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Ohne Trump - aber mit Amerika

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
ANGELA MERKEL BIERZELT
dpa
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Drei S├Ątze von Angela Merkel, gesprochen in einem Bierzelt in M├╝nchen-Trudering, haben ein weltweites Echo ausgel├Âst: W├Ârtlich sagte die Kanzlerin:

"Die Zeiten, in denen wir uns auf andere v├Âllig verlassen konnten, die sind ein St├╝ck vorbei. Das habe ich in den letzten Tagen erlebt. Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europ├Ąer m├╝ssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen."

Endlich, sagen Antiamerikaner von Linkspartei bis AfD, von Lafontaine bis Gauland. Weg von den USA wollten wir schon immer.

Freuen d├╝rfte sich auch Putin. Schlie├člich ist es seit Sowjetzeiten Ziel russischer Politik, einen Keil zwischen Europa und die USA zu treiben. Ohne USA, so das Kalk├╝l, s├Ąhen sich die europ├Ąischen Staaten einem milit├Ąrisch m├Ąchtigeren Russland gegen├╝ber.

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Und wenn es dann noch gel├Ąnge, mit Hilfe von Le Pen, Wilders, der AfD und anderen EU-feindlichen Kr├Ąften die EU zu zerst├Âren, st├╝nde einer russischen Hegemonie ├╝ber Europa nach dem Motto "teile und herrsche" nichts mehr im Weg.

Weil man dieses Szenario auch in Peking kennt, d├╝rften dort die Gef├╝hle eher gemischt sein. Einerseits steigen bei einem Zerfall des Westens die eigenen Chancen, k├╝nftig die weltweiten Spielregeln zu bestimmen.

In Amerika werden sich die Isolationisten freuen

Andererseits ist man von russischer Dominanz in Europa auch nicht begeistert. Schlie├člich braucht man auch in China erfolgreiche Wirtschaftspartner. Und da ist Russland doch ern├╝chternd erfolglos.

In Amerika werden sich die Isolationisten freuen. Endlich "Amerika first" - schlie├člich machen es die anderen genauso. Und in einigen europ├Ąischen Hauptst├Ądten gehen die Warnlichter an. Was wird Deutschland machen, wenn die USA sich aus Europa zur├╝ckziehen?

Nat├╝rlich wei├č Merkel das alles. Deshalb hat sie auch noch einen Satz hinzu gef├╝gt und mehrfach wiederholt:

"Nat├╝rlich in Freundschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika."

Die Botschaft aus dem Bierzelt in Trudering ist also glasklar: "Ohne Trump - aber mit Amerika"

Trump ist unberechenbar

Niemand wei├č, was er als n├Ąchstes macht und wann er den Kurs wieder ├Ąndert. Deshalb, so Merkel, k├Ânnen wir uns auf den derzeitigen amerikanischen Pr├Ąsidenten nicht verlassen. Damit hat sie Recht.

Ô×Ę Mehr zum Thema: "Besch├Ąmend": Amerikaner sind emp├Ârt dar├╝ber, wie sich Trump w├Ąhrend der Nationalhymne benimmt

Die Forderung, Europa m├╝sse sein Schicksal in die eigenen H├Ąnde nehmen, zielt darauf, den desolaten Zustand der EU zu ├╝berwinden. Das ist in jedem Fall notwendig, wenn Europa in der multipolaren Welt des 21. Jahrhunderts als Akteur wirksam f├╝r seine Interessen an Frieden, Freihandel und Menschenrechten eintreten will, statt zum konfliktreichen Spielfeld f├╝r andere zu werden.

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Nur zusammen mit den USA kann Europa die weltweiten Regeln in diesem Sinn wirksam beeinflussen. Beide stehen (noch) f├╝r jeweils knapp ein Viertel der Weltwirtschaftsleistung.

Aber wie soll das ohne oder gegen Trump gehen? Schlie├člich stellt er gemeinsame Grundlagen des Westens in Frage.

Trump bleibt in vielem auf die Zustimmung von Senat und Repr├Ąsentantenhaus angewiesen. NGO┬┤s sind ├╝ber den Atlantik miteinander verbunden durch die gemeinsame Arbeit gegen Klimawandel oder f├╝r Menschenrechte.

Amerikanische Firmen haben in Europa investiert und europ├Ąische in die USA. Da lassen sich In- und Exporte nur noch theoretisch auseinander halten.

Neue Geschlossenheit und eigene St├Ąrke der EU erh├Âht das Gewicht auch gegen├╝ber den USA, die selbst erkennen werden, dass Trumps Strategie in Wahrheit bedeutet "America alone". Und das reicht, bei aller St├Ąrke der USA, auch f├╝r die Wahrnehmung der eigenen Interessen nicht aus.

Ruprecht Polenz war von 2005 bis 2013 Vorsitzender des Ausw├Ąrtigen Ausschusses und viele Jahre Pr├Ąsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft.

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