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Hinter dem Schleier

17/10/2014 10:10 CEST | Aktualisiert 17/12/2014 11:12 CET

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Sie nennen sie das mutigste Mädchen der Welt. Gemeint ist die Pakistanerin Malala Yousafzai. Jetzt hat die 17-Jährige den Friedensnobelpreis bekommen. Die Welt kennt sie, seit ihr die Taliban vor zwei Jahren bei einem Anschlag in ihrem Heimatland Pakistan ins Gesicht schossen. Ihr Ansinnen, das Mädchen auszuschalten, sollte sich als Fehlschlag entpuppen. Malala wurde dadurch in der ganzen Welt bekannt und zur Vorkämpferin für Mädchenrechte in aller Welt.

Ihre Geschichte sorgte international für Erschütterung. Die damals 15-Jährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Obendrein führte sie für die BBC ein vielbeachtetes Blog-Tagebuch über ihren Alltag unter den Islamisten. Damit war ihr Todesurteil gefällt. Die Kugel traf Malala aus nächster Nähe in den Kopf. Doch wie durch ein Wunder kam das mutige Mädchen mit dem Leben davon.

Mädchen und Frauen am Rand der Gesellschaft

Die Ärztinnen Dr. Ruth Pfau und Dr. Chris Schmotzer arbeiten seit vielen Jahrzehnten vor Ort. Sie wissen um die besondere Verwundbarkeit pakistanischer Frauen als Kranke und Hilfsbedürftige. Durch sie erfahren wir immer wieder, wie unverzichtbar ihr Einsatz in Pakistan ist.

Das Land ist gezeichnet von politischem Terror, von Katastrophen und Armut. Viele von uns haben bei dem Gedanken an den islamischen Staat Bilder von schwerbewaffneten Männern und tiefverschleierten Frauen vor Augen.

Arme und kranke Frauen, die nicht in einer reichen Familie leben und die keine Privilegien durch ihre gesellschaftliche Stellung genießen, haben keine Rechte. Maria Hisch, Bildungsreferentin bei der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, war vor Ort.

"Ich habe während meines Besuches in Pakistan schwerkranke Frauen getroffen, die sich über eine Umarmung, über ein paar Worte der Hoffnung unglaublich gefreut haben, die dankbar waren, nach Wochen des Elends endlich in ein Krankenhaus zu dürfen und eine medizinische Behandlung zu bekommen. In den Dörfern habe ich Familien besucht, lernte Frauen kennen, die oft im dunkelsten Raum des Hauses saßen, da die Begegnung mit männlichen Besuchern ein Tabu ist. Mir als deutscher Frau war es möglich, mit Männern und Frauen zu reden und mich relativ frei zu bewegen."

Keine Untersuchung durch Männer

Im Normalfall entscheidet das männliche Familienoberhaupt, ob kranke Frauen zur Behandlung dürfen oder nicht. Ausschließlich zu Ärztinnen oder Krankenschwestern können sie gehen, und die gibt es in Pakistan nur selten. Denn sich von einem Mann untersuchen zu lassen, ist für Frauen in dem patriarchalisch geprägten Land tabu. In diesem Umfeld arbeiten die Lepraärztinnen Dr. Pfau und Dr. Schmotzer, deren Arbeit von dem in Würzburg ansässigen Hilfswerk unterstützt wird. Beide Frauen sind Fachärztinnen für Gynäkologie. Dr. Schmotzer ist außerdem noch auf Tuberkulose spezialisiert und im Norden des Landes tätig.

Samina ist ein Beispiel. Die junge Frau ist dankbar, denn ihr wurde durch die Hilfe der Ärztinnen ein neues Leben ermöglicht. Gezeichnet von schwerer Tuberkulose kam sie ins Krankenhaus. Ihre Situation war fast aussichtslos. Nur eine konsequente Einnahme von Medikamenten konnte ihr Leben retten. Sie entschied sich zu kämpfen.

Ein halbes Jahr verbrachte sie in Behandlung, weg von der Familie und den täglichen Pflichten zuhause. Gewissensbisse hatte sie, denn war es überhaupt für sie als Frau möglich, die Familie im Stich zu lassen, um sich um ihre Gesundheit zu kümmern? "Als es mir besserging, dachte ich mehr und mehr darüber nach, wie ich etwas von der Hilfe zurückgeben könnte", sagt die junge Frau.

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Sie erfuhr, dass Gesundheitshelferinnen dringend gebraucht werden. Nach vollständiger Genesung will sie nun anderen Kranken helfen. Samina macht eine Ausbildung zur Lepratechnikerin. "Das war die beste Entscheidung meines Lebens." Die 20-Jährige lächelt glücklich. Natürlich gab es Widerstände von Seiten der Familie, doch mit Unterstützung der beiden Ärztinnen wurde ihr Wunsch erfüllt.

Es gibt viele junge Frauen in Pakistan, die ähnlich denken wie Malala. Sie haben allerdings keine oder kaum eine Chance, ihre Stimme zu erheben. Umso wichtiger ist jetzt die Anerkennung der jungen Pakistanerin durch den Friedensnobelpreis. Mehr über das neue Buch von Malala und ihr mutiges Engagement hier!

Fotos: DAHW

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