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Ebola und kein Ende

05/09/2014 07:29 CEST | Aktualisiert 05/11/2014 11:12 CET

Mittlerweile grassiert das Ebola-Virus in fünf afrikanischen Staaten: Neben dem Kongo sind dies Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria. Insgesamt sind in den vergangenen Monaten nach offiziellen Angaben rund 2.000 Menschen an dem Virus gestorben. Es gibt mehr als 3.000 bestätigte Fälle. Nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation liegt mit rund 12.000 die Dunkelziffer viel höher.

Die noch nicht betroffenen Nachbarländer reagieren mit Vorsichtsmaßnahmen. Aus Furcht vor einer Ausbreitung der Seuche hat die Elfenbeinküste ihre Grenzen zu Guinea und Liberia geschlossen.

Busch-Fleisch auf dem Speisezettel

Leon Zabo lebt in Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste. Er berichtet, dass die Regierung Fluggesellschaften verbietet, Menschen aus Ebola-Gebieten einzufliegen. Weiter darf das vielerorts beliebte "Busch-Fleisch" nicht mehr verzehrt werden, wie beispielsweise Affen, Stachel- und Warzenschweine, Igel, Eichhörnchen und Fledermäuse. Flughunde oder Fledermäuse könnten ein direkter Träger des tödlichen Virus sein. Doch kontrollieren lässt sich die Jagd nicht. Auch Händeschütteln und Umarmungen sind verboten.

Währenddessen mangelt es in den von Ebola betroffenen Gebieten an Personal für die vielen Kranken. Die Helfer bekommen keine Gefahrenzulage. Hinzu kommt, dass sie von der Gesellschaft und sogar von ihren Familien aus Angst vor Ansteckung gemieden werden. Trotz Masken, Schutzbrillen und -anzügen sind seit Ausbruch der Seuche schon über 20 Krankenpfleger und -schwestern gestorben, darunter auch einige Ärzte. Ein falscher Griff genügt: Die hohe Arbeitsbelastung in den oftmals nur provisorisch eingerichteten Krankenstationen könne die Konzentration beim Anlegen der Schutzkleidung so beeinflussen, dass die Helfer sich oft selbst dem Virus ungeschützt aussetzen.

"Alle ankommenden Passagiere müssen auf den Flughäfen ihre Körpertemperatur kontrollieren lassen", sagt Leon Zabo. "Ich selbst habe große Angst, dass die tödliche Epidemie auch unser Land erreichen könnte. Zumal es noch keine erwiesene Heilung gibt", sagt der 51-jährige Familienvater.

Landesgrenzen sind geschlossen

Im Senegal ist die Situation ähnlich. Die Landesgrenzen zum Nachbarland Guinea sind geschlossen. Schiffen und Flugzeugen aus den betroffenen Ländern wird der Zugang ins Land verweigert. Françoise arbeitet für eine internationale Organisation in der Hauptstadt Dakar. Ihren vollständigen Namen möchte sie nicht nennen. "Zu unserer Kultur zählt das Händeschütteln oder eine kurze Umarmung zur Begrüßung. Ich versuche das nun zu vermeiden, obwohl es mir sehr schwerfällt." Wegen der Nähe zu Guinea hat auch sie Angst vor einem Ausbruch der Epidemie. Eine Erkrankung ist im Land bekannt. Ihr Glauben hilft ihr bei der Bewältigung ihrer Ängste. "Gerade in dieser schweren Zeit bete ich viel zu Gott und bitte ihn um ein Wunder, damit wir alle bald zur Normalität zurückkehren können."

Auch Geoffroy Gantoli aus Benin vertraut auf Gott. "Wir hoffen, dass unser Land von Ebola verschont bleibt." Der Agrarexperte ist sich sicher, dass es viele Tote geben würde, da die Bevölkerung auf einen Ausbruch der Seuche nicht vorbereitet ist. "Hinzu kommt, dass die Menschen mit der Gefahr nicht unmittelbar konfrontiert sind und auch keine Ebola-Patienten sehen. Viele glauben nicht, dass von dem Virus eine so große Gefahr ausgeht oder er überhaupt existiert."

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Mehr Aufklärung übers Radio

Jose Marie Koussemou ist leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Heidenheim. Von 1997 bis 2003 hat er in Würzburg Medizin studiert. Auch seine Heimat ist Benin. Regelmäßig besucht der 42-Jährige Familie und Freunde. "Klar habe ich Angst, zurzeit in Westafrika zu sein. Dazu gehört auch mein Land", sagt er. Die Regierung von Benin würde in vielen Bereichen versagen, keine ausreichenden Informationen geben und die Bevölkerung im Unklaren lassen. "Nach wie vor wird auch in Benin Busch-Fleisch konsumiert. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Ebola-Virus dadurch übertragen wird", betont Dr. Koussemou. "Die Menschen werden in absehbarer Zeit ihr Verhalten nicht ändern, weil ihnen die Übertragungswege überhaupt nicht bekannt sind."

Der Arzt, der von 2002 bis 2003 sein praktisches Jahr in der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg gemacht hat, weiß, wie schwer es ist, Menschen zu erreichen, die nicht lesen und schreiben können. Und davon gibt es immer noch sehr viele in Benin. "Am besten ist die Aufklärung über das Radio. Denn das erreicht die Menschen auch in entlegenen Regionen. Ich habe diesen Wunsch gegenüber den Behörden geäußert. Vor allem müssen die Sendungen in allen Lokalsprachen, die es in Benin gibt, gebracht werden."

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Dr. Koussemou selbst hat in seiner Heimat ein Infoblatt zu Ebola herausgegeben. "Es ist in unserer offiziellen Sprache französisch und mein Verein Oredola e. V. verteilt es." Er ergänzt, dass der Verein Oredola in Kooperation mit deutschen Ärzten entstanden ist und Hilfe bei schwierigen medizinischen Eingriffen vor Ort vermittelt. Geplant ist ein Informationstag zu Ebola für die Bevölkerung in Benin, die der Arzt gemeinsam mit Kollegen vor Ort veranstalten will.

Nachrichten aus dem Nachbarland Nigeria werden auch die beninischen Gesundheitsbehörden aufrütteln und in höchste Alarmbereitschaft versetzen: Mittlerweile gibt es dort Infizierte und erste Tote. Auch hier liegen die Probleme ähnlich wie in den anderen Staaten Westafrikas. Informationen über die Krankheit erreichen längst nicht alle Bevölkerungsschichten. In der Hauptsache werden sie über Radio, Fernsehen oder Plakate weitergegeben. Klar im Vorteil liegt die städtische Bevölkerung, die Zugang zu allen Medien hat, während viele Dorfbewohner mangels medialer Versorgung von jeglicher Information ausgeschlossen sind.

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