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Gemeinsam voran statt einsam steckenbleiben - warum Frauen vor allem dann erfolgreich im Job sind, wenn sie sich verknüpfen

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Tempura via Getty Images
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50 Prozent aller Jobs werden über Kontakte vergeben, so das Businessnetzportal XING, das rund ein Drittel weibliche Mitglieder zählt. Und obwohl Frauen eigentlich geborene Netzwerkerinnen sind, nutzen sie diese Fähigkeit im Job nur unzureichend.

Während sie privat in Familie und Partnerschaft federführend darin sind, Kontakte zu initiieren und zu pflegen, bleiben sie dem gemeinsamen Feierabendbier mit Kollegen zugunsten privater Interessen öfter fern. Statt eine branchenspezifische Veranstaltung zu besuchen, geben sie eher persönlichen Anliegen den Vorzug.

Was sie dabei unterschätzen: Jede beruflich orientierte Kontaktpflege, jedes Zusammentreffen mit Kollegen, Mitbewerbern oder möglichen Mentoren ist eine Gutschrift auf dem Karrierekonto.

Wer weiß, wozu dieser Kontakt noch dienen kann? Während Männer ihre Kontakte aus dem Studium oder ALUMNI-Kreisen teils weit in den Job hinein fortführen, scheint das Konkurrenzdenken bei Frauen ausgeprägter zu sein als die Nutzwertorientierung gegenseitigen Verknüpfens.

Bundeskanzlerin Angela Merkel brachte die Vorteile der Kontaktpflege anlässlich eines parteiinternen Netzwerkerinnen-Treffens im Februar auf den Punkt: Netzwerke dienen Erfolgen, und zwar gemeinsamen wie persönlichen Erfolgen. Dabei sei eines gewiss: „Netzwerke sind umso stärker, je größer die Beteiligung ist und je mehr Knoten sich bilden können."

Andere nicht als Konkurrenten, sondern als Kollegen wahrnehmen

Was hindert Frauen also am Verknüpfen zum eigenen Vorteil? Im Kern sind es Ängste und Vorurteile. Am Anfang der Karriere hadern viele damit, sich zu öffnen, um keine Schwächen offenzulegen und Angriffsflächen zu bieten.

Sie sehen in anderen Frauen eher die Konkurrentin als die Kollegin. Doch der Weg als Einzelkämpferin ist beschwerlich. Frauen stehen sich dabei mit ihrer Haltung selbst im Weg. Zur Karriere gehört als Basis ein eindeutiges Bekenntnis.

Wer Einsatzbereitschaft und ausgeprägten Willen mitbringt, kommt auch voran. Gerade jüngeren Frauen fehlt oft der nötige Biss. Und es gibt weitere Hindernisse fürs karrierefördernde Netzwerken:

Prioritäten am falschen Platz

Nach einem langen Arbeitstag fordern Partner und Kinder ihren Tribut. Arbeitende Mütter werden in der Regel vom schlechten Gewissen geplagt, der Familie zu wenig Zeit zu widmen. Auch ohne Kinder nimmt die arbeitsfreie Zeit einen hohen Stellenwert ein - Hobbies, Freunde und Bedürfnisse wollen gepflegt werden.

Das treibt Frauen schneller nach Hause als ihre männlichen Kollegen. Einladungen zum kollegialen oder branchenspezifischen Austausch werden dann als nicht zwingend wichtig eingestuft und oft ausgeschlagen. Dabei liegt hier die Quelle für nützliche Informationen und Kontakte.

Wer vorankommen will, sollte zwei bis drei Abende pro Woche in den Job stecken - seien es Kongresse, interne und externe Veranstaltungen. Wer hier private Termine ständig über den Arbeitseinsatz stellt, verspielt Chancen: auf Unterstützung, Weiterentwicklung und Verständnis.

Mangel an Mut

Das Engagement in rein weiblichen Netzwerken ist mit Vorurteilen behaftet. In den Köpfen konservativer Menschen gelten Frauenbündnisse als Hort kämpferischer Emanzen. Viele Männer, darunter auch Vorgesetzte, begegnen solchen Netzwerken mit Skepsis.

In Deutschland hängt es, anders als in skandinavischen Ländern, noch immer stark von der Unternehmensphilosophie ab, ob Frauen in Führungspositionen gefördert werden oder nicht.

Ein Umstand mit Folgen: Um Imageschäden zu vermeiden, verschweigen manche Frauen ihre Mitgliedschaft in weiblichen Netzwerken oder trauen sich schlicht nicht, Mitglied zu werden.

Keine Zeitverschwendung, sondern Zielorientierung

Doch gerade dort, wo Männer dominieren, sind gut vernetzte Frauen im Vorteil. Business-Netzwerke fördern den fachlichen, persönlichen und geschäftlichen Austausch, branchenspezifisch oder auch übergreifend.

Netzwerktreffen sind keine Zeitverschwendung, sondern dienen dem Informationsaustausch und bereiten manchmal sogar die Basis für ein künftiges Geschäft. Als selbstständige Beraterin in der Healthcare Branche weiß ich, wie wichtig gute Kontakte sind. Und wie bestärkend ein Netzwerk wirken kann: Frauen erfahren hier, dass andere dieselben Probleme wie sie haben.

Sie können von erprobten Lösungsstrategien profitieren und ernten Verständnis. Das schenkt viel positive Energie.

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