BLOG

Die zerstörten Buddha-Statuen von Bamyan

09/01/2016 16:28 CET | Aktualisiert 09/01/2017 11:12 CET

2016-01-05-1451980815-1770937-PICT0542Large.JPG

Einer der Höhepunkte meiner Afghanistan-Reise vor einigen Wochen war die Besichtigung der zerstörten Buddha-Statuen von Bamyan. Ich konnte mir unschwer vorstellen, wie prachtvoll sie einst gewesen waren. Hergekommen war ich mit einer alten, klapprigen Antonow, einem russischen Passagierflugzeug. Von Kabul aus dauerte der Flug nur eine Stunde.

2016-01-05-1451980857-6210950-PICT0486Large.JPG

Ich hätte auch die Straße nehmen können, aber davon wurde mir dringend abgeraten, denn die werde von den Taliban kontrolliert. Nicht einmal Einheimische trauen sich zurzeit mit dem Bus oder mit dem Auto anzureisen. So bleibt die Kulturstätte für viele ein No Go, und ich war in der Tat die einzige Besucherin vor Ort. Mit viel Mühen, Zeit und Geduld ist von Zeit zu Zeit ein japanisches Restaurierungsteam vor Ort, um den Statuen ihr neues altes Gesicht zurückzugeben.

2016-01-05-1451980918-176654-PICT0530Large.JPG

2016-01-05-1451980955-9847779-PICT0546Large.JPG

Aber: Nein, ich würde niemanden raten, nach Bamyan zu reisen. Und auch nicht nach Afghanistan. Der Umstand, als Reporterin vor Ort zu arbeiten zu können, führte mich in das Krisengebiet.

2016-01-05-1451981014-7413157-PICT0547Large.JPG

Einschusslöcher.

Wie alles war

Februar 2001. Früher wie heute herrscht Krieg in Afghanistan. Doch die Tage von damals werden sich für immer in unser Gedächtnis brennen. Es sind die Tage, an denen die Taliban ihre Drohung wahrmachen und die berühmten Buddhastatuen im 2.500 Meter hoch gelegenen Tal von Bamyan in Zentral-Afghanistan sprengen.

2016-01-05-1451981114-3716021-PICT0533Large.JPG

Für die Zerstörung des großen Buddha brauchten sie Dutzende von Explosionen, dann war auch von ihm nur noch ein Steinhaufen übrig. Wieder mal hatte es Afghanistan in die internationalen Schlagzeilen geschafft. Kurz vorher hatte sich noch die UN-Vollversammlung getroffen und der deutsche UN-Botschafter Dieter Kastrup kritisierte die beabsichtigte Zerstörung jahrhundertealter kultureller Monumente als "barbarischen Akt religiöser Intoleranz". Doch alle Appelle nützten nichts. Die Taliban wüteten länger als zwei Wochen bis von der Kulturstätte nichts mehr übrig war. Am 12. März 2001 bestätigen die Vereinten Nationen die Zerstörung der rund 1.500 Jahre alten Steinfiguren aus vorislamischer Zeit.

2016-01-05-1451981165-8288532-PICT0545Large.JPG

Warum? Für die Taliban waren die Buddha-Statuen bloße Kultgegenstände, die gegen das islamische Bilderverbot verstießen. Auch dann, als sie längst nicht mehr religiös verehrt wurden. Die Statuen würden den islamischen Charakter Afghanistans beschämen und müssten deshalb dem Erdboden gleichgemacht werden - entgegen der zuvor über Jahrhunderte vorherrschenden Interpretation. Die neuen Machthaber vernichteten daher nicht nur die Buddha-Statuen, sondern auch wertvolle Exponate im Nationalmuseum in Kabul.

2016-01-05-1451981205-2241689-PICT0552Large.JPG

Die steinernen Riesen, 53 und 35 Meter hoch, wurden im sechsten Jahrhundert von buddhistischen Mönchen aus dem Fels geschlagen. Die Nischenwände wurden wie die beiden Buddhas reich bemalt. Bamyan war damals ein Handels- und Pilgerort an der antiken Seidenstraße - geprägt durch die hellenistische Kultur, einem Erbe des Alexanderreiches, und durch die buddhistische Religion, eingeführt von Missionaren aus Indien. Der Islam kam erst ab etwa 1000 nach Christus in die Region.

2016-01-05-1451981242-385567-PICT0551Large.JPG

2016-01-05-1451981275-9807159-PICT0538Large.JPG

Mehr zu Afghanistan hier!

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino