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Mein Kind hatte heute einen richtig miesen Tag - na und?

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SAD KID
BrianAJackson via Getty Images
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An manchen Tagen denke ich, meinen eigenen Ansprüche wieder nicht gerecht geworden zu sein. Abends sitze ich mit meinem Mann auf der Couch und bespreche den Tag. Das Kind war mehr als unausgeglichen, weinte viel und war im Grunde nicht Fisch und nicht Fleisch. Ich verfluche diese Tage und suche verzweifelt nach dem Grund für sein Verhalten. Wieso wird alles bejammert und nur geschimpft?

Letztlich kommen ich zu meinem Verhalten und stelle es in Frage. War ich der Auslöser? Zeigte ich zu wenig Aufmerksamkeit oder hörte nur bedingt zu? Hätte ich den Staubsauger nicht in der Ecke stehen lassen könne, um eine weitere Runde mit ihm zu spielen? Fragen über Fragen, die am Ende zu keiner Antwort führen.

Meist kommen mein Mann und ich zu dem Schluss, dass es schlichtweg das Leben ist. Kinder sind nicht nur rosa-plüschig, sondern auch verdammt anstrengend. Die einen mehr, die anderen weniger. Wir haben ein wohl ein forderndes Exemplar, das gerne seine Gefühle widerspiegelt. Mich quält nur die Frage, wie ich damit umgehen soll bzw. es muss.

Kann ich auch weniger Mutter sein?

Damit meine ich nicht, dass Muttersein an sich, sondern meinen eigenen Anspruch an die Mutterschaft. Ist weniger vielleicht mehr? Schließlich bin ich auch nur ein Mensch, der gute und schlechte Tage hat. Außerhalb der Mutterrolle gehe ich doch auch differenziert mit dem Verhalten Anderer um und nehme nicht jede Laune hin. Entweder verlasse ich die Situation oder gehe in die Offensive.

Warum sollte ich das bei meinem Kind nicht auch tun? Einfach annehmen, dass er nicht jeden Tag rosarot durchlebt und ich für meinen Teil das nicht mittragen muss. Einfach offen aussprechen, dass Mama jetzt müde ist, sein Verhalten nicht schön findet und heute ebenfalls einen miesen Tag hat. Ich kann nicht für alles verantwortlich sein.

Mein Kind begleiten und herausfinden, wo der Schuh drück und eine Lösung anbieten, gehört zu meinen Aufgaben. Das es dann auch gelingt, kann ich nicht garantieren. Ich werde es nicht verhindern können, dass er mit dem falschen Fuß aufsteht und schlichtweg alles doof findet. Solche Tage habe ich auch. Dann kann es mir niemand recht machen.

Alles, was ich anpacke, geht vermeintlich schief. Warum sollen Kinder diese Tage nicht ebenso haben dürfen? Die Frage ist nur, ob ich sie wirklich immer mittragen muss? Ich sage Nein!

Annehmen, was ich nicht ändern kann

Mein Energiehaushalt hat Grenzen. Er regeneriert selten schnell. Ergo muss ich damit haushalten und ihn gezielt nutzen. Nicht jede Last der Welt kann auf meinen mütterlichen Schultern ruhen. Wir Mütter müssen nicht jeden Morgen die perfekten Brote schmieren und im Tiermotiv servieren, nur damit das wertvolle Calcium aus dem Käse aufgesogen wird.

Mir ist noch nicht zu Ohren gekommen, dass in unserem Land Kinder reihenweise an Vitamin- und Mineralienmangel leiden, obwohl ein Großteil von ihnen Gemüse und Co. für bäh erklärt. Dann ist der Junge halt eine trockene Scheibe Brot und pickt jede Möhre aus dem Essen. Mehr als anbieten, kann ich es nicht.

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Am Ende bin ich vollkommen erschöpft und mit den Nerven am Ende. Und das wegen einer Möhre? Nein danke. Manche Dinge sind wie sie sind. Heute sind Möhren doof und morgen kann ich nicht genug davon heranschaffen. Ich muss lernen, loszulassen. Mehr Gelassenheit in unseren Alltag bringen und mir nicht jede Gefühlslage anzueignen.

Wir Mütter sollten unser Bestes geben. Keine Frage. Aber um jeden Preis? Bitte nicht. Auch wir sind nur Menschen, mit Fehlern und Schwächen. Das finde ich gut und wichtig. Kinder sollten doch auch lernen, dass Menschen schwach sein dürfen. Seine Schwächen erkennen, zeugt ebenfalls von Stärke.

Daran wachsen wir, können reflektieren und neu beginnen. Mütter müssen täglich perfekt gestylt aus dem Haus treten, nur um zu beweisen, dass sie noch Frau sind? Wir müssen nicht bis zum Umfallen arbeiten, nur um mehr als Mutter zu sein. Mütter sollten auf keinem Podest stehen müssen, das für die anderen nie hoch genug sein kann!

Ich möchte, dass mein Kind seine Mutter mit all ihren Facetten kennt. Eine Mutter, die sich auch traut, zu sagen, dass sie jetzt ein paar Minuten für sich braucht, um anschließend wieder fit zu sein. Ich bin Mutter, auch wenn ich es mal weniger bin.

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