Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Sabine Ludwig Headshot

Hotspot Belgrad

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

2016-05-19-1463663988-4976264-L1200938Large.JPG
Serbiens Hauptstadt, noch ein Geheimtipp.

Hätte ich das nur schon früher gewusst. Dann wäre ich längst in Serbiens Hauptstadt gewesen. Belgrad ist immer noch ein Geheimtipp. Gut so! Doch die Stadt verdient es wirklich nicht, auf der Bekanntheitsskala einen der untersten Plätze zu belegen. Belgrad hat Potenzial. Und Charme. Das erkennt man an den Hotels und an den vielen Restaurants, die vor allem für Fleischliebhaber das Mekka schlechthin sind. Für Vegetarier oder Veganer wie mich gibt es ein paar wenige Lokale. Dafür sind Internet und kostenlose WiFi-Verbindungen fast überall zu haben! Und Kunst, Kultur und Lifestyle sowieso!

2016-05-19-1463664138-1579396-L1200989Large.JPG
Schwimmende Diskothek an der Save.

Wie alles begann! Meine Reise gründete sich in den Besuch von Lindsay, der Freundin einer Bekannten. Sie hatte ich kürzlich kennengelernt. Die US-Amerikanerin arbeitet als Lehrerin an einer Internationalen Schule und schwärmte mir von Belgrad in den höchsten Tönen vor. Klar, dass ich da hellhörig wurde. Der Flug war schnell gebucht. Endlich hatte ich einen Anlass, Serbiens Hauptstadt kennenzulernen.

Was mir schon am Flughafen auffiel waren die mal mehr, mal weniger gestylten jungen Leute, die übers Wochenende nach Belgrad jetten, in die zurzeit angesagteste Party-Metropole weit und breit. Da ist zum Beispiel Savamala, das neue In-Viertel, wo früher Lagerhallen und Industriegebäude standen. Es liegt direkt am Ufer des Save-Flusses.

2016-05-19-1463664226-5776233-L1200899Large.JPG
Savamala, das momentan angesagteste Viertel Belgrads.

Ein perfekter Abend könnte so aussehen: Nach dem Abendessen im hippen Bar-Restaurant Ambar geht es weiter auf einen oder zwei Drinks in das Bohème-Viertel Skadarlija oder in die Straßencafés rund um den Platz der Republik. Den Rest der Nacht können Sie auf einem Diskotheken-Boot am Zusammenfluss von Donau und Save abfeiern. Zumindest die Jüngeren! Hier gibt es keine Sperrstunde: Getanzt wird die ganze Nacht, zu House, Elektro oder Balkan Brass. Traditionelle Musik zum Zuhören und Mitsingen für die etwas Älteren gibt es in den Lokalen rund um die Skadarlija.

2016-05-19-1463664339-1704437-L1200913Large.JPG
Für die Älteren: Musik zum Mitsingen in der Skadarlija.

Die Stadt lebt in vollen Zügen. Und das fast rund um die Uhr. Doch das war nicht immer so. "In Zeiten des Kommunismus sind die Leute zuhause geblieben, es gab kaum Straßencafés oder Lokale, wo man ausgiebig feiern konnte", sagt Olivera Skoric vom Courtyard Marriott Hotel. "Damals war man mit Familie und Freunden zuhause." Kollegin Dunja Matic kam erst vor ein paar Jahren aus den USA in das Land ihrer Vorfahren. "In Serbien ist das Leben viel entspannter, die Leute haben noch Zeit füreinander, anders als in den USA, wo ich aufgewachsen bin." Den Schritt, nach Serbien zu kommen, bereut sie nicht. "Belgrad ist angesagt", weiß sie. "Sehr sogar!" Die Hauptstädter charakterisiert sie mit folgenden Eigenschaften: Freundlich, hilfsbereit, sprachbegabt und kontaktfreudig. Lindsay findet das zutreffend. "Und es ist sehr sicher hier, besonders für alleinstehende Frauen." In einigen Wochen wird sie einen neuen Job in Japan annehmen und bedauert sogar ein bisschen, Belgrad zu verlassen.

2016-05-19-1463664447-3740135-L1200979Large.JPG
Wahrzeichen der Stadt: Die Kathedrale des Heiligen Sava.

Olivera schwärmt von der Kathedrale des Heiligen Sava, eines der größten orthodoxen Gotteshäuser der Welt. "Unbedingt besuchen!", empfiehlt die Serbin. Die Kuppeln ragen in den Himmel. Man erkennt sie schon von weitem. Der Bau des größten christlichen Gotteshauses der Balkanhalbinsel wurde 1935 begonnen und erst 2009 vollendet. Denn unter den Kommunisten durfte nicht gebaut werden. "Sehenswert ist auch die im byzantinischen Stil erbaute Markuskirche", ergänzt Olivera. Sie liegt eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt im Tasmajdan-Park. "Und natürlich unsere historische Festungsanlage Kalemegdan." Sie liegt am Ende der etwa einen Kilometer langen, denkmalgeschützten Fußgängerzone Knez Mihajlova mit prächtigen Häusern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Geschäfte verkaufen weltweit bekannte Designermode zu stolzen Preisen. Unerschwinglich für die meisten Serben, die im Durchschnitt nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen.

2016-05-19-1463664525-3483194-L1200856Large.JPG
Mitten in der Stadt: Die Burg Kalemegdan.

Authentisch, genau das ist Belgrads Stadtbild: Eine Mischung aus Jugendstilfassaden, sozialistischen Bauten und Balkan-Flair. Fast vergessen ist die Bombardierung durch die NATO im Februar 1999. Zumindest unter den jungen Leuten, die nun für die Zukunft Serbiens verantwortlich sind. Vergeben, aus Fehlern lernen und gemeinsam die Zukunft planen. Politik ist manchmal einfach. Eigentlich.

2016-05-19-1463665354-1118546-L1200961Large.JPG
Belgrads Radio/TV-Station wurde 1999 von der NATO bombardiert. Noch heute steht das Gebäude als Mahnmal unverändert mitten in der Stadt.

Damals war Belgrad ein Kriegsschauplatz, heute ist Party angesagt. Und Kultur. So könnte es doch immer sein. Genügend Beispiele auf der Welt gibt es. Man muss nur bereit sein, anzufangen. Serbiens Hauptstadt ist schon mal ein gutes Vorbild.

2016-05-19-1463664623-7778235-L1200925Large.JPG
Zu empfehlen: Das historische Zemun als Teil von Neu-Belgrad.

Hoteltipp

Courtyard Marriott Belgrade, zentral gelegen am Platz der Republik und neben dem Nationaltheater. Eröffnet im Oktober 2015. Das frühere Möbelhaus ist heute ein 5-Sterne-Hotel, kombiniert aus alten Bauelementen, wie Stahlstrukturen, und neuen Glasfassaden.

2016-05-19-1463664773-3310653-exteriorLarge.jpg

Mit Fitnesscenter und Bar/Restaurant Credo. Auf Wunsch wird das Essen dort auf dem Josper Grill zubereitet. Durch eine hohe Temperatur werden die Lebensmittel gegrillt, ohne sie durchzugaren. Kuchentipp: Weiße Mousse au Chocolat-Torte.
Das Hotel wurde von der nationalen Handelskammer als "sozial verantwortlich" ausgezeichnet: Es unterstützt das SOS Kinderdorf in Serbien.

Die Autorin war Gast im Courtyard Marriott Belgrade. Ihre Meinung ist wie immer ihre eigene.

Tipps für Nachtschwärmer hier!

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: