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Leprakranke im Südsudan: Nicht die Hoffnung verlieren

20/12/2014 11:06 CET | Aktualisiert 19/02/2015 11:12 CET

2014-12-19-DSCF8322Large.jpg Nach einem langen Fußmarsch durch den Busch erreicht Schwester Isabella die Leprapatienten.

Am 15. Dezember 2014 jährte sich der Ausbruch des Konfliktes im Südsudan. Der jüngste Staat der Welt steht kurz vor dem Kollaps, denn internationale und regionale Friedensbemühungen führten bislang zu keinem dauerhaften Frieden. Im Südsudan sind sämtliche staatlichen Wohlfahrtsfunktionen weggefallen. Die Konsequenzen trägt die notleidende Zivilbevölkerung. Seit dem Ausbruch der Kämpfe gibt es etwa 1,44 Millionen Binnenflüchtlinge.

Schwester Isabella und Schwester Veronika sind heute mit Krankenpfleger Francis Dumba unterwegs. Die Arbeit der Schwestern, die der Diözese Yei im Süden des Landes angehören, wird von der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe finanziell unterstützt. Die Frauen gehören dem Orden der Steyler Missionare an. Beide kamen 2010 als Ordensfrauen in den Südsudan. Schon damals war das Land vom Bürgerkrieg zerstört und Infrastruktur gab es nicht.

2014-12-19-DSCF8297Large.jpg Oftmals gelangt Krankenpfleger Francis nur mit dem Geländemotorrad zu den Kranken.

Genau wie Schwester Veronika möchte auch Schwester Isabella nicht mehr weg aus dem Land, dessen Menschen ihr ans Herz gewachsen sind. Die Bestimmung, einmal als Lepra-Krankenschwester zu arbeiten, wurde ihr in die Wiege gelegt. Buchstäblich! Denn kurz nach der Entbindung kam eine Leprakranke an das Bett ihrer Mutter und streichelte der kleinen Isabella über die Wange. "Mein Weg war somit vorgezeichnet", sagt die 52-Jährige heute.

Als Missionarin und Krankenschwester arbeiten

Schon als junges Mädchen wusste sie genau, was sie wollte: Missionarin und Krankenschwester werden! Denn ihre Schulbildung erhielt sie von Nonnen, die ihr immer wieder zeigten, was Barmherzigkeit bedeutet. 20 Jahre arbeitete Schwester Isabella in ihrer indonesischen Heimat Flores im Dienst der Leprapatienten.

Der Südsudan ist nun ihre erste Auslandsstation. Gemeinsam mit Schwester Veronika, einer Ärztin, sitzt sie im Geländewagen nach Lasu. Nach zwei Stunden erreichen sie den kleinen staubigen Ort unweit der kongolesischen Grenze. Krankenpfleger Francis erwartet sie bereits. Die Leprastation im Krankenhaus Bakhita, das zur Diözese gehört, wurde von der DAHW gegründet. "Die Hilfe, die wir aus Deutschland bekommen, ermöglicht uns, die Arbeit fortzusetzen", betont Schwester Veronika.

2014-12-19-DSCF8339Large.jpg Im Geländewagen nach Süden, Richtung kongolesische Grenze.

Leprakranke bleiben in den Familien

Durch dichtes Gras geht es tiefer hinein in den Busch. Zu Fuß! Die drei wissen, dass sie von Daniel Suraba Willa und seiner Frau Mariana schon sehnlichst erwartet werden. Doch zuvor muss noch ein Bach überquert werden. Es gibt keine Brücke, lediglich ein Baumstamm verbindet die beiden Ufer. Francis überquert sicheren Schrittes den glitschigen Stumpf, stellt die Metallbox mit den Verbandsmaterialien ab und balanciert zurück zu den Schwestern. Sie haben Angst, abzurutschen und ins Wasser zu fallen. Francis spricht ihnen Mut zu. Mit sicherer Hand führt er die beiden zum gegenüberliegenden Ufer.

2014-12-19-DSCF8285Large.jpg Lepraärztin Schwester Veronika mit Krankenpfleger Francis. Beide begleiten Schwester Isabella in den Busch.

"Wir wüssten gar nicht, was wir ohne Francis tun würden", sagt Schwester Isabella. "Hier im Süden gibt es keine Leprakolonien, die Betroffenen bleiben in den Familien", betont sie. Nur die schweren Fälle werden ins Bakhita-Krankenhaus der Diözese gebracht. "Dort versorgen wir sie. Wir haben das Glück, gleich nebenan zu wohnen und können Tag und Nacht für die Kranken da sein", ergänzt Schwester Veronika. "Von dem Geld, das wir von der DAHW bekommen, erhalten sie mindestens eine Mahlzeit pro Tag." Darüber hinaus finanziert das deutsche Hilfswerk die Gehälter von zwölf Mitarbeitern sowie Aus- und Fortbildungen im Gesundheitssektor.

2014-12-19-IMG_0919Large.jpg Besuch bekommen Daniel Suraba Willa und seine Frau Mariana nicht oft. Umso mehr freuen sie sich.

Das Radio erreicht alle

"Die Aufklärungskampagnen gegen Diskriminierung laufen meist über das Radio", sagt Schwester Isabella. Damit erreicht die Botschaft, Menschen mit Lepra nicht auszugrenzen, die Bevölkerung direkt. "Denn viele Angehörige wissen nicht einmal, dass Kranke, die behandelt werden, nicht mehr ansteckend sind." Und das Radio gehört zu den ganz wichtigen Medien in einem Land, in dem die Mehrzahl der Menschen Analphabeten sind. "Hinzu kommt, dass wir unsere Patienten auch draußen in den Dörfern regelmäßig besuchen, sie ermutigen und nachbehandeln", wirft Schwester Veronika ein.

Endlich hat die Gruppe das alte Ehepaar erreicht. Sogleich versammeln sich Kinder und Enkel um die Besucher. Stühle werden herbei getragen und aufgestellt. Die Gäste dürfen sich setzen. Der alte Daniel ist der einzige innerhalb seiner Großfamilie, der noch nie Lepra hatte. Seine Frau und alle seine Kinder sind betroffen. Die Schwestern hören sich die großen und kleinen Probleme an, Francis übersetzt bei Verständigungsschwierigkeiten, und nach der Behandlung von zwei Familienmitgliedern beginnt der lange Weg zurück. Die drei sind zufrieden, denn sie haben wieder ein paar Menschen durch ihren Besuch glücklich machen können.

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Francis verteilt Verbandsmaterial für die offenen Wunden der Leprapatienten.

Trotz der kritischen Situation im ganzen Land verlieren die Menschen nicht ihre Hoffnung. Seit Monaten verhandeln im äthiopischen Addis Abeba die Regierung des Südsudan und die Opposition unter Riek Machar über eine Friedenslösung. Trotz des Ablaufs zahlreicher Ultimaten der internationalen Staatengemeinschaft konnten sich die Konfliktparteien bislang noch nicht auf einen dauerhaften Frieden einigen.

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Die Hoffnung ist das letzte, was die Menschen hier verlieren wollen.

Fotos: Enric Boixadós


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