BLOG

Als Urlaubs-Ranger in Südafrika

09/12/2016 11:34 CET | Aktualisiert 10/12/2017 11:12 CET

2016-12-09-1481277934-7058803-PICT0249Large.JPG

"Ich bin traurig. Ich glaube nicht, dass mein Kind in zehn Jahren noch ein Nashorn in freier Wildbahn sehen kann. Daran zu denken bricht mir das Herz. (Ranger Brendon Strydom, Südafrika)

Wildtiere aus nächster Nähe erleben, Lagerfeuerromantik und ein gutes Gefühl, das bleibt

2016-12-09-1481278204-5784316-PICT0245Large.JPG

Es ist halb sieben Uhr morgens und es tutet. Wie auf einem Schiff. Ein leichtes Blinzeln durch den halboffenen Zelteingang bringt die Realität des südafrikanischen Buschs zurück. Da, noch einmal: Brendons Kudu-Horn ertönt erneut. Für alle, die noch mal eingeschlafen sind, und für die, die die Eindrücke des Vortages schlichtweg überwältigt haben. Also für die Ranger auf Zeit, versteht sich.

2016-12-09-1481278261-7273031-PICT0089Large.JPG

Christiane hat lange nach einem Einsatz im Artenschutz gesucht.

Diejenigen, die im Dienst des Artenschutzes und der Natur wegen hier sind. So wie Christiane. Die Berlinerin hat lange nach einer Reise mit sozialem Engagement gesucht. "Die meisten Freiwilligenprogramme sind für junge Leute unter 26 Jahre. Und alle anderen kosten richtig viel Geld." So kam die Berlinerin auf das Gondwana Eco Camp. Denn hier kann man mit anpacken, die Wildhüter auf ihrer täglichen Tour in die Wildnis begleiten. "Tiere zählen und beobachten, ihre Wanderungen feststellen, ihr Verhalten dokumentieren und weitergeben. Also die Ranger begleiten und mitarbeiten", fasst es Sandra Claassen von Elela Africa zusammen. Sie hat das Programm für Naturliebhaber, gestresste Manager und Familien gegründet. "Hier kann jeder mit anpacken und dabei den Tieren ganz nah sein, auch die Kleinsten", sagt die geborene Hessin.

2016-12-09-1481278342-6845065-IMG_7999Large.jpg

Elela Africa-Gründerin Sandra Claassen

Nach einem gemeinsamen Frühstück in der gemütlichen Lodge klettern alle in den Landrover. Brendon Strydom steuert das schwere Gefährt entlang der Schotterpisten des Reservates. In der Ferne sind die ersten Zebras zu sehen. Die müssen gezählt und vermerkt werden. Auch die Koordinaten sind wichtig, um ihre Bewegungen zu analysieren.

2016-12-09-1481278418-9982358-PICT0143Large.JPG

Zwei Breitmaulnashörner liegen faul im Gras. Der Südafrikaner fährt ganz dicht an sie ran. "Die waren die ganze Nacht unterwegs und haben gefressen. Gut.", sagt der Südafrikaner, der mit Leidenschaft Ranger ist. Beide Tiere, wie auch Löwen oder Zebras, tragen Chips, mit denen man sie immer lokalisieren kann. "Wir beobachten die Tiere jeden Tag", sagt er. Überall im Park sind Wildhüter unterwegs, besonders in der Nähe der Nashörner und Elefanten. "Ein Kilo Horn bringt auf dem asiatischen Markt 50.000 Euro." Die als Aphrodisiakum begehrten Produkte sind vor allem bei den Chinesen und Vietnamesen beliebt.

2016-12-09-1481278508-428240-IMG_6726Large.jpg

2016-12-09-1481278538-386819-IMG_6720Large.jpg

"Diese Tiere wird es bald nicht mehr geben. Es ist organisierte Wilderei. Der, der das Tier erschießt, bekommt am wenigsten, umgerechnet etwa 200 Euro." Der Wildhüter erklärt, dass dann alles sehr schnell geht. Nach dem Töten des Tieres wird ihm das wertvolle Horn abgetrennt und umgehend außer Landes gebracht. "Wir sind fast machtlos, obwohl wir die Tiere direkt beschützen. Denn auf die Wilderer können wir nicht so einfach schießen, das wird in Südafrika als versuchter Mord angesehen." Den Rangern sind somit die Hände gebunden, manchmal können sie nur tatenlos zusehen. Und die Strafe, die Wilderer bekommen, ist nicht sehr hoch.

2016-12-09-1481278577-9401160-PICT0223Large.JPG

Artenschutz ganz praktisch. Sandra Claassen auf dem Fest der Deutschen Schule in Kapstadt.

Daher werden im Gondwana Reservat auch ganze Schulklassen unterrichtet. Die Kleinen sehen die Tiere oft zum ersten Mal und sind begeistert. "Damit sie lernen, ihre Umwelt zu schützen", sagt Sandra Claassen. "Tierarten wie Nashörner wird es bald nicht mehr in freier Wildbahn geben." Die 44-Jährige ist immer dabei, wenn es um Artenschutz geht, zum Beispiel bei einem Fest der Deutschen Schule in Kapstadt.

2016-12-09-1481278662-6703298-IMG_6958Large.jpg

Zum Mittagessen kommen Wildhüter und Touristen zurück ins Camp. Am Spätnachmittag beginnt die zweite Tour. Diesmal wird eine Elefantenherde aufgespürt. Auch hier geht es ganz nah ran. Koordinaten werden ausgetauscht und aufgeschrieben. Anhand der Exkremente lässt sich erkennen, welche Pflanzen gefressen wurden. Plötzlich macht ein Bulle mit zwei riesigen Stoßzähnen kehrt und kommt direkt auf den Landrover der Eco-Ranger zu. Zwei Meter davor bleibt er stehen.

2016-12-09-1481278702-4414516-IMG_6791Large.jpg

Brendon startet den Wagen und fährt ein Stück zurück. Das ist alles, was der Elefant will. Hier beginnt sein Reich, und das macht er den Besuchern mit dieser Geste unmissverständlich klar. Dann trottet der graue Riese von dannen. "Es ist nicht schwer, zu verstehen, was Elefanten mitteilen wollen", sagt der 32-Jährige. Die kurze Anspannung steht den Gästen noch im Gesicht geschrieben. Weiter geht es zu den Löwen, die erstmal mittels Satellitenfunk und Antenne lokalisiert werden müssen.

2016-12-09-1481278753-7973895-IMG_7350Large.jpg

Und schließlich das Eintauchen in einen roten Sonnenuntergang. Die Savanne liegt vor uns inmitten eines milden glühenden Lichtes. Zurück im Camp duschen und auf der Terrasse des Zeltes einen späten Sundowner genießen. Wir warten auf den Sound des Kudo-Horns. Zwei lang gezogene Töne kündigen das Abendessen an. Und danach sitzen Gäste und Ranger zusammen am Lagerfeuer, bei einem kühlen Bier, einem südafrikanischem Wein oder einem Buschtee, je nach Gusto.

2016-12-09-1481278812-8651617-IMG_7357Large.jpg

2016-12-09-1481278843-160584-PICT0146Large.JPG

Und gemeinsam erinnert man sich an die Begegnungen des Tages: An die zwei schläfrigen Nashörner, die sich der Gefahr, der sie täglich ausgesetzt sind, niemals bewusst werden, an den Elefantenbullen mit den zwei riesigen Stoßzähnen und seine unmissverständliche Warnung und an die zwei Löwinnen und ihre Jungen, die unbeschwert durch den Busch tollen. Und die Ranger auf Zeit nehmen das gute Gefühl mit in ihre Zelte, ein Stückweit zu ihrer Rettung beigetragen zu haben.

2016-12-09-1481278883-6180820-IMG_7313Large.jpg

2016-12-09-1481278911-2202130-IMG_7293Large.jpg

www.elelaafrica.com

Fotos: Enric Boixadós

Zum Ranger-Tagebuch hier!

Die Reise wurde von Elela Africa unterstützt. Meine Meinung ist wie immer meine eigene.

2016-12-09-1481279566-5897804-IMG_7335Large.jpg

Sponsored by Trentino