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Erdbeben beeinträchtigt Arbeit einer Würzburger Hilfsorganisation

06/11/2015 12:03 CET | Aktualisiert 06/11/2016 11:12 CET

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Schweres Erdbeben in Afghanistan, Pakistan und in Teilen Nordindiens und Tadschikistans mit Toten und Verletzten. Die von der DAHW (Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.) in Würzburg unterstützte Klinik in Masar-e Sharif im Norden des Landes ist stark beschädigt. "Die Mauern des Gebäudes und Teile der Dächer sind eingestürzt", berichtet Mohammed J. von der Partnerorganisation LEPCO in einer E-Mail. "Zum Glück sind Personal und Patienten wohlauf."

Einige Regionen, in denen die DAHW arbeitet, liegen nahe am Epi-Zentrum. "Schulen stürzten ein und die Stadtzentren von Masar und Kabul sind teilweise betroffen. Es gibt überall kaputte Häuser und zerstörte Geschäfte." Die Furcht vor Nachbeben zum ohnehin schwierigen Alltag sei nun allgegenwärtig.

Seit mehr als 30 Jahren

Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die DAHW schon mit der afghanischen Nichtregierungsorganisation zusammen. LEPCO wurde in den 1980er Jahren von der Lepraärztin Dr. Ruth Pfau gegründet. Es wird heute von einem Konsortium unterstützt, dem neben der DAHW auch Caritas international, Caritas Luxemburg und Misereor/Katholische Zentralstelle für Entwicklungshilfe (KZE) angehören.

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Das Personal der Klinik hat das Erdbeben unverletzt überstanden.

Die Jahrzehnte ausgezeichneter Arbeit haben Spuren hinterlassen. Spuren in der Hauptstadt, im Hazarajat, dem zentralen Hochland, und in Masar-e Sharif im Norden des Landes: Die Zahl der Leprakranken wurde durch den Einsatz von LEPCO merklich reduziert, obwohl der Alltag der Menschen von einem Überlebenskampf geprägt ist, der das Vorstellungsvermögen schlichtweg überschreitet, der ein Kampf gegen Armut, Bomben, marodierende Banden, Entführungen, die Mujaheddin, die Taliban und wie die Gruppen sonst noch alle heißen, ist.

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Trotz allem hat das Gesundheitspersonal von LEPCO die Hoffnung nicht verloren. Es muss besser werden, es kann einfach nur besser werden, irgendwann in naher oder ferner Zukunft. Inschallah. So Gott will. Dafür arbeiten sie, unermüdlich und bestimmt. Obwohl die Gesundheitsversorgung oft nur eingeschränkt bis fast unmöglich ist.

Trotz Krieg und Erdbeben

Auch in den engen Bergtälern des Hazarajat hat LEPCO seine Aufgabe erfüllt: Lepra-Erkrankungen spielen im Alltag der Menschen nur noch eine untergeordnete Rolle, vielmehr sind Tuberkulose und Mangelernährung an der Tagesordnung. Mal mehr, mal weniger. Die Mitarbeiter von LEPCO schaffen es immer wieder, die Versorgung mit Medikamenten und ärztlichen Leistungen aufrecht zu erhalten. Trotz des Krieges, trotz der immer wiederkehrenden Erdbeben, trotz der Toten und Verletzten.

Dieses Engagement wird von dem vor drei Jahren gegründeten Konsortium anerkannt und mit über zwei Millionen Euro für die nächsten drei Jahre unterstützt. Darin enthalten sind DAHW-Spenden, Fördergelder, finanzielle Beteiligungen durch die Partner und regelmäßige Besuche von Ärzten. Das neueste Projekt ist die Einbindung von zwei Zellen für Tuberkulose-Kranke innerhalb des Gefängnisses von Masar-e Sharif.

Einzige Bedingung: Ein deutscher Projektträger muss vor Ort sein. Und das wird von der DAHW garantiert. Und letztere arbeitet eng mit dem afghanischen Gesundheitsministerium zusammen. "Wir wollen die Kooperation weiter verstärken und einen gemeinsamen Ansprechpartner für die Weltgesundheitsorganisation, LEPCO und uns", sagt Ministeriumsdirektor Najibullah Safi. "Die aktive Suche nach Kranken und ihre Diagnose in den Dörfern, vor allem in den ländlichen Regionen durch LEPCO-Mitarbeiter funktioniert sehr gut."

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Momentane Situation sehr schwierig

Neun Gesundheitsstationen, zum Teil in weit entlegenen Gebieten, werden von der DAHW betrieben. Mohammed A., der medizinische Leiter von LEPCO, bedauert, dass zwei davon zurzeit wegen Taliban-Aktivitäten nicht zugänglich sind. Der 53-Jährige beschreibt die momentane Situation als sehr schwierig: "Die Arbeitsbedingungen haben sich erschwert. Die beste Zeit hatten wir nach dem Jahr 2001. Die Taliban waren besiegt und wir konnten unserer Arbeit fast ungestört nachgehen. Ab 2006 hat sich die Lage wieder verschlechtert."

Doch Mohammed J. und Mohammed A. machen weiter, unermüdlich. Der jahrzehntelange Erfolg von LEPCO und die Unterstützung durch die DAHW und die Konsortiumsmitglieder ermutigen sie, ihre Arbeit durchzuführen, bloß nicht aufzugeben. "Nur Gott kann entscheiden, was geschehen wird. Aber er wird uns nicht im Stich lassen. Inschallah!"

Anmerkung: Die Namen der afghanischen Mitarbeiter wurden geändert.

Fotos: Sabine Ludwig

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