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Alle schimpfen über den Pflegebereich - ich könnte mir keinen schöneren Job vorstellen

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Eva-Katalin via Getty Images
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Menschen zu helfen treibt mich an - jeden Tag, wenn ich zur Arbeit gehe.

Ich bin Alltagsbetreuerin für Senioren und habe Qualifikationen in drei Bereichen: der Pflege, der Betreuung und der Hauswirtschaft.

Unsere Hausgemeinschaft ist in mehrere Wohngruppen aufgeteilt. In jeder Gruppe ist tagsüber - im zwei-Schicht- System - ein Alltagsbetreuer anwesend.

Wir sind somit ein wichtiges Bindeglied zwischen examinierten Pflege-, Reinigungs- und reinen Betreuungskräften. Wir kümmern uns um die grundlegenden Dinge aus allen drei Tätigkeitsbereichen.

Von morgens bis abends

Dies beginnt am Morgen damit, dass wir unsere Bewohnerinnen und Bewohner beim Aufstehen und der Grundpflege unterstützen.

Anschließend bringen wir sie zum Frühstück, in unsere "Wohnküche". Dies dürfen Sie sich wie ein Wohnzimmer mit Küche vorstellen. Sehr gemütlich und familiär.

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Hier können die Bewohnerinnen und Bewohner beim Frühstück machen helfen, wenn sie dies können und wollen, ansonsten machen wir ihnen das Essen. Das gleiche Prinzip beim MIttagessen.

Wir kochen selbst - und das vorteilhaft für unsere Bewohner.

Sie profitieren davon, dass um sie herum gearbeitet wird. Die Gerüche, wenn etwas angebraten wird, versetzen sie in Erinnerungen an die eigene Zeit in der Küche, in ihrem früheren Zuhause.

Neben der Pflege und dem Kochen machen wir auch die Wäsche der Bewohnerinnen und Bewohner. Am Abend endet der Tag wieder mit dem zu Bett bringen.

Ich möchte keine andere Arbeit mehr machen

Ursprünglich habe ich Friseurin gelernt. Dabei war ich viele Jahre unterwegs, habe auch ältere Menschen zu Hause besucht und ihnen die Haare gemacht. Als ich dann eines Tages arbeitslos wurde, war für mich sofort klar, dass ich in einem Pflegeheim arbeiten möchte.

Die Arbeit mit den Menschen erfüllt mich einfach. Ich verbringe den halben Tag mit den meinen Bewohnern. Da hat man eine Verbindung zueinander. Die Möglichkeit, diesen Menschen helfen zu können, hat einen ganz besonderen Reiz.

Mehr zum Thema: "Ich habe einfach nur Angst" - was es für Kinder bedeutet, wenn Kitas unterbesetzt sind

Ich bin hier ganz nah am Menschen. Die Dankbarkeit der Personen, welche ich teilweise schon seit fünf bis sechs Jahren begleite, bereichert mich ungemein.

Am liebsten arbeite ich dabei mit dementen Personen. Hier ist nämlich die Dankbarkeit noch größer. Sie freuen sich immer, wenn ich bei ihnen bin.

Ein "Ich mag dich" oder "schön, dass du da bist" der Bewohner, gemeinsames Lachen und persönliche Nähe.

Eine Bewohnerin, zu der ich regelmäßig ins Zimmer gehe, mich einfach etwas zu ihr setze und ihr die Hand streichele, nennt mich immer "meine Kleine". Das alles sind meine schönsten beruflichen Momente.

Ich möchte keine andere Arbeit mehr machen.

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