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Begreifen ist mehr als Lernen

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SPIRITUAL
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Leben gelingen lassen ist ein Lern- und laufender Veränderungs-Prozess.

Wer Veränderung be-greifen lernt, wird sich in einer zunehmend einseitigen Lern-"Kultur", auch verstärkt durch Digital-Konsum und sonstigen Dauer-Konsum, durch Vielfalt-Training flexibler, gelassener und zufriedener erleben. Dazu stelle ich heute eine alltagstaugliche Methode vor:

die von mir weiterentwickelte U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing Methode, die als Methode für Veränderungs-Prozesse und Innovations-Denken, aber positiverweise auch als Kreativitäts-Training für Einfallsreichtum, Toleranz und Perspektivenwechsel eingesetzt werden kann.

Letztendlich ist es auch eine Methode, die unser Leben besser gelingen lässt: weil sie eine Haltung erwachsen lässt, die die reinen Glücks-Ratgeber ersetzt, die uns vormachen, Leben sei eine Aufeinanderfolge von Glücklich-Sein, Erfolgreich-Sein, Reich-Sein, Schlank-Sein und so vieles anderes mehr.

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Denn Leben ist Veränderung. Laufend. Und Veränderung will gelernt werden. Wer allerdings von einer statischen Aufeinanderfolge immer gleicher Zustände ausgeht, hat Leben nicht im Griff und schon gar nicht Veränderung oder Konflikte. Auf und Ab, Alt und Neu, Licht und Schatten, Annehmen und Loslassen und so viele verschiedene Polaritäts-Zustände gehören nun einmal dazu. Und das können wir trainieren.
Leben ist das Annehmen von dem, was ist und damit umgehen lernen und Lösungen finden. Wenn wir Leben nicht be-greifen, werden wir zunehmend in unseren Sinnen verarmen und Leben nicht mehr lernen. Denn Leben gelingen ausschließlich durch Lernen: und damit meine ich nicht kognitives Lernen aus der Schule, sondern das Lernen, mit Erfahrungen, Situationen und Menschen umzugehen.

Zurück zu der Methode des U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing: begonnen habe ich in meiner Jugend - und modifiziert habe ich diese Form des Trainings in den letzten Jahren, als ich selbst vor einer meiner schwierigsten Herausforderungen meines Lebens stand: ich fing mit 51 Jahren nochmals von vorne an. Geschäftlich wie Privat.

Ich holte also meine Schatzkiste heraus und entwickelte in kleinen Schritten Modelle für mich selbst, die mir halfen, diesen Neubeginn zu gestalten. Eines meiner Modelle ist das Satellite-Core-Modell, das als Geschäfts- und Einkommensmodell nunmehr für viele als Beispiel dient.

Und ein anderes ist das Training für Veränderung, das allerdings einfach nur per Zufall entstand: das U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing entstand im Prinzip nur deshalb, weil ich vor drei Jahren mit meiner Eco Fashion einen dreimonatigen Pop-up-Store in Rosenheim eröffnete und ich aus meiner Jugend-Zeit das Training für Upcycling noch verinnerlicht hatte. Deshalb finde ich es auch interessant, dass es in Verbindung mit Nähen und Mode entstand, also mit etwas, das mit Händen und dem Tastsinn zu tun hat. Ursprung also 1979.

Heute nennt man das Upcycling. Früher hatten wir keinen Begriff dafür. So entstand also alles und ist heute fester Bestandteil meines Alltages sowie Inhalt von Beratung und Vorträgen.

Ich sehe in unserer Gesellschaft einen zunehmenden Trainings- und Lernbedarf im ganzheitlichen Lernen: Be-Greifen, Sehen, Fühlen, Be-Wegen - das sind alles Dinge, die immer mehr verlernt werden.

Die aktuelle Nachricht aus den Medien, dass immer weniger deutsche Kinder schwimmen können, ist eine der vielen Anzeichen, dass die Konsumgesellschaft ihr Ausmaß immer mehr zeigt: anstatt selbst etwas hinzukriegen, wird der Mensch zunehmend Teil einer Verbraucher- und Konsum-Mentalität, die aus der Selbstwirksamkeit und aus der Selbstbestimmung herausführt. Ob dies zielgerichtete Strategie ist, das steht an anderer Stelle.

Wir können alle etwas tun, dass wir nicht Teil dieser Mentalität sind oder bleiben. Das von mir so benannte U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing, das anders funktioniert als das Design Thinking, einer hervorragenden und mittlerweile weit verbreiteten kreativen Management-Methode.

Doch der Reihe nach und was unter Upcycling zu verstehen ist:
"Upcycling ist eine Form der Wiederverwertung von Stoffen (Recycling). Scheinbar nutzlose Abfallprodukte werden mithilfe des Upcyclings in neuwertige Stoffe umgewandelt. Anders als beim Recycling oder Downcycling kommt es beim Upcycling zu einer stofflichen Aufwertung" - so die Definition aus dem "Lexikon der Nachhaltigkeit".

Über das Upcycling während meiner Jugend hinaus dehnte ich die Vorgehensweise dahinter in viele andere Bereiche aus und entwickelte darüber hinaus viele andere Innovations- und Kreativitäts-Methoden.

Denn nicht nur Stoffe sind Ressourcen, die aufgewertet werden können, sondern es gibt viele andere Ressourcen, die es wert sind, nicht nur unter den Gesichtspunkten von Effektivität und Effizienz oder Wegwerf-Mentalität gesehen zu werden.
Im Zeitalter von Klima-Wandel und einer stark überalteten Gesellschaft ohne zahlreich nachkommende junge Generation gilt es achtsam zu sein im Umgang mit Bestehendem, Innovation und Jugend, sowie dem Umgang mit Ressourcen.

Darüberhinaus gibt es immer mehr die Notwendigkeit, über das DENKEN hinauszukommen und sich dem FÜHLEN wieder mehr zu nähern.
Über Upcycling wird man regelrecht dazu gezwungen, zu fühlen und zu be-greifen: denn Stoffe sind manchmal weich, kratzend, dünn, dick, wohlig, unangenehm und so weiter. Über den Vorgang des Fühlens (englisch: Sensing/Verb, Sense/Nomen) wird unser Gehirn in anderen Bereichen angeregt und dadurch wird auch die sogenannte neuronale Plastizität gefördert, die unter anderem unserer geistigen Flexibilität dient.

Das U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing, das ausdrücklich das Fühlen und die Sinne einbezieht, ist als alltagstaugliche innovative Trainings-Methode für Veränderungsprozesse, Innovations-Denken und Einfallsreichtum anwendbar, die das Lernen über alle Sinne, insbesondere über das SENSING (Fühlen, Begreifen, englische Übersetzung für SENSE = Ein Gefühl oder eine Wahrnehmung, das durch die Organe der Berührung, des Geschmacks, des Sehens, des Hörens, des Riechens hervorgerufen wird oder aus einer bestimmten Bedingung eines Teils des Körpers resultiert; SENSING = über die Sinne wahrnehmen; bewusst werden).

Ich habe hier die einzelnen Schritte in einer Photographic-To-Touch dargestellt sowie in einer zweiten Photographic eine Transfer-Übung für einen anderen Bereich, hier am Beispiel des Betrachtens eines alten Gebäudes, um die Methodik des Upcycling als Denk- und Handlungs-Methode vorzustellen.

Es geht also um das Einsetzen unserer Sinne beim Lernen und beim Ermöglichen von Veränderungsprozessen. Veränderungsprozesse werden alle möglichen Prozesse verstanden, die mit einer Veränderung von unerwünschtem Verhalten (beispielsweise in der Psychologie die typische Verhaltenstherapie) oder Change-Management-Prozesse in Unternehmen.

Dazu benötigt es ein Untersuchen des Ist-Zustandes(oder des Gegenstandes, des Prozesses usw.) und dazu benötigt es immer auch Perspektiven-Wechsel, also das Betrachten des Ist-Zustandes aus unterschiedlichen Perspektiven und Betrachtungsweisen. Insoweit SCHAUEN wir also erst einmal und wir FÜHLEN, wie es uns beim BETRACHTEN geht.
Erst in weiteren Schritten machen wir eine Bewertung aus Verstandes-Sicht.

Denn dort, wo unsere Sinne nicht eingesetzt und berücksichtig werden, entsteht der typische Widerstand und das Unwohlsein, das nun einmal damit einhergeht, wenn etwas mit unserem Inneren und Unbewussten nicht in Einklang steht.

Wir können daher unsere Sinne trainieren, wenn wir uns Veränderung stellen wollen, ohne aus unserer Selbstwirksamkeit zu gelangen. Und wir sollten das trainieren, da zunehmend Veränderung im Außen auf uns zukommt, worauf wir flexibel und bestenfalls gelassen reagieren sollten. Dabei geht es vor allem darum, das alltagstauglich zu tun, denn alles Andere ist komplex und dadurch kompliziert.

Um Veränderung und Vielfalt zu trainieren, habe ich auch noch ein paar Tipps für die Integration in den Alltag geschrieben, die ich hier nicht extra aufführe, da es in diesem Artikel um das Upcycling als Methode geht.

Insbesondere in gesellschaftlichen Prozessen, aber auch zunehmend in Unternehmen, werden diese Trainings Einzug halten müssen, will man nicht nur funktionierende Mitarbeiter, sondern einfallsreiche und zugleich widerstandsfähige Mitarbeiter haben. Denn hieraus entsteht das Potenzial und so wie ich das sehe, auch das Wachstum der Zukunft.

Wenn wir das Prinzip des U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing einmal verstanden und verinnerlicht haben, gehen wir automatisch mit Bestehendem anders um und werden dadurch weniger in die Sog des Dauer-Konsums oder einer Wegwerf-Mentalität gezogen.

Zugleich entwickeln wir eine andere Haltung Bestehendem und Neuem gegenüber. Upcycling kann über Mode & Kleidungsstücke hinaus transferiert werden in ALLE Bereiche: Möbel, Häuser, Maschinen, Werkzeuge, Prozesse, Systemik und viele andere Bereiche. Die Haltung dahinter vor allem ist: wer mit Altem gut umgeht, zugleich sich überlegt, was daraus Tolles entstehen kann, anstelle Wegwerfen, Verachten, Ignorieren und Neu-Beschaffen - trainiert sich zugleich in Innovation, Veränderung, Toleranz und Einfallsreichtum.

Ich habe U.P.C.Y.C.L.I.N.G. als Methode in unterschiedlichen Formen und Auswirkungen erkannt und diese möchte ich hier beschreiben:

  • U.P.C.Y.C.L.I.N.G. als Eco/nomy und Vintage Fashion

Mit Upcycling kann man alte Modelle, die meistens eine hervorragende Materialqualität haben in einen neuen, oft ungewöhnlichen Style umgestalten. Die dabei entstehenden Modelle sind oft einzigartig und somit Unikate. Sie unterstreichen den eigenen Typ und lassen einen von der Masse abheben. Zugleich regt der Prozess der Gestaltung den Einfallsreichtum an. Da Upcycling je nach Ziel dessen, was man damit erreichen will, teilweise auch für Menschen ohne handwerklichen Hintergrund und dadurch einfach praktizierbar ist, kommt damit schnell ein Erfolgserlebnis zustande und somit ein Gefühl für Selbstwirksamkeit. Dies ermuntert und motiviert und lässt Flow zu.

  • U.P.C.Y.C.L.I.N.G. als ökonomisches Prinzip

Upcycling regt ganz ausdrücklich den Wert-Erhalt von etwas Bestehendem an. Anstatt die Wegwerf-Mentalität zu begünstigen, regt es an, nicht neu nachzukaufen, sondern aus dem Bestehenden etwas Wert-Schätzendes Neues zu gestalten.
Upcycling ist, als U.P.C.Y.C.L.I.N.G.-Prinzip nach meiner Methode angewandt, zugleich eine Methode für Reduktion und Reduktionsmanagement ("Glück ist Knäckebrot) im Sinne einer ressourcenschonenden Ökonomie. Somit dient dieses U.P.C.Y.C.L.I.N.G.-Design Sensing auch dem Klimaschutz.

  • U.P.C.Y.C.L.I.N.G. als Metapher für ein gesellschafts-politisches Phänomen

Upcycling ist Wert-Schätzung sowohl ALTEM als auch NEUEM/Jungem/Innovativem/Erneuerung gegenüber. Als Metapher angewandt auf die Gesellschaft können wir davon ausgehen, dass dort, wo Innovation und Junges ("Futuregeneration") nicht gesehen wird und nicht erwünscht und gefördert ist, nichts Neues entstehen kann. Dort, wo Junges ist ("Futuregeneration" und "Innovation") und nicht angenommen wird in seinen neuen Ideen, wird dann das Alte ("Die ältere Generation", "Rentner") auch nicht erkannt als wert-schätzend. Ein Kreislauf der Natur ist unterbrochen - und zerstört sich gegenseitig. Deutschland beispielsweise hat die zweitälteste Bevölkerung weltweit nach Japan, in Japan allerdings sind die Generationen untereinander besser verbunden - dies sollte schnellstmöglichst zu Denken und dann zu Handlung führen.

  • U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing als Training in ZUVIEL-Gesellschaft

Konsumgesellschaft, Non-Stop-Ablenkung, Subito-Gesellschaft, Kultur-Vergessenheit, Terrorismus und Digitale Reizüberflutung - alles Teile einer Gesellschaft, die Selbstbestimmung nahezu unmöglich macht, führen dazu, dass der Mensch immer mehr verloren geht und Ängste zunehmen.

Upcycling als Training beruhigt, fokussiert, lässt Wesentliches erkennen und lässt Selbst-Bezug zu. Die ständige Beschäftigung damit lässt außerdem Veränderung immer mehr als positiven Bestandteil des Prozesses zu - und lässt zudem ständig Neues entstehen, ohne das "Alte" zu vernichten.

Insoweit ist Upcycling ein Innovations-Training, das zugleich Werte schätzt und Veränderung lieben lernt. Durch das Arbeiten mit Händen wird zugleich den seit langem von Hirnforschern angekündigten negativen Folgen von Digital-Konsum (Gehirne verändern sich, Konzentration & Lernen wird zunehmend schwieriger uvm.) etwas entgegengesetzt - Bereiche des Gehirns werden durch Be-Greifen(Tast-Sinn, auch: sensing im Englischen), ergänzt mit Bewegung + Mental-Training verstärkt (u.a. motorischer Kortex): Bereiche, die für Lernen, Konzentration, Einfallsreichtumg und "Etwas-In-Bewegung-Setzen" dringend benötigt werden. Upcycling Design Sensing geht also über das Design Thinking hinaus - es nimmt ausdrücklich Fühlen, Be-Greifen, Gefühle, als methodische Bestandteile auf.

Das Prinzip ist zugleich ein Training für Neurogenese und neuronale Plastizität, bekannt für Konzentration, Entschleunigung, schnelleres Umschalten & Flexibilität, natürliches Anti-Aging, aber auch als Panikbremse sowie Prävention für degenerative Erkrankungen wie Alzheimer - durch ganzheitliches Training (hier: Überlegen/Denken + Fühlen/Be-Greifen + Sehen, idealerweise ergänzt mit Riechen, Bewegung, Natur) wird Neurogenese erzeugt und diese Erkenntnisse sind in Wissenschaft & Forschung längst belegt. Wichtig an der Stelle erscheint mir auch, dass jegliches Mental-Training immer auch alleine ausführbar sein sollte, um den manipulativen Charakter, den jedes Trainings-Modell haben kann, wenn es durch andere, die es nicht gut mit dem Menschen meinen, in die Hand nehmen.

  • U.P.C.Y.C.L.I.N.G. als Bestandteil eines ökonomischen Prinzips und von Lebensgestaltung
Wer die heutigen Anforderungen einer zunehmend komplexen Welt be-greifen und ge-stalten will, benötigt Strategien der Vereinfachung und Reduktion. Wir benötigen zum eigentlichen Life Management (also das, was wir zum täglichen Leben benötigen und für den Lebensunterhalt) immer mehr ein Reduktionsmanagement (Umgang mit Zeit, Stress, Digitalkonsum, Entschleunigung, Intuition, Upcycling als Symbol für Ressourcen-Schonung Körperlich, Seelisch, Stofflich und Natur-Bezug).

Da nichts von Alleine entsteht, bedarf es immer einer Entscheidung, um ins Handeln zu kommen. Ins Handeln kommen wir besser, wenn wir uns ganzheitlich trainieren und nicht nur reden oder zuschauen.
Und Training bedeutet zugleich Regelmäßigkeit. Wir kommen also nicht umhin, Regelmäßigkeit in unseren Alltag zu integrieren, die mit Leben gelingen lassen zu tun hat.

U.P.C.Y.C.L.I.N.G. Design Sensing könnte ein Bestandteil davon sein.

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