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Was ist eigentlich mit Ebola? Eine Bestandsaufnahme

17/01/2015 12:42 CET | Aktualisiert 19/03/2015 10:12 CET

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Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen lassen Ebola in den Hintergrund rücken. In den drei am stärksten betroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sind im vergangenen Jahr 20.206 erkrankte Menschen registriert worden. Von diesen sind 7.905, rund 39 Prozent, an der Erkrankung gestorben. Damit hat dieser Ausbruch schon das 8-Fache aller vorherigen Ausbrüche erreicht. Die Gefahr, die durch diese Epidemie ausgeht, ist noch lange nicht gebannt.

2015-01-16-Dr.Dr.BellingeraufdemWegindenOpLarge.JPG Tropenmediziner Dr. Oswald Bellinger

Tropenmediziner Oswald Bellinger ist sich der Gefahr einer Verharmlosung der Seuche bewusst. Das Ausmaß der Katastrophe für diese Länder wird deutlich, wenn man die Zahlen in Relation zur Gesamtbevölkerung betrachtet: 25 Erkrankte (16 Tote)/ 100.000 in Guinea, 203 Erkrankte (86 Tote)/ 100.000 in Liberia und 164 Erkrankte (48 Tote)/100.000 in Sierra Leone. „Das wären 21.000 bis 172.000 Erkrankte und 13.500 bis 72.240 Tote in Deutschland", vergleicht der medizinische Berater der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, einem in Würzburg ansässigen Hilfswerk.

"Leider wirkt sich das negativ auf die allgemeine medizinische Versorgung der Patienten mit anderen Krankheiten aus, da durch Ebola teilweise die gesamte medizinische Infrastruktur zusammengebrochen ist. Immer mehr Menschen sterben daher an Malaria, Tuberkulose oder unbehandelten Infektionen."

Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie

Bezüglich der Maßnahmen zur Eindämmung sind bis zum Jahresende unterschiedlich große Fortschritte gemacht worden. Erfreulich ist, dass in allen drei Ländern die Laborkapazitäten in ausreichendem Maße geschaffen wurden, um innerhalb von 24 Stunden auf Ebola reagieren zu können.

Außerdem scheinen in allen drei Ländern mehr als 90 Prozent aller Kontaktpersonen registriert und überwacht zu werden und circa 90 Prozent der geplanten, so genannten Bestattungsteams aufgestellt zu sein, um sichere und kulturell anerkannte Bestattungen von Verstorbenen durchzuführen. Außerdem infizierte sich das Gesundheitspersonal gegen Jahresende 2014 nur noch in Einzelfällen.

Allerdings stehen auch zum Jahreswechsel in allen drei Ländern nur ein Viertel aller Isolationsbetten und nur ein Drittel (Liberia und Guinea) bzw. die Hälfte (Sierra Leone) aller geplanten Behandlungsbetten zur Verfügung. Verschlimmert wird die Versorgungssituation dadurch, dass die geographische Verteilung der Neuerkrankten nicht der Verteilung der Behandlungsbetten entspricht.

Die Entwicklung der Ebola-Epidemie in den drei Ländern zum Jahresende ist trotzdem sehr unterschiedlich.

In Guinea, dem Land, in dem die Epidemie ihren Ursprung hatte, sich aber im vergangenen Sommer nicht so stark wie in den anderen beiden Ländern ausbreitete, verändert sich die Zahl der Neu-Erkrankten seit Monaten kaum und liegt bei rund 100 pro Woche (davon 20 bis 25 Prozent in der Hauptstadt Conakry).

2015-01-16-Dr.Dr.BellingerbeiderMedikamentenkontrolleGesundheitspostenSdindien2Large.JPG Dr. Bellinger bei einem Projektbesuch.

In Liberia, haben die gemeldeten Fälle von Ebola deutlich abgenommen. Waren es 300 Neuerkrankte pro Woche im vergangenen August und September, so werden nun nur noch 30 neue Fälle pro Woche registriert, davon zwei Drittel in der Region Montserrada mit der Hauptstadt Monrovia. Im Nimba-Distrikt, in dem das von der DAHW betreute Ganta-Lepra- und Tuberkulosecenter liegt, wurden zum Ende des Jahres keine Neuerkrankungen registriert.

Mehr Aufklärung durch lokale Persönlichkeiten

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Sierra Leone ist das zurzeit am stärksten betroffene Land. Hier werden immer noch etwa 300 neue Patienten pro Woche gemeldet, wobei ein größerer Teil in der Hauptstadt Freetown auftritt.

"Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, denen wir allen einen Online-Ebola-Kurs des Missionsärztlichen Institutes in Würzburg anboten, sind weit davon entfernt, ihre reguläre Lepra und Tuberkulosearbeit wieder aufzunehmen", ergänzt Bellinger.

"Die Aufklärung der Bevölkerung und das Engagement in der Gemeinschaft spielen offenbar eine große Rolle, sind aber weiterhin schwierig umzusetzen. So wurden Mitte Dezember Aufklärungsteams in Guinea und in Sierra Leone behindert oder sogar bedroht.

Aus Liberia wurden keine Zwischenfälle gemeldet. Es gibt inzwischen Nichtregierungsorganisationen, die in den drei Ländern Kampagnen unterschiedlichster Art gestartet haben, um Ängste, Missverständnisse und Aberglauben abzubauen", betont der Frankfurter.

Zu hoffen bleibt, dass mit dem Rückgang des öffentlichen Interesses nicht auch internationale Hilfsmaßnahmen reduziert werden. Die Zahlen zeigen, dass die derzeitigen Maßnahmen in Guinea und insbesondere in Sierra Leone nicht ausreichen, um die Ebola-Epidemie einzudämmen. In Liberia müssen die bisherigen Anstrengungen fortgesetzt werden, um die Epidemie vollends zu kontrollieren.

"Ein wesentlicher Aspekt neben der Verbesserung der Versorgungssituation wird sein, lokale Persönlichkeiten für die Aufklärung und die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort zu gewinnen", sagt der Familienvater.

"Die DAHW hat in Liberia und Sierra Leone, zwei von den betroffenen Ländern, Projekte, die durch den Ausbruch der Epidemie stark beeinflusst werden. Die Gesundheitsversorgung vor Ort ist zusammengebrochen. Wir versuchen verstärkt, unsere eigenen Mitarbeiter zu schützen und dementsprechende Maßnahmen sowie Trainingsangebote zu vermitteln."

Fotos: Archiv Dr. Oswald Bellinger/DAHW, Dr. Eva-Maria Schwienhorst/DAHW

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