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"Armut. Krankheit. Stigma." Eine Ausstellung.

18/07/2015 12:14 CEST | Aktualisiert 18/07/2016 11:12 CEST

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Es sind Bilder von vier Fotografen, die normalerweise in Ländern arbeiten, die nicht zu den typischen Urlaubsregionen gehören. Im Fokus stehen Menschen, die durch Armut, Krankheit und Stigma gezeichnet sind. Menschen, die dennoch Würde ausstrahlen, auch wenn ihre Lebenserwartung geringer ist als von jenen, die ein funktionierendes Sozialsystem nutzen können.

Rolf Bauerdick, Enric Boixadós, Fabian Fiechter und Bernd Hartung haben die Arbeit der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. in ihren Projektländern dokumentiert. Ihre Fotografien stimmen nachdenklich. Sie berühren.

DAHW-Fotoausstellung "Armut. Krankheit. Stigma."

Trotzdem - es sind keine Bilder, die betroffen machen, sondern vielmehr Nähe vermitteln, und den ganz besonderen Reiz, sich auf jede einzelne Geschichte, die dahinter steht, einzulassen. Denn jedes Foto erzählt etwas, eine ganz persönliche Story.

Eine, die niemandem sonst gehört. Die Protagonisten wenden sich nicht ab, aus Scham, aus Angst, nein, sie möchten zeigen, was mit ihnen geschehen ist und wie es ihnen ergangen ist. Kriegsgebiete und Krisenregionen sind für die meisten Reisenden ein Tabu, doch genau hier warten Menschen, die auch einmal in den Fokus rücken wollen, mit durchaus positiven Erzählungen, die Mut machen und zeigen, dass auch scheinbar Unmögliches ermöglicht werden kann.

Die DAHW und ihre Arbeit stehen für diese Menschen. Dabei werden reelle Impressionen aus den Projektländern der DAHW und der Lebenssituation Erkrankter vor Ort vermittelt - ungeschönt, aber positiv zugewandt und immer würdevoll.

Shankaramma aus Indien kann nur mit Mühe ihren Sari anlegen. Die deformierten Hände ziehen an einem Stück Stoff, das sie sorgfältig um ihren Kopf legt. Die alte Frau weiß um die Mühen, die ihren Tag prägen und die Langsamkeit ihres Tuns in all ihren Facetten. Doch gerade diese Berührung des Tuches, die aufrechte Haltung vermittelt der Trägerin etwas, das man als Anmut bezeichnen will.

Der kleine Vicent wartet in einem ugandischen Krankenhaus auf seine Behandlung. Sein Gesicht ist von Lepra gezeichnet. Er weiß es und auch, dass deshalb seine Schulfreunde nicht mehr mit ihm Fußball spielen wollen. Es ist nur ein Augenblick, als Motiv festgehalten, der Bände spricht. Er lässt den Betrachter zurück, fast mit der Bitte, dieses Bild zu interpretieren, darüber nachzudenken.

Zwei Hände blättern in einer Zeitung. Beide sind von Lepra gezeichnet. Die Person hinter dem Bild war früher ein anerkannter Gewerkschaftssekretär. Die Krankheit hat sein Leben verändert. In seiner Heimat findet er, obwohl geheilt, keine Bleibe mehr. So ist er seither für die Herausgabe der Schlüssel im Krankenhaus verantwortlich.

"Es ist wichtig, die Arbeit der DAHW zu den Menschen zu bringen und sie im öffentlichen Raum zu zeigen. Genauso wie es wichtig ist, in Ländern wie beispielsweise Indien die üblichen Pfade zu verlassen und sehenden Auges alle Lebenswirklichkeiten zu erfassen. Solche Bilder, wie die hier gezeigten, vergisst man nicht", betonte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt bei der Ausstellungseröffnung.

"Wir möchten Ihnen die Menschen in ihrer Ganzheit und damit auch unsere Arbeit mit diesen Bildern näher bringen", sagte DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg. "Jeder Fotograf hat eine hohe Sensibilität und fachliche Kompetenz bewiesen. So sehen wir Menschen, die an Lepra oder Tuberkulose leiden, trotz ihres Stigmas in all ihrer Würde."

54 großformatige Bilder sind es, die den Betrachter anziehen und nur schwer wieder loslassen und ihn unvermittelt in eine andere Gegend versetzen. Hier geht es vor allem darum, die Welt zu entdecken, die so ganz anders ist als die, die man kennt. Und ein wenig auch die Menschen kennenzulernen, die anderswo und unter ganz anderen Bedingungen leben. Nicht schlechter, nicht besser, sondern anders.

Die Fotoausstellung der DAHW "Armut. Krankheit. Stigma" ist noch bis 29. Juli 2015 im Oberen Foyer des Würzburger Rathauses zu sehen. Öffnungszeiten von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 14 Uhr.

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