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So sehen echte Sieger aus: Das neue "Ich" der Evelyne Leandro

26/06/2015 11:43 CEST | Aktualisiert 26/06/2016 11:12 CEST

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Als sie das Buch endlich in den Händen hielt, rollten ihr Tränen über die Wangen. Ein Traum hatte sich für Evelyne Leandro erfüllt. Schon immer wollte die Brasilianerin ein Buch schreiben. Doch nie hätte sie geglaubt, unter welchen Umständen es für sie letztendlich möglich wurde.

Denn die 33-Jährige hat eine Lepra-Erkrankung hinter sich. Jetzt ist sie geheilt. Zwei Jahre nachdem sie 2010 mit ihrem Mann nach Berlin gezogen war, entdeckte sie die Spuren an ihrem Körper. "Es begann mit Flecken an meinem linken Arm, dem rechten Knie und an der Wade", erinnert sie sich heute. Es folgte eine Odyssee durch Arztpraxen und lange Aufenthalte in Krankenhäusern. Die Erfahrungen ihrer langen Leidenszeit schildert sie nun authentisch und packend bei einer Lesung in der Zentrale der DAHWDeutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. in Würzburg.

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Denn während ihrer Krankheit hat sie Tagebücher geschrieben. 5 Stück. Über ihr Leben und den langen Heilungsprozess, um endlich wieder da anzukommen, wo sie einst war. Nämlich in Berlin, mit dem festen Vorsatz, gut Deutsch zu lernen, eine Arbeit zu finden, und die "perfekte Immigrantin" zu sein, mit Steuernummer und einer regelmäßigen Beschäftigung. Jetzt, vier Jahre später, ist sie auf dem Weg dorthin. Sie spricht hervorragend Deutsch und hat eine Stelle in der Erwachsenenbildung gefunden.

Und vor allem: Evelyne Leandro ist glücklich. Glücklich, weil die Krankheit sie nicht besiegte sondern weil sie die Kraft hatte, sie zu überwinden. Ihr größter Schatz waren dabei ihre Tagebücher. Denn sie wollte nicht über das Elend reden, nein, sie wollte darüber nur schreiben. Und sie wollte sich ein neues "Ich" erschaffen, als Siegerin über eine Krankheit, die so selten ist, dass man sie in Deutschland gar nicht wahrhaben wollte. Und als Autorin.

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Während der letzten Jahre hat sie engen Kontakt zur DAHW gehalten. Die Reise nach Würzburg 2012 war ihre erste innerhalb Deutschlands. Sie erinnert sich, wie sie zum ersten Mal keine Hemmungen hatte, über ihre Krankheit mit den Mitarbeitern der DAHW zu sprechen. Und sie schreibt auch, dass sie sich auf der Rückfahrt nach Hause glücklich fühlte. Es war gut, diesen Kontakt aufzunehmen, sich mit Leuten zu treffen, für die ihre Krankheit nicht das große fremde Etwas ist.

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DAHW-Mitarbeiter Michael Röhm erinnert sich noch genau an die erste Begegnung mit Leandro und an den großen Respekt, den er für diese junge Frau fühlte, die so eine schwere Last zu tragen hatte. Denn damals war sie noch mitten drin in der Behandlung, zwar nicht mehr ansteckend, doch immer noch in einem Zustand zwischen Bangen und Hoffen.

Während ihrer Lesung lacht Evelyne Leandro viel, liest aus den einzelnen Kapiteln und erzählt zwischendurch Anekdoten, die die Zuhörer zum Schmunzeln bringen. Man merkt ihr an, dass sie ihr neues "Ich" gefunden hat: Als Siegerin über die Lepra, als Schriftstellerin und als Frau, die ihren Weg in die Zukunft meistern wird.

Evelyne Leandro: Ausgesetzt, 224 Seiten, 14,95 Euro.

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