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Die Hölle von Dubrovnik

25/12/2015 12:43 CET | Aktualisiert 25/12/2016 11:12 CET

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Sie kamen bei Nacht. 50 bewaffnete Polizisten stürmten das private Tierheim von Zarkovica in Dubrovnik und nahmen über 75 Hunde in Gewahrsam. Eine entsprechende Gerichtsverfügung hatten sie nicht. Die Tierheimleiterin wurde inhaftiert. Wie sich jetzt herausstellte, wurden die Hunde auf Tötungsstationen im ganzen Land verteilt, zum Beispiel nach Pakrac, Pula and Split. Einige von ihnen waren bereits vermittelt. Das geschah am 21. Dezember 2015.

Augenzeugenbericht einer Helferin:

„Es waren die 48 schrecklichsten Stunden meines Lebens. Ich war dabei, als die Beamten und die Tierfänger die Hunde mitnahmen. Sandra, die Tierheimleiterin, hatten sie bereits verhaftet. Die Hunde waren so verängstigt und in Panik als die Hundfänger sie mit Drahtschlingen, die ihnen die Luft abschnürten, wegbrachten. Es sind vor allem Hunde, die an Menschen gewöhnt sind.

Sie liefen geradewegs auf die Fänger zu, wollten nur gestreichelt werden, doch sie packten sie mit voller Härte. Die Schreie der Tiere werden mir für immer im Gedächtnis bleiben. Ich konnte nichts für sie tun. Die, die am freundlichsten waren und am meisten Vertrauen zu Menschen hatten, sie alle wurden mitgenommen. Sandra kam am nächsten Tag zurück.

Einige Hunde waren in Panik weggelaufen, andere vermissen wir immer noch. Wir weinten. Dann wurde uns gesagt, die Hunde werden zurückgebracht, doch nichts ist geschehen. Das sind Lügen. Wir gehören zur Europäischen Union, das kann doch nicht sein. Bittet betet für diese Tiere. Die Welt muss davon erfahren."

Die Tierschützer in Dubrovnik sind verzweifelt und protestieren vor dem Rathaus. Vor zwei Tagen wurde zugesagt, die Tiere zurückzubringen. Das ist bis jetzt nicht geschehen. "Wir sind es leid, leere Versprechungen zu hören. Wie oft hieß es schon, uns beim Bau des Tierheims zu unterstützen. Wir glauben sie erst, wenn die Tiere zurück sind und das ist bis jetzt nicht geschehen", sagt Tierschützerin Jasmina M.

Vorgestern dann das Dementi: Die Hunde werden nicht zurück gebracht. Maja K. ist Anwältin in Slowenien und gehört zu den Unterstützern. Sie hat bereits erste rechtliche Schritte eingelegt. "Ich kenne die Tötungsstation von Pakrac, weil zwei meiner Hunde von dort sind. Die Bedingungen für die Tiere vor Ort sind furchtbar." Maja's Welpen waren vollkommen traumatisiert. "Es geht nun darum, die Tiere so schnell wie möglich herauszuholen."

Tierschützer in Pakrac versuchten, die Hunde über Adoptionspapiere zu bekommen. "Die Tiere bleiben", lautet es offiziell. "Wir brauchen internationale Unterstützung. Sehr dringend. Touristen müssen erfahren, was vor sich geht. Das ist der einzige Weg, die Behörden zum Umdenken zu bringen", sagt Maja K. "In Slowenien haben schon mehrere Reisebüros ihre Reiseangebot für Kroatien aus dem Programm genommen. Wir geben nicht auf, bis alle Hunde wieder in Zarkovica sind."

Die Aussichten sind nicht gut. Weihnachtsfreude wird es für die Tierschützer nicht geben. Ihnen bleiben Bangen, Hoffen und Warten. Dass es den Tieren dort, wo sie jetzt sind, sehr schlecht geht, liegt auf der Hand. "Besonders die Welpen haben keine Chance, zu überleben", sagt die Anwältin. Die Urlaubsidylle von Dubrovnik hat Risse bekommen.

Hier zur Petition.

E-Mail Stadtverwaltung Dubrovnik: mayor@dubrovnik.hr

Anmerkung: Vor zwei Jahren hat die Massentötung von rumänischen Straßenhunden weltweit Aufsehen erregt. Tausende von Tierschützern sind auf die Straße gegangen. Die Situation in Kroatien ist nun ähnlich.

Foto: Tierschützer Zarkovica.

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