palace Hotel" bekannt zieht es nach der Renovierung als "The Principal" traditionsbewusste Gäste an. Genau wie das exklusive Hotel Midland, das von dem Architekt Charles Trubshaw geplant wurde. Und wer Lust auf High Tea hat, ist jeden Nachmittag im nahen Radisson Blu Edwardian willkommen. Das Hotel zeichnet sich durch eine ehrwürdige Atmosphäre aus, und der Afternoon Tea in der historischen Free Trade Hall ist ein Muss für jeden Tee-Fan.

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Ein Muss für jeden Besucher: High Tea am Nachmittag.

Zwei Freundinnen: Elizabeth Gaskell und Charlotte Brontë

Das Haus der bekannten englischen Schriftstellerin Elizabeth Gaskell liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums. Die 1910 in London geborene Autorin lebte mit ihrer Familie ab 1850 in dem Haus mit dem großzügigen Garten. Mrs. Gaskell, wie sie in England immer noch liebevoll genannt wird, liebte es, Gemüse anzupflanzen. Im gleichen Jahr traf sie auf Charlotte Brontë. Seitdem verband die beiden Schriftstellerinnen eine tiefe Freundschaft bis zu Brontës Tod 1855. Nach ihrem Ableben schrieb Mrs. Gaskell die Biografie "The life of Charlotte Brontë". Das Original-Manuskript gibt es heute in der historischen John Rylands Library in Manchester. Beim Gang durch die Räume hat sich nichts verändert. Alles ist noch genau so wie zu ihren Lebzeiten. Die Times von damals liegt auf dem Sekretär und der Tisch ist für ein opulentes Mahl gedeckt.

2017-08-18-1503062588-8069514-GaskellHouse1Large.jpg Das Haus der Schriftstellerin Gaskell.

Ganz in der Nähe gibt es die Victoria Baths im Art Deco-Stil. Die Schwimmhallen wurden 1906 eröffnet und dienten damals dazu, der ärmeren Bevölkerung ohne eigenes Bad eine Waschmöglichkeit zu bieten. Doch nicht nur das. Bald wurde die Anlage der Stolz der Bevölkerung. Es gab drei große Pools, türkische und russische Bäder, prachtvolle Glasmalereien auf den Fenstern und eine Wohnung für den Hausmeister. Zum ersten Mal durften hier im Jahr 1914 Frauen und Männer gemeinsam schwimmen. Sunny Lowry, die später den Ärmelkanal durchquerte begann hier ihre Schwimmkarriere, genau wie John Bedford, der 1934 bei den Schwimmeuropameisterschaften in Magdeburg den Titel im Rückenschwimmen gewann. Sehr zum Entsetzen von Adolf Hitler, der den Deutschen Ernst Kuppers favorisierte. 1993 wurde das Victoria-Bad schließlich geschlossen, doch ein Freundeskreis strebt die Wiedereröffnung so bald wie möglich an. Dazu werden Spenden gesammelt und die leeren Schwimmhallen für Festivitäten und Hochzeiten vermietet.

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Der Traum vieler Einwohner ist es, die Victoria Baths wieder zum Leben zu erwecken.

Mittlerweile ist Manchester 2.000 Jahre alt. Einst begann es mit einer römischen Festung und 500 Soldaten. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte die Stadt knapp 20.000 Einwohner. Und heute ist sie die drittgrößte Stadt Großbritanniens mit 250.000 Menschen. Die Bewohner sind nicht nur stolz auf ihren Fußballclub sondern eben auf eine Metropole, die vielen nur als grauer Industrieort im Gedächtnis haftet. Stylist Matthew Moxham, der seine Stadt als "modern, alternativ und versehen mit einer bunten und abwechslungsreichen Kulturszene" beschreibt, hat den Nagel auf den Kopf getroffen.

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Susan Tranter, Instagrammerin: "Manchesters Norden ist ein Muss. Es ist nicht nur ein Mekka für Fotografen, sondern auch für Hollywood. Es diente bereits als Kulisse für viele bekannte Filme."

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Auf Entdeckungsreise durch Manchester.

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Im Stadtzentrum.

Die Autorin wurde von Visit Britain unterstützt.