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Life Design, Change & Karriere

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CAREER
Caiaimage/Tom Merton via Getty Images
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Es gibt nach wie vor viele Personaler, die einen Lebenslauf mit unterschiedlichen und womöglich vielen Berufs-Stationen nach wie vor als negativ bewerten. Und sogar als "unbeständig, flatterhaft, nicht-wissend-was-wollend" oder was auch immer titulieren.

Unabhängig davon, dass bei solchen Bewertungen vollständig die neueste Hirnforschung entweder ausgeblendet oder gar nicht bekannt ist, in der gerade durch Vielfalt, nacheinander und konstant bearbeitet, ein größeres neuronales Netzwerk (typisches "Lernen" in der Sprache der Hirnforschung)entsteht mit den Folgen Flexibilität, Jung-und-Agil-Bleiben, Motivation und Geschwindigkeit.

Wird dann auch übersehen, dass solche Lebensläufe einfach auch oft einem ganz gezielten Life Design (Lebens-Gestaltung) folgen und einem hohen Grad an Selbstbestimmung und Selbstmanagement entsprechen.

Eigentlich genau das, was viele Personaler für ihr Unternehmen bräuchten, insbesondere im Zeitalter digitaler Transformation und Disruption: wo alles sich immer schneller ändert, braucht es eben viel mehr denjenigen MitarbeiterIn, der/die entsprechende Offenheit für Lernen und für Flexibilität bei Veränderung mitbringt.

Hier gibt es neuerdings auch immer mehr Studien und Reportings darüber. Da nämlich genau die Generation der Babyboomer, zu der auch ich gehöre, eine neue Form der Karriere-Bildung "gestaltet" hat.

Dass hier auch automatisch bei Einigen das Thema "Lebenslanges Arbeiten" aufkommt, brauche ich nicht zu erwähnen: denn Menschen, die ihr Leben aktiv und selbstbestimmt managen, werden IMMER das tun, was ihnen gefällt - eben weil sie das tun, was ihnen entspricht.

Ich plädiere dafür, dass die junge Generation viel mehr dieser Babyboomer-Generation als Lehrer in den Schulen und Fortbildungs-Instituten hat anstatt all diejenigen Lehrer, die ihr gesamtes Leben nichts Anderes als diesen einen Job gemacht haben.

Nicht, weil ich etwas gegen Lehrer hätte, nein, im Gegenteil: aber der Pensionskomfort verhindert geradezu Flexibilität und Vorbildwirkung, was Veränderung (Change) heutzutage als Lebens-Alltag darstellt. Zur Vorbildwirkung gehören auch neue (weibliche und männliche) Role-Models und das Erkennen, dass Grenzen vor allem im Kopf entstehen.

Lernen bedeutet für mich auch immer wieder mal das Verlassen der eigenen Komfort-Zone, das Wechseln der Perspektive und das Sich-Einlassen auf Neues und Ungewohntes. Wir wurden als Forscher geboren, werden dann aber immer träger. Das muss aber nicht sein.

Gerade für junge Menschen, die noch viel mehr Stabilität benötigen aufgrund der noch nicht so großen Lebenserfahrung, bräuchte es hier viel mehr Vorbilder und LehrerInnen, die eben auch Mut zu Veränderung machen.

Die auch Mut zum eigenen Weg und zu dem, was einen wirklich antreibt im Leben, machen KÖNNEN. Das geht meiner Meinung nach nur dann, wenn man dies auch bereits selbst erlebt hat. Denn zu einem solchen Weg gehören vor allem Mut auch zu Try-and-Error anstatt Fehlersuche, Ja-Sagen zu Fehler-Freundlichkeit und dem Daraus-Lernen und zu solch einem Weg gehören Optimismus und Stärke und das Wissen darum, wie Motivation funktioniert.

(Selbst-)Motivation ist keine zwingend angeborene Eigenschaft, sondern eine erlernbare Fähigkeit, die insbesondere auch mit dem Wissen um Gehirnforschung einhergeht.

Die neuronale Plastizität ist ein lebenslanger Prozess, was nichts Anderes bedeutet als dass Lernen und Veränderung lebenslang stattfinden können, vorausgesetzt, man tut etwas dafür. Diese neuronale Plastizität sorgt dafür im Gehirn, dass wir flexibel und agil bleiben. Vorausgesetzt wir bleiben neugierig, lern- und aufnahmefähig im ganzheitlichen Sinn.

Denn dann geht es gerade weiter: Menschen, die einen solchen Weg bereit sind und die offen geblieben sind, können dann meistens auch gut motivieren.

Ganz einfach aus dem Wissen heraus, dass es neben den Tiefschlägen, die immer dazugehören, dann eben auch wieder die Wege nach oben gibt. Wer nicht motivieren kann, hat entsprechende Mitarbeiter.

Ich spreche deswegen auch von der Notwendigkeit strategischer Resilienz und strategischer Innovation in Unternehmen: damit meine ich nichts Anderes als die alltagstaugliche und regelmäßige Möglichkeit für Mitarbeiter, sich vor Burn-Out zu schützen, sich im Unternehmen regellmäßig zu bewegen, kreativ sein zu können und ständig Neues lernen zu können.

Dazu gehören für mich auch Kinderbetreuung, sinnvoll organisiert, in der gute Bindung zwischen Mutter-und-Kind oder Vater-und-Kind aufrechterhalten bleiben.

An einigen der Top-Unternehmen kann man zumindest einen Eindruck erlangen, was ich unter strategischer Resilienz & Innovation verstehe. Das kostet natürlich sehr viel Geld. Aber ich sehe den (sozialen) ROI (Return-on-Invest) in diesem Zusammenhang langfristig als sehr viel höher als den betriebswirtschaftlich üblichen ROI.

Es wird viel über Change GEREDET, für mich bedeutet Change aber wirklich noch etwas Weitergehendes: wer Change lebt, und sei es durch regelmäßige Bewegung, kreatives Tun, Lernen unterschiedlichster Art - das muss alles nicht kompliziert sein und kann für jeden Menschen entsprechend passen - kann Veränderung im Außen viel leichter annehmen und verarbeiten. Denn Eines ist sicher: der evolutionäre Anpassungsdruck ist sehr viel höher als er jemals war, bedingt durch den technischen Fortschritt.

Das benötigt bei allen Menschen, bei allen Mitarbeitern alltagstaugliche Programme. Ich sage bewusst alltagstauglich: denn alles, was mal kurz auf der Bühne in einer Chakka-Veranstaltung vorgeturnt wird oder so zwischendurch mal unterrichtet, geht am Change vorbei - Change will alltagstauglich ins Leben integriert werden.

Und wenn es mit dem Fahrrad-Fahren beginnt. Egal. Es gibt viele einfach umsetzbare Möglichkeiten. Im Unternehmen bedeuten sie aber: Arbeitszeit zugunsten Zeiten für strategische Resilienz & Innovation. Und damit hier jeder schon mal einen ersten Einblick hat, finde ich diesen Beitrag sehr aufschlussreich: er bringt in Kürze das, was neuronale Plastiziät und damit Lernen, Flexibilität, Agilität, in alltagstauglicher Form bedeuten.

Innovation ist daher für mich weit davon entfernt, ausschließlich technisch gesehen zu werden. Innovation ist immer Er-Neuerung, egal ob geschäftlich oder persönlich. Aus meiner Upcycling-Erfahrung aus meiner Jugend (ich lernte Schneidern von meiner Mutter und machte auch aus alten Klamotten was Schönes und Neues, heute kann ich Schneidern aus Routine-Gründen nicht mehr sehr gut, aber das Upcycling geht nach wie vor gut) habe ich Innovation gelernt und daraus übertrage ich auch Innovations-Denken.

Wie aber entsteht Innovation und die entsprechende Strategie dazu? Aus einem alten Blog-Beitrag könnt Ihr hier nochmals nachlesen, WARUM zuerst das Adaptiv-Unbewusste zwingend kommen MUSS, BEVOR der Kopf und die Strategie einsetzt.

Dies ist einer der großen Fehler, die gemacht werden: zuallererst immer den Kopf und das Denken einzuschalten. Ressourcen-schonender und effizienter jedenfalls ist der umgekehrte Weg. Also: Kognition PLUS Unbewusstes in Synchronisation zu bringen - das ist die Aufgabe.

Ich habe beispielsweise in der Zeit meines letzten Berufswechsels, der vor allem durch eine neue Gesetzgebung entstand und nicht ganz freiwillig entstand, mich dann auch nicht drausbringen lassen.

Obwohl es wirklich manchmal so richtig hart war, so wie es eben ist mit Geschäfts-Gründungen, und ich wirklich sehr viel dafür getan habe, aber insbesondere Eines nie vergaß: mich selbst zu motivieren und an mich und meine Möglichkeiten zu glauben.

Und: da ich immer jeden meiner Tätigkeiten in meinem Leben gerne machte (selbst die Ferienjobs in meiner Schulzeit als Verkäuferin oder Putzfrau in einer Putzkolonne, oder als Arbeiterin in einem großen Automobilkonzern nach meinem Abitur), wollte ich auch hier wieder etwas machen, was mir entspricht und mich antreibt.

Denn ohne das funktioniert es eben einfach nicht wirklich gut, insbesonere gefährdet man die eigene Gesundheit dauerhaft, wenn man nur funktioniert, anstatt auch zu "brennen" für Etwas.

Aber: Life Design hört sich so an, wie wenn man "Schnipp" macht und schon ist alles da, wie bei Tischlein-Deck-Dich. Nein, um die Illusion zu nehmen: Ohne Schweiß kein Preis. Um nochmals aus dem Nähkästchen zu plaudern: ich habe mir fast 2 Jahre Zeit genommen und etwas mehr, all meine Programme und Entwicklungen zu entwickeln, die es nun von mir gibt. Und mein Geschäftsmodell so aufzubauen, wie es jetzt eben da steht.

Dafür war ich auch zu sehr viel bereit: ich habe extreme Kosten-Einsparung betrieben, habe Wachstum vor Profit als höchste Priorität gesetzt, in den ersten 2 Jahren hohe Verluste gemacht und erst im dritten Jahr nun wieder Gewinne. Und das alles mit wenig Kapital, aber als ehemalige Finanzberaterin habe ich halt die Schalthebel gewusst, damit umzugehen.

Damit will ich sagen: alles im Leben kostet seinen Preis. Und alles hat seinen Return-on-Invest. Und jeder muss sich daher die eigene Lebens-Gestaltung selbst gestalten - und die Frage des eigenen Preises dafür auch selbst beantworten.

Ich selbst nutze daher seit Jahren viele unterschiedliche Methoden, aber besonders gerne die wirklich großartige Leistung einer großartigen Pionierin auf dem Gebiet der Psychologie und Psycho-Analyse, Frau Dr. Maja Storch und ihrem Kollegen Frank Krause: die ZRM®-Methode, das sie vor 15 Jahren aus höchst-wissenschaftlicher Grundlage entwickelten und das ich selbst seit einigen Jahren in Coachings und Beratungen neben meinen eigenen Modellen für Motivation und Selbstmanagement erfolgreich einsetze.

Vielleicht habe ich dem typischen Homo Oeconomicus, zu der Sorte gehöre ich eben auch, eine erweiterte Definition geliefert: nicht nur erst seit meiner damaligen FinanzWerkStatt, in der neben Analyse immer auch die Emotion Platz hatte und sich in der Wortschöpfung wiederfand, hielt ich eine Synchronisation von Emotion und Analyse für möglich.

Auch, dass Naturwissenschaften oder Mathematik nicht zusätzlich einhergehen mit dem Zwang zu einem hässlichen Entlein. Deshalb plädiere ich auch hier für ein Umdenken in den Lehrplänen:
  1. Ökonomie braucht zwingend Psychologie & Philosophie,
  2. Design braucht zwingend Ökonomie,
  3. Life Coaching benötigt zunehmend Motivation, Selbstmanagement PLUS Ökonomie-Schulung,
  4. Psychologie benötigt Ökonomie-Wissen
  5. und so fort
Gerne bezeichne ich mich deshalb selbst als EcoModel (Eco wie Ökologie, aber auch Ökonomie)- einfach nur, um ein neues Role Model nicht nur für Frauen zu liefern. Hochschulen werden ihren Bildungsauftrag, so wie ich das sehe, zukünftig nur gut erfüllen können, wenn sie ihre Lehrpläne der neuesten Hirnforschung anpassen: indem Cross-Over-Lernen verschiedener Fakultäten eingeführt wird und somit vernetzte Gehirne und dadurch vernetztes Denken erfolgen kann.

Und das auch die Intuition sowie das Unterbewusste in rein linkshirn-hälftigen Fächern unterrichtet. Das alles ist kein Hirngespinst, sondern rein schon aus Zeitgründen für die bessere Reaktions-Geschwindigkeit zwingend: denn Denken und der Verstand sind wichtig, das Unbewusste jedoch erfasst schneller und zeitsparender und ist daher für den Motivations-Bereich sowie für Zielerreichung unerlässlich.

Außerdem wird das von Maja Storch so schön entwickelte Embodiment zunehmend wichtiger - das Fühlen über den Körper. Wir sind also in Zeiten von schneller Veränderung zunehmend auf ganzheitliche Lehre angewiesen, die das Fühlen, Spüren, Be-Greifen neben das Denken und den Verstand setzen.

Die Astronautinnen, zu deren letzter Veranstaltung ich über meinen Blogger-Pool eingeladen war, haben sicherlich auch eine neue Role Model Ära angestoßen: sie haben in ihren Biographien ganz eindeutig erkennbar gemacht, dass ohne dieses Cross-Over-Lernen (und BEWEGUNG gehört ZWINGEND dazu), auch Weiblichkeit nicht geopfert werden muss, wenn frau in MINT-Bereiche geht.

Life Design, Change & Karriere gehören für mich deshalb zu einer neuen Form der Zukunfts- und Lebensgestaltung - auf Veränderungen reagieren können, flexibel bleiben, den typischen Erfolgsmodellen die eigenen Erfolgsmodelle entgegensetzen, sich treu bleiben und immer wieder aufstehen, wenn die Fallen des Lebens einen haben hinfallen lassen.

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Wer sich auf sich selbst verlässt, sein Leben selbstbestimmt gestaltet, wird immer die Chancen sehen anstatt die Nicht-Lösungen oder gar Aussichtslosigkeit. Life Design ist daher nicht nur für Motivation wichtig, sondern auch für gesundheitliche und ökonomische Balance.

Und: es ist nie zu spät für Change und Life Design. Jedes Alter hat Charme und Chance für Neubeginn.

Bildnachweis: , Photographics © Sabine Hauswirth, München; Twitterfeeds by Twitter

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